Blockchain

Unternehmensgründung leicht gemacht mit Blockchain

Laut dem letzten Bericht der Weltbank „Doing Business 2019: Training for Reform” war 2017/2018 ein absoluter Rekordzeitraum, in dem 128 Wirtschaftssysteme satte 314 Reformen verzeichneten. Besonders im asiatischen und pazifischen Raum ist die beliebteste Reformidee die Unternehmensgründung. Insgesamt sank die benötigte Zeit, um ein Unternehmen zu gründen, um die Hälfte und liegt nun durchschnittlich bei weltweit 20 Tagen – im Vergleich zu 47 Tagen im Jahr 2006. Der Bericht betont, dass 13 der Top 20 Wirtschaftssysteme bestimmte Best Practices teilen und jeweils mindestens eine Möglichkeit anbieten, wie man Online-Angelegenheiten im Zusammenhang mit einer Unternehmensgründung in nur einem halben Tag erledigen kann.

Unternehmensgründung-Läufer

Das ist alles wunderbar, aber geht im Zeitalter der digitalen Möglichkeiten nicht noch mehr? Ist es möglich, ein ganzes Unternehmen innerhalb von nur ein paar Stunden zu gründen? Ja, und wie das geht!

Dazu reicht ein Blick nach Neuseeland, die nur ein einziges Verfahren bei einer Unternehmensgründung vorschreiben, das man in einem halben Tag durchführen kann. Das hat dazu geführt, dass die Startup-Szene neun Prozent Wachstum von 2014 auf 2015 erwirtschaftete, mit 61,2 Millionen Dollar Investitionen in 94 Unternehmen und 132 Geschäftsabschlüssen im Jahr 2015. Zum Thema „die Konkurrenz abhängen” kann auch die Schweiz etwas sagen, derzeit unter den Top 5 im Global Competitiveness Index des World Economic Forums (WEF). Aber bei Unternehmensneugründungen rangiert das Land nur auf dem 60. Platz weltweit. Die Schweiz hat diese Herausforderung angenommen und musste nicht lange nach einer Antwort suchen: Blockchain.

Crypto Valley im Schweizer Kanton Zug

In den letzten Jahren hat sich nämlich der Schweizer Kanton Zug als „Crypto Valley” im Bereich Blockchain einen Namen gemacht. Hatte die Crypto Valley Association 2017 noch 500 Mitglieder, lag die Zahl im letzten Jahr bereits bei 1.000. Im selben Jahr nahmen auch einige Regierungsbehörden im Kanton Zug diese Herausforderung an. Dazu wurde das Startup „Drakkensberg AG” in einem vorher abgestimmten Fire Drill live vor den Augen der Welt gegründet. Und zwar nicht innerhalb von Wochen oder Tagen, sondern wenigen Stunden!

Dieser Test war so erfolgreich, dass er als Anstoß für das aktuelle Pilotprojekt dient. Es wurde ein System aufgesetzt, mit dem Anfang 2019 die schweizweit erste digitale Registrierung eines Unternehmens im Handelsregister erfolgreich durchgeführt werden konnte. Auf dieselbe Weise wurden noch weitere fünf Unternehmen gegründet – und es werden immer mehr. Jetzt ist es an der Zeit, diesen Piloten auch auf andere Kantone und andere Partner auszudehnen.

Im Zusammenhang mit diesem Pilotprojekt haben verschiedene Organisationen ihre Kräfte gebündelt, um die Entwicklung skalier- und wiederholbar zu machen. Dazu gehören unter anderem IBM Schweiz, das Handelsregisteramt Zug, BlockFactory, DV Bern und das VermögensZentrum sowie die Notare Kaiser Odermatt & Partner, Zwicky Windlin & Partner, Drakkensberg und Grunder Rechtsanwälte.

Die Digitalisierung des Registrierungsprozesses kombiniert neue und existierende technische Komponenten zur effizienten Leistungssteigerung. Am Anfang gibt der Unternehmer alle relevanten Informationen über das neue Start-Up in ein Web-basiertes Tool ein – und das genau einmal. Aus diesen Daten werden die notwendigen Dokumente für Banken, Notare und Handelsregister inklusive ihrer Hashes generiert. Sie werden in einer Dokumentenablage und der Open-Source-Blockchain-Plattform der Linux Foundation’s Hyperledger Fabric gespeichert und automatisch für den Import in das System des Handelsregisters übersetzt.

Unternehmensgründung-Gruppe

Die „Feuerübung“ im Jahr 2018 dauerte nicht einmal zwei Stunden. Damit hält sie eindeutig den Schweizer Rekord für eine Unternehmensgründung und übertrifft die Originalanforderungen von 48 Stunden bei Weitem. Die wiederhol- und skalierbare Pilotversion braucht noch über drei Tage mit allen Prozessen rund um eine Gründung, woran gerade gearbeitet wird. Das ist aber immer noch sehr schnell, da normale Registrierungen von neuen Firmen in der Schweiz bis zu vier Wochen dauern.

Blockchain ist einfach schneller

Durch die Verlagerung des gesamten Registrierungsprozesses in einen digitalen Workflow mit Blockchain Smart Contracts können wichtige Aktionen sofort und parallel ausgeführt werden. Dazu gehören auch die notwendigen Abläufe mit dem Unternehmer selbst, mit Anwälten, Banken, Notaren und der Handelsregistrierung – was natürlich die Zeit, bis die einzelnen Schritte verifiziert sind, drastisch verringert.

Die Bank bestätigt, dass das Gründungskapital vorhanden ist, der Notar hält die Gründungsversammlung ab und versichert, dass alle Dokumente vorliegen und geprüft wurden. Das Handelsregister kontrolliert, ob alles den Vorschriften entspricht und leitet schließlich die finale Überprüfung an das Bundeshandelsregister weiter. Wenn all diese Schritte erfolgreich absolviert wurden, ist die Registrierung beim Handelsregister offiziell. Die involvierten Parteien können jede Phase der Registrierung über Blockchain und mit Cloud-Services elektronisch nachverfolgen.

Der Weg in die Zukunft

Die Zeit zur Registrierung eines neuen Unternehmens reduzieren zu können ist ein wichtiger erster Schritt. Aber das eigentliche Potenzial der Blockchain-Technologie liegt in der Digitalisierung aller Mehrparteienprozesse, wie zum Beispiel Änderungen der Geschäftsordnung, Kapitalerhöhungen und sogar Services rund um wichtige Events. Smart Contracts mit Blockchain versprechen dabei enorme Auswirkungen. Derzeit werden sie in einfacher Form für Registrierungen bei einer Unternehmensgründung genutzt. Aber zukünftige Modelle können sehr viel komplexere Situationen abbilden – unter anderem Aktienausgabe und -restriktionen, Partnerschaftsvereinbarungen und Handelsvollmachten.

Neuseeland, sei auf der Hut! Blockchain ist dabei, das Spielfeld für die Entrepreneur-Welt grundlegend zu verändern.

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