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Wertschöpfung in einer tokenisierten Wirtschaft: Wer kontrolliert die nächsten Einnahmequellen?

Die Bankenbranche steht vor einer Phase plötzlicher, struktureller Veränderungen. In den nächsten zwei Jahren werden sich Führungskräfte im Bankensektor einer entscheidenden Frage stellen müssen: Wer wird die Zahlungsströme und die neuen Einnahmequellen kontrollieren, die durch die Tokenisierung erschlossen werden?

Die Tokenisierung, die einst als Nischeninnovation galt, entwickelt sich rasch zu einer strategischen Priorität. Eine neue Studie des Institute for Business Value mit dem Titel „2026 Global Outlook for Banking and Financial Markets: Banking in the tokenized economy“ legt nahe, dass die Tokenisierung die Art und Weise, wie Assets bewegt werden, wie Liquidität verwaltet wird und wo Banken Mehrwert schaffen, grundlegend verändern könnte.

Das strategische Argument für die Tokenisierung 

Im Kern ist die Tokenisierung die Darstellung von Eigentumsrechten an Finanzanlagen wie Bargeld, Wertpapieren oder Immobilien in Form digitaler Token. Im Kern ist die Tokenisierung die Darstellung von Eigentumsrechten an Finanzanlagen wie Bargeld, Wertpapieren oder Immobilien in Form digitaler Token.

Die tatsächlichen Auswirkungen gehen jedoch weit über eine schnellere Abwicklung hinaus.

Die Tokenisierung hat das Potenzial, die Funktionsweise von Liquidität und den Zugang dazu grundlegend zu verändern. Anstatt auf zahlreiche Zwischenstellen und manuelle Abstimmungen angewiesen zu sein, können Märkte Transaktionen nahezu in Echtzeit und mit weniger Reibungsverlusten koordinieren.

Dieser Wandel könnte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Finanzdienstleistungssektor verändern, den Weg für neue Geschäftsmodelle ebnen und die Rolle der Banken im Wertetransfer neu definieren. Diese Entwicklung ist der Grund, warum viele Führungskräfte im Bankensektor die Tokenisierung mittlerweile nicht mehr als Nischeninnovation, sondern als strategische Priorität betrachten.

Warum Ehrgeiz die Umsetzung überholt

Obwohl viele Führungskräfte im Bankensektor diese Chance erkennen, sind die Fortschritte nach wie vor unterschiedlich.

Ein großes Hindernis ist der Fachkräftemangel. Laut der Studie IBM Institute for Business Value geben 71 % der Führungskräfte an, dass ihnen die für Tokenisierungsinitiativen erforderlichen Schlüsselkompetenzen fehlen, wobei einige die Auswirkungen als „erheblich einschränkend“ bezeichnen.

Die Technologie ist eine weitere Hürde. Viele Banken stützen sich nach wie vor auf veraltete Kernplattformen, die nicht dafür ausgelegt sind, tokenisiertes Geld oder tokenisierte Assets zu unterstützen. Die Umstellung dieser Systeme kann sowohl komplex als auch kostspielig sein.

Hinzu kommt die Unsicherheit darüber, welche Plattformen und Partner ausgewählt werden sollen, weshalb viele Führungskräfte im Bankensektor genau in dem Moment zögern, zu handeln, in dem es auf die richtige Dynamik ankommt.

Der Wert von Vertrauen: CBDCs könnten ein Umdenken der Bankökonomie erzwingen

Der Bericht weist zudem auf eine weitere mögliche Umwälzung hin: Etwa ein Drittel der Führungskräfte ist der Ansicht, dass digitale Zentralbankwährungen (CBDCs)letztendlich die traditionellen Kartennetzwerke ersetzen könnten.

Sollte dies eintreten, könnten die Auswirkungen für die Banken erheblich und unmittelbar sein. Interchange-Gebühren und Einlagenerträge könnten unter Druck geraten, während die Kontrolle über Transaktionsdaten und Kundenbeziehungen auf neue Akteure übergehen könnte.

Diese Veränderung würde die Banken dazu zwingen, die Quelle ihres Mehrwerts neu zu überdenken. Anstatt ihre Einnahmen in erster Linie aus der Abwicklung von Transaktionen zu erzielen, müssten die Banken möglicherweise einen stärkeren Schwerpunkt auf andere Dienstleistungen legen. Zu diesen Dienstleistungen gehören die Verwahrung von digitalem Geld, die Sicherung tokenisierter Assets und die Unterstützung der Kunden bei der Orientierung in immer komplexer werdenden digitalen Finanzökosystemen.

In einer tokenisierten Wirtschaft könnten Vertrauen und Fachwissen zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen werden.

Die nächste Phase des Bankwesens

Während die tokenisierte Wirtschaft Gestalt annimmt, überdenken führende Vertreter des Bankensektors, wie sie in die Zukunft investieren sollen.

Anstatt die Tokenisierung als eine Reihe isolierter Pilotprojekte oder experimenteller Anwendungsfälle zu betrachten, beginnen führende Institute, sie als Teil der Kerninfrastruktur der Bank zu betrachten. Dieser Wandel verändert die Investitionsprioritäten.

Anstatt sich ausschließlich auf den Schutz statischer Assets zu konzentrieren, richten Banken ihr Augenmerk zunehmend auf Plattformen, die einen effizienteren Kapitalfluss ermöglichen – mit weniger Übergaben, weniger Reibungsverlusten und größerer Flexibilität. Modulare, KI-fähige Architekturen sind in diesem Umfeld besonders wichtig, da sie Banken dabei unterstützen können, sich an die kontinuierliche Weiterentwicklung von Technologie und Regulierung anzupassen.

Bis Jahr 2030 könnten diese Fähigkeiten keine Alleinstellungsmerkmale mehr sein, sondern lediglich die Grundvoraussetzung darstellen.

Die Institute, die frühzeitig handeln, werden wahrscheinlich am besten positioniert sein, um die nächste Entwicklungsstufe im Bankwesen anzuführen.

Die Tokenisierung ist nicht bloß die Digitalisierung von Assets. Sie ist eine Neudefinition dessen, wie sich Wert durch das Finanzsystem bewegt – und wer letztendlich davon profitiert. 

Lesen Sie den IBV-Bericht Bankwesen in der tokenisierten Wirtschaft

Autor

Shanker Ramamurthy

Global Managing Partner Banking & Financial Markets

IBM Consulting

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