Innovation

Aufklärung und Transparenz fördern KI-Akzeptanz

Deutschland investiert mehr Geld in Landwirtschaft als in digitale Innovationen und belegt im Digitalisierungsindex vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (2017) nur Rang 17. Längst ist klar, dass hier Nachholbedarf besteht. So arbeitet nicht nur die Bundesregierung an einer Strategie für Künstliche Intelligenz (KI), sondern auch der Bundestag nutzt die ihm zur Verfügung stehenden Mittel – Enquete Kommissionen – um das Thema voranzutreiben. Enquete Kommissionen sind Arbeitsgruppen, die beauftragt werden, um fachliche Fragen zu klären. Gemeinsam mit externen Sachverständigen, zum Beispiel Wissenschaftlern und Industrievertretern, beraten Abgeordnete hier ökonomische, juristische oder soziale Aspekte und bereiten so spätere Entscheidungen inhaltlich vor. Das Ergebnis ist ein Abschlussbericht, aus dem der Bundestag dann beispielsweise Rückschlüsse auf notwendige Gesetzesänderungen oder neue Gesetze ziehen kann. Ich bin stolz darauf, seit gestern IBM in der Enquete Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche Potenziale“ zu vertreten und möchte so helfen, die Chancen rund um KI zu nutzen und die Herausforderungen zu bewältigen.

Diffuse Ängste hemmen Digitalisierung

Deutschland, das Land der Dichter und Denker. Geburtsstätte fabelhafter Erfindungen, die das Leben vieler beeinflussen: Buchdruck, Autos mit Verbrennungsmotor, Aspirin und der Zuse Z3 – alles ersonnen von klugen Landsleuten. Spult man allerdings in das 21. Jahrhundert vor, ein Jahrhundert, das geprägt ist von zunehmender Digitalisierung und Künstlichen Intelligenzen, lichten sich die Reihen der Verdienste aus Deutschland. Zwar haben einige Unternehmen aus Deutschland versucht, in der digitalen Welt Fuß zu fassen, doch einzig SAP konnte sich bisher zum globalen Player aufschwingen. Damit liegt die letzte erfolgreiche Gründung im digitalen Sektor über 45 Jahre zurück.

Das ist sicher kein Anzeichen dafür, dass die hiesigen Entwickler weniger innovativ sind – aber ihre Kreativität wird durch diffuse Ängste ausgebremst. Gerade die Nutzung von KI – egal ob im privaten oder geschäftlichen Kontext – leidet unter dem mangelnden Vertrauen der breiten Bevölkerung. Beispiel Healthcare: KI kann einen Facharzt dabei unterstützen, die richtige Therapie zu finden. Aber oft hören die Menschen nur KI und Auswahl der Therapie und glauben, dass eine KI den Arzt – eine wichtige Vertrauensinstanz – ersetzen wird. Dabei geht es in diesem Szenario nur darum, den Arzt bei der Auswertung von Informationen zu unterstützen. So wird er in die Lage versetzt, seine Routineaufgabe möglichst einfach und schnell zu erledigen. Von einem Ersatz ist nicht die Rede.

Transparenz ist der Schlüssel zum Erfolg

Die beste Chance, digitalen Innovationen – und damit auch Deutschland – auf die Erfolgsspur zu verhelfen, liegt in der aktiven KI-Aufklärung und -Diskussion. Neues muss immer erst seinen Nutzen beweisen – auch das Auto wurde anfangs verteufelt und belächelt, wo es doch genug Pferde gab.

Anwendungsfelder für KI gibt es viele – neben der Gesundheitsversorgung können KI-gestützte Chatbots den Kundenservice unterstützen oder KI-Systeme eine vorausschauende Wartung von technischen Geräten erlauben. Produzierende Unternehmen können dadurch von geringeren Ausfallzeiten und sinkenden Wartungskosten enorm profitieren.

Bei der Akzeptanz für KI spielen Fragen der Ethik eine entscheidende Rolle. KI eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für die Gesellschaft, sie muss aber ethischen Grundprinzipien entsprechen. Aus diesem Grund haben wir Vertrauens- und Transparenzprinzipien aufgestellt und wir rufen auch andere Akteure auf, diesen Leitlinien zu folgen. Konkret lauten diese:

  • Der Zweck einer KI ist es, die menschliche Intelligenz zu erweitern und zu unterstützen.
  • Daten und Erkenntnisse gehören ihren Schöpfern bzw. den jeweiligen Unternehmen, die das KI-System nutzen.
  • KI-Systeme müssen transparent und erklärbar sein.

Es ist mir ein Anliegen, diese Prinzipien im Rahmen der Enquete Kommission zu diskutieren, da Transparenz neben dem verantwortungsvollen Umgang mit den Daten der Schlüssel zum Erfolg ist. Die Anwender möchten wissen, wie die vermeintliche „Black Box“ zu ihren Entscheidungen kommt.

Es muss klar sein, dass die Algorithmen auf der Basis eines Datensatzes trainiert werden; dieser also ausschlaggebend für die spätere Entscheidung ist. Bildet der Trainingsdatensatz nicht das gesamte Szenario ab, wirkt sich das auf die Empfehlung der KI aus. Füttert man die KI beispielsweise mit mathematischen Formeln, vergisst aber die Regel „Punkt vor Strich“, wird sie nicht darauf kommen, dass 1 + 2 * 3 = 7 und nicht etwa 9 ist. So entsteht schnell der Eindruck, dass die KI nicht in der Lage ist, richtige Entscheidungen zu treffen. Außerdem kann eine KI in der Regel nur einen Aufgabenbereich abdecken. Die Rechen-KI wäre also nicht in der Lage, zu übersetzen oder Sprache in Text zu verwandeln, weil sie nicht darauf trainiert wurde. Dieses simple Beispiel zeigt: Der Dateninput ist essentiell für die Ergebnisse. Mit Hilfe eines Cloud-basierten Tools machen wir es möglich, die verwendeten Trainingsdaten zu analysieren und können so aufzeigen, ob die enthaltenen Informationen ausgewogen und signifikant sind.

Enquete Kommission nimmt Arbeit auf

Im nächsten Schritt gilt es nun, die Gesellschaft darüber aufzuklären. Dies – und natürlich frische Ideen aus diesem spannenden Umfeld – erhoffe ich mir von der Arbeit in der Enquete Kommission, die die Fraktionen des Deutschen Bundestag im Juni 2018 eingesetzt haben. Sie hat die Aufgabe, Handlungsempfehlungen im Umgang mit KI zu formulieren. Eine solche Kommission besteht zu gleichen Teilen aus Fraktionsmitgliedern und externen Sachverständigen – ich bin eine der 19 Sachverständigen. Angesprochen wurden wir von einem Fraktionsmitglied und in mehreren Interviews konnten wir zeigen, dass IBM neben den anderen externen Mitgliedern aus Forschung, Gewerkschaften, Verbänden und Industrievertretern wie SAP einen wertvollen inhaltlichen Beitrag leisten kann.

Gestern fand die konstituierende Sitzung statt und ich freue mich darauf, aktiv an der so dringend benötigten Aufklärung rund um das Thema KI mitzuwirken. Denn auch wenn diese Kommission keinen direkten Einfluss auf die aktuelle Regierungsarbeit nimmt – sie leistet langfristig doch einen wichtigen Beitrag dazu, den gesellschaftlichen Diskurs zu fördern und damit den Weg für neue Erfolge im digitalen Umfeld zu ebnen.

 

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