Innovation

Berlin duftet – die Nase hinter dem Parfüm

Immer der Nase nach: Ähnlich dem berühmten Bauchgefühl, handeln viele Menschen der Nase nach, ohne es bewusst wahrzunehmen. Denn der Geruchsinn schützt uns vor gefährlichem Rauch oder verdorbenem Essen und schwingt auch bei der Partnerwahl mit. Menschen können sich eben riechen oder nicht. Außerdem verbinden wir mit Gerüchen auch bestimmte Erlebnisse und Erinnerungen – ob es der Duft des Meeres ist oder des Leibgerichts aus der Kindheit.

KI – Gehirn und Nase zugleich

Kein Wunder also, dass Verbraucher auch bei Alltagsprodukten wie Deodorant, Waschmittel oder Parfüm ihrer Nase vertrauen. Parfümeure suchen daher seit jeher nach der magischen Duftformel, die im hart umkämpften Duft-Segment einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt und zum Kauf animiert. Was wäre, wenn Künstliche Intelligenz die Entwicklung neuer Duftstoffe unterstützen und völlig neue kreative Wege beschreiten könnte? Was nach Zukunftsmusik klingt, ist bei Symrise aus Holzminden seit letztem Herbst Realität. Gemeinsam mit IBM Research hat der weltweit führende Hersteller von Duft- und Aromastoffen das KI-System Philyra entwickelt, das aus Duftformeln, Rohstoffen und historischen Daten sowie Branchentrends lernt und eigene Duftkreationen vorschlägt.

Philyra nutzt Algorithmen des maschinellen Lernens, um Millionen von Daten zu sichten und dabei zu helfen, Muster und neue Kombinationen zu entdecken. Sie dient dabei als Inspiration für Parfümeure und entwirft darüber hinaus selbstständig neue Duftformeln – eine Revolution in der Parfümbranche! Philyra ist in der Lage, aus der schier endlosen Vielfalt an möglichen Duftkombinationen die eine Zusammensetzung zu identifizieren, die es bislang noch nicht gab. Dabei ist Präzision gefordert: Schon die kleinste Abweichung von der vorgegebenen Menge kann einen neuen Duft kreieren – oder das Gesamtwerk zerstören.

Veredelt von Menschenhand

Und die ersten Kreationen von Philyra können sich riechen lassen: Pünktlich zum brasilianischen Valentinstag „Dia do Namorados“ am 12. Juni 2019 kommen die weltweit ersten beiden kommerziellen Düfte für das globale Kosmetikunternehmen O Boticário auf den dortigen Markt. Bei der Entwicklung arbeiteten Philyra und Symrise Senior Parfümeur David Apel eng zusammen: Apel verfeinerte die vorgeschlagenen Ausgangsformeln, um eine bestimmte Note hervorzuheben oder den Duft auf der Haut zu verlängern. Denn das wirklich feine Näschen und den erfahrenen Geschmack hat immer noch der Mensch, er übernimmt den letzten Schliff. Philyras Verständnis der Verbraucherpräferenzen ermöglicht den Parfümeuren von Symrise, sich auf das Perfektionieren der finalen Parfüms zu konzentrieren, anstatt Zeit mit der Suche nach neuen Duftkombinationen zu verbringen. Das Ergebnis: Ein individuelles Parfüm wie auf den Leib geschneidert.

Parfüm Düfte

Mehr als ein einmaliges Experiment

Die KI-Technologie ist mittlerweile fest in der Zukunftsstrategie von Symrise verankert und soll zukünftig Parfümeure weltweit bei der Entwicklung von Düften unterstützen. Denn KI-Anwendungen in Alltagsbereichen sind keine tollkühne Vision mehr, sondern inzwischen Realität. Und die Reise geht weiter, denn die Revolution in der Branche hat gerade erst begonnen.

Künstliche Intelligenz zum Anfassen in Berlin

Hobby-Nasen aufgepasst: Wer die Parfüm-KI live erleben und sich selber an der nächsten Parfüm-Kreation von Philyra beteiligen möchte, sollte der Think at IBM vom 20. Mai bis zum 29. Juni im BIKINI Berlin einen Besuch abstatten. Denn in dieser Zeit entsteht der Duft Berlins auf interaktive und kollaborative Weise. Basierend auf Schlüsselwörtern, die den Geist verschiedener Berliner Bezirke repräsentieren, haben Philyra und Senior Parfümeur Marc vom Ende fünf Duftkerne entwickelt: Wannsee, Grunewald, Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Schöneberg. Diese Duftkerne bilden die Ausgangssituation für den Berliner Duft, und die Besucher können diese über die sechs Wochen hinweg bewerten. Auf Basis dieser Daten zu den Duftvorlieben der Besucher, die so in dieser Zeit generiert wird, kreieren Philyra und Marc vom Ende den Duft Berlins: #BERLIN 3.0.

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