Moderne Arbeitswelten

Wir brauchen „Bildung 4.0“

Unsere Welt verändert sich rasant. Ob wir das jetzt unter „digitale Transformation“ subsumieren oder Begriffe wie IoT (Internet of Things), Cloud, Mobility oder Industrie 4.0 verwenden, spielt da keine Rolle. Eines steht jedoch fest: Wir brauchen dringend ein modernes Bildungssystem – eines, das zu den rasanten Entwicklungen des 21. Jahrhunderts passt und uns fit macht für diese mehr als schnelle, rasende Innovations-Geschwindigkeit, die uns auch vor viele Fragen stellt. Wenn ich jetzt an IT und Informatik denke, tauchen gleich folgende Fragen auf: Zwingt die digitale Transformation und, damit einhergehend die Durchdringung aller Lebensbereiche in Wirtschaft und Gesellschaft mit IT, jeden Menschen dazu, Programmieren zu lernen? Welche Auswirkungen wird die digitale Transformation auf den Arbeitsmarkt haben? Welche Rolle werden etwa Autonome Systeme wie z.B. selbstfahrende Autos oder Roboter spielen? Und wie kann und muss daher das Bildungssystem der Zukunft aussehen?

Informatik-Unterricht sollte an Schulen flächendeckend angeboten werden.

Informatik-Unterricht sollte an Schulen flächendeckend angeboten werden.

Mut zur Veränderung

Im Bildungssystem etwas zu verändern, ist schwierig und bis dato ein sehr schwerfälliger, zäher Prozess. Das muss sich auf alle Fälle in Zukunft ändern. Es ist schon klar, Bildung ist ein sensibler Bereich, der uns alle angeht. Einerseits geht es da um schulische Bildung, andererseits auch um berufsbegleitende Weiterbildung und lebenslanges Lernen. Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG), die IKT-Plattform für Österreich, hat sich gemeinsam mit Partnern wie dem Verband  Österreichischer Software-Industrie, der Digital City Wien, ICT Austria und der Schweizer Informatik-Gesellschaft für „Bildung 4.0“ ausgesprochen.  Das bedeutet Bildung in einer und für eine digitale, vernetzte Welt, wir sehen da vor allem drei Maßnahmen als notwendig:

  1. Wir brauchen verpflichtenden Informatik-Unterricht an allen Schulen und generell digitale Kompetenz – sie ist die vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen.
  2. „Computational Thinking“ (informatisches Denken) und digitales Verständnis muss in alle Unterrichtsgegenstände künftig im Sinne von „Bildung 4.0“ einfließen.
  3. Informatische Ausbildung muss verpflichtender Bestandteil der Aus- und Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer sein.

Das heißt nicht, dass jedes Kind jetzt Programmierer werden muss, aber jedes Kind und jeder Mensch sollte künftig grundlegende IT- und Informatik-Kenntnisse besitzen – und wird sie künftig auch im Berufsleben und im Alltag auch brauchen. Jeannette Wing, die vor zehn Jahren (!) den Begriff „Computational Thinking“, (d.h. Informatisches Denken) geprägt hat, gilt als Pionierin für diesen Gedanken.

 

Informatisches Denken macht Spaß

Computational Thinking bestimmt übrigens auch viele aktuelle Aktivitäten der OCG, so fand gerade im November der Schul-Wettbewerb „Biber der Informatik“ www.ocg.at/biber in ganz Österreich statt, an dem alle Kinder in ganz Österreich ab acht Jahren teilnehmen können. Seit Juni läuft zudem eine große „Coding-Schul-Aktion“ iKooperation mit der Programmierschule acodemy: Seit Juni kommen mehrmals pro Woche ganze Volksschulklassen am Vormittag in die OCG und nehmen an Coding-Workshops teil. Es ist wirklich schön, die Begeisterung der Kinder dabei zu erleben! Diese Workshops sind so gefragt, dass wir die Nachfrage kaum decken können. Das heißt, auch viele LehrerInnen haben bereits erkannt, dass digitale Bildung einfach wichtig ist und nehmen das Angebot gerne an. Das haben wir auch beim „Digital Education Day“ gesehen, den wir gemeinsam mit IBM im Oktober für rund 70 Lehrerinnen und Lehrer in Wien abgehalten haben. Es gibt so viele spannende Möglichkeiten, die im Unterricht die Kinder faszinieren können, etwa mit dem Ozobot, einem kleinen Minicomputer, aktiv zu werden oder ein Auto selbst zu bauen und mit dem Rasperry Pi zu programmieren. Das heißt in anderen Worten: Die Zeit ist reif, um mit Maßnahmen in die Breite zu gehen und flächendeckend Ausbildungs-Maßnahmen für Informatik an den Schulen zu setzen.

 

Bildung als Schlüssel für die Zukunft

Viele Mütter wie ich – meine Kinder sind 13, fast 11 und 7 Jahre alt – fragen sich heute: Wird das Bildungssystem den Anforderungen für die Zukunft gerecht? Die Antwort ist: ja, wenn es um grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen geht. Die Antwort ist: nein für viele darüber hinaus gehende Fähigkeiten. Denn der Punkt ist: Im Zeitalter der Digitalisierung weiß niemand, was in zehn Jahren tatsächlich sein wird – und wie dann die beruflichen Anforderungen oder Berufs-Perspektiven aussehen werden. IoT und Industrie 4.0 sind auf dem besten Weg, auch den Arbeitsmarkt radikal zu verändern. Die Antwort auf diese Entwicklung und auf die Arbeitswelt 4.0, die uns jetzt schon ansatzweise erwartet, muss ein Bildungssystem sein, das viel flexibler mit diesem rasanten Veränderungsprozess einhergeht. Wir müssen unser Bildungs-Mindset umstellen ähnlich wie in der Software-Entwicklung, da geht es heute um „Agilität“, Flexibilität und permanente Updates – vorzugsweise bei Applikationen, die im SaaS Modell in der Cloud betrieben werden. Fazit: die rasante Veränderung ist im Gange – wir können sie nicht wegschieben oder Vogel-Strauß-Politik betreiben: Wir müssen darauf rasch reagieren. Die Basis dafür ist Bildung 4.0 – Bildung in und für eine digital vernetzte Welt.

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