Innovation

Eine neue Art der Kunsterfahrung im PalaisPopulaire

Wer bei Museen an verstaubte Vitrinen und andächtige Stille denkt, die nur kurz durch halblaute Führungen unterbrochen wird, hat wahrscheinlich schon länger kein Museum mehr besucht. Denn die allermeisten sind längst im digitalen Zeitalter angekommen. Ob Social-Media-Aktionen, digitale Vermittlungskonzepte oder Apps mit Augmented-Reality-Funktionen, die analoge Museumswelt wird digital erweitert.

Der Einsatz von intelligenten Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) schafft einen völlig neuen Zugang zu Kunst und zieht damit nicht nur kunstaffine Kenner an, sondern alle. Statt Informationen über einen Museumsführer oder Audio-Guide zu vermitteln, wird Kunst mit KI plötzlich neu erlebbar. Besucher können vor einem faszinierenden Kunstwerk stehen bleiben und sich dem Objekt interaktiv nähern, indem sie offen Fragen stellen können, die sie wirklich interessieren.

PalaisPopulaire

Wie KI in den modernen Kunstbetrieb integriert werden kann, macht die Deutsche Bank in ihrem „PalaisPopulaire“ mit dem kognitiven Assistenten MIA in Berlin eindrucksvoll vor. Das Forum für Kunst, Kultur und Sport hat die Digitalisierung als Chance begriffen, die Aufmerksamkeit für die eigene Arbeit zu steigern und ihre Sammlungen in einem neuen Licht zu präsentieren. Entstanden ist ein lebendiges Haus für all jene, die Kunst, Kultur und Sport neu erleben möchten. Ein Kunstwerk erfährt aktuell besondere Aufmerksamkeit: „The Bride who Married the Camel‘s Head“ von der kenianischen Künstlerin Wangechi Mutu. Bekannt für ihre afrofuturistischen Collagen, zeigt Mutu in diesem Bild eine Art Medusa mit Schlangen auf dem Kopf, in der Hand einen stark blutenden Schädel. Der Interpretationsspielraum scheint unendlich, bei genauem Hinsehen fallen dem Betrachter immer wieder neue und aufregende Elemente im Bild auf.

Watson erklärt die Hintergründe im PalaisPopulaire

Mithilfe von MIA, basierend auf IBM Watson Assistant, können Besucher die Hintergründe des Kunstwerks im PalaisPopulaire nun interaktiv erfahren. Dazu ist neben dem Gemälde ein Tablet installiert, in das Interessierte Fragen zum Kunstwerk eingeben können – etwa zur Künstlerin, zum Entstehungsjahr, oder zu den Elementen des Bildes. Was hat Mutu zum Beispiel bei der Schaffung ihres Werkes beeinflusst oder was will die Künstlerin mit dem Bild ausdrücken?

PalaisPopulaire-Tablet

MIA kann aber auch komplexere Sachverhalte erklären und Fragen zu den Beweggründen der Künstlerin, zur Technik oder zu einzelnen Details im Bild beantworten. Etwa zum Gegenstand in der Hand von Mutus Protagonistin. Hierbei handelt es sich um einen abgerissenen, blutigen Kamelkiefer. Aber wofür steht dieser in Mutus Gemälde? MIA bringt Licht ins Dunkel und ordnet dieses Element in den kulturellen Kontext ein. Im Gegensatz zu einem Audio-Guide verwendet MIA keine vorbereiteten Audioclips, sondern setzt auf Watson Assistant, der die Fragen in Echtzeit beantwortet, indem er auf das hinterlegte Wissen in der IBM Cloud zugreift.

Dafür mussten Experten Watson zuerst trainieren und damit seinen Wissenskorpus aufbauen. Je mehr Watson gefragt wird, desto besser versteht er auch komplexe Fragen und findet die entsprechenden Antworten. Um sicherzustellen, dass die Frage sowohl inhaltlich fundiert als auch verständlich und zielgruppengerecht beantwortet wird, arbeitet IBM eng mit dem Museum und einer Kunstagentur zusammen.

Kunstvermittlung neu gedacht

Studien zeigen, dass sich viele Menschen von den klassischen Themen und Angeboten wie Bilden, Forschen und Bewahren klassischer Kulturinstitutionen nicht angesprochen fühlen – nur 10 Prozent der Deutschen besucht regelmäßig öffentlich geförderte Kulturveranstaltungen wie Theater, Museen oder Konzerthäuser. Es braucht heute vielseitige Methoden, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen und vor allem zu begeistern. Dies kann durchaus als eine neue Aufgabe von kulturellen Institutionen betrachtet werden und der Einsatz von neuen Technologien kann hier helfen. Sie ermöglichen eine neue Form der Wissensvermittlung, die den Besucher animiert, teilzuhaben und mitzudiskutieren. Das Stichwort: Interaktivität. Statt wie früher ehrfürchtig durch die heiligen Hallen zu gehen, wird eine Ausstellung zu einem interaktiven Ort. Möglich machen das Museums-Guides der Zukunft wie MIA im PalaisPopulaire. Der Anfang ist gemacht, im weiteren Verlauf der Zusammenarbeit mit IBM soll Watson auf weitere Kunstwerke trainiert werden.

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