1913: Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte zu einem steilen Anstieg sowohl der Kryptologie für die militärische Kommunikation als auch der Kryptoanalyse für das Knacken von Codes. Der Erfolg englischer Kryptologen bei der Entschlüsselung deutscher Telegrammcodes führte zu entscheidenden Siegen für die Royal Navy.
1917: Der Amerikaner Edward Hebern entwickelte die erste kryptografische Rotormaschine, indem er elektrische Schaltkreise mit mechanischen Schreibmaschinenteilen kombinierte, um Nachrichten automatisch zu verschlüsseln. Benutzer konnten eine Klartextnachricht auf einer Standard-Schreibmaschinentastatur eingeben und das Gerät erstellte automatisch eine Substitutionschiffre, bei der jeder Buchstabe durch einen zufällig ausgewählten neuen Buchstaben ersetzt wurde, um den Geheimtext auszugeben. Der Chiffretext konnte wiederum dekodiert werden, indem der Rotor des Schaltkreises manuell rückwärts gedreht und der Chiffretext dann erneut in die Hebern-Rotormaschine eingegeben wurde, wodurch die ursprüngliche Klartextnachricht erzeugt wurde.
1918: Nach dem Krieg entwickelte der deutsche Kryptologe Arthur Scherbius die Enigma-Maschine, eine weiterentwickelte Version der Hebern-Rotormaschine, die ebenfalls Rotorkreise zur Codierung von Klartext und zur Entschlüsselung von Geheimtext verwendete. Die Enigma-Maschine wurde vor und während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen intensiv genutzt und galt als Gerät, das für die höchsten Geheimhaltungsstufen der Kryptographie geeignet war. Wie bei der Hebern-Rotor-Maschine erforderte die Entschlüsselung einer mit der Enigma-Maschine verschlüsselten Nachricht jedoch den fortgeschrittenen Austausch von Einstellungen zur Maschinenkalibrierung und privaten Schlüsseln, die anfällig für Spionage waren und schließlich zum Scheitern der Enigma führten.
1939–45: Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs flohen polnische Kryptoanalytiker aus Polen und schlossen sich vielen namhaften und berühmten britischen Mathematikern an – darunter auch dem Vater der modernen Informatik, Alan Turing –, um das deutsche Enigma-Kryptosystem zu brechen. Dies war ein entscheidender Durchbruch für die alliierten Streitkräfte. Mit seiner Arbeit legte Turing vor allem den Grundstein für die Theorie der algorithmischen Berechnungen.
1975: Forscher, die bei IBM an Blockchiffren arbeiteten, entwickelten den Data Encryption Standard (DES) – das erste Kryptosystem, das vom National Institute for Standards and Technology (damals als National Bureau of Standards bekannt) für die Verwendung durch die US-Regierung zertifiziert wurde. Obwohl der DES stark genug war, um selbst die stärksten Computer der 1970er Jahre zu schlagen, ist er aufgrund seiner kurzen Schlüssellänge für moderne Anwendungen unsicher. Seine Architektur war und ist jedoch für die Weiterentwicklung der Kryptografie von großem Einfluss.
1976: Die Forscher Whitfield Hellman und Martin Diffie führten die Diffie-Hellman-Schlüsselaustauschmethode für die sichere gemeinsame Nutzung kryptografischer Schlüssel ein. Dies ermöglichte eine neue Form der Verschlüsselung, die als asymmetrische Schlüsselalgorithmen bezeichnet wird. Diese Art von Algorithmen, auch als Public-Key-Kryptografie bekannt, bieten ein noch höheres Maß an Privatsphäre, da sie nicht mehr auf einem gemeinsam genutzten privaten Schlüssel basieren. Bei Kryptosystemen mit öffentlichem Schlüssel hat jeder Benutzer seinen eigenen privaten geheimen Schlüssel, der zusammen mit einem gemeinsamen öffentlichen Schlüssel für zusätzliche Sicherheit sorgt.
1977: Ron Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman stellen das RSA-Kryptosystem mit öffentlichem Schlüssel vor, eine der ältesten Verschlüsselungstechniken für die sichere Datenübertragung, die noch heute verwendet wird. Öffentliche RSA-Schlüssel werden durch Multiplikation großer Primzahlen erstellt, die selbst für die leistungsstärksten Computer nur mit Vorkenntnissen des privaten Schlüssels, der zur Erstellung des öffentlichen Schlüssels verwendet wird, faktorisiert werden können.
2001: Als Reaktion auf die Fortschritte bei der Rechenleistung wurde der DES durch den robusteren Verschlüsselungsalgorithmus Advanced Encryption Standard (AES) ersetzt. Ähnlich wie DES ist auch AES ein symmetrisches Kryptosystem, verwendet jedoch einen viel längeren Verschlüsselungscode, der von moderner Hardware nicht geknackt werden kann.