Blockchain

Blockchain-Trends 2019: Vom Hype zum Mainstream

2018 wurde über kaum einen Begriff so viel gesprochen wie über Blockchain. Doch was folgt auf diesen Hype? Sicher ist: Die Technologie ist nicht DIE Lösung für jedes Business-Problem, aber in vielen Bereichen wird sie sich etablieren. Diese Trends werden den Markt 2019 prägen:

Blockchain-Trend Nummer 1: Unbemerkt von Hype zum Mainstream

Beinahe gebetsmühlenartig muss man auch Anfang 2019 noch wiederholen: Blockchain ist nicht Bitcoin. Diesem Irrtum sitzen auch heute immer noch viele Unternehmen und Verbraucher auf, wenn sie über die Technologie sprechen. Dabei zeigt sich gerade abseits der Kryptowährungen das ganze Potenzial von Blockchain: Projekte wie IBM Food Trust oder TradeLens zeigen, dass das Supply-Chain-Management und damit unter anderem auch die Lebensmittelsicherheit davon profitieren. Und auch das Identitätsmanagement lässt sich mit dieser Technologie revolutionieren, wenn es zukünftig möglich ist, z. B. Bürgerservices und Zugangsberechtigungen inkl. der dahinterliegenden Workflows über die Blockchain sicher abzubilden.

Blockchain-Trend-FoodTrust2019 wird sich Blockchain also weiterverbreiten und zum Mainstream werden, beinahe unbemerkt vom Verbraucher. Profitieren wird er trotzdem: Er kann sich beispielsweise detaillierter und schneller über die Herkunft seiner Lebensmittel informieren. Auch bei IBM messen wir der Technologie einen hohen Stellenwert bei. Weltweit befassen sich inzwischen über 1.600 Experten mit dem Thema – Tendenz steigend.

Blockchain-Trend Nummer 2: Immer mehr offene Netzwerke entstehen

Eine der Stärken von Blockchain ist es, viele Akteure an einen Tisch zu bringen. Diese Netzwerke schaffen Ökosysteme, in denen verschiedenste Unternehmen weltweit und in der Regel branchenübergreifend involviert sind – vom Hersteller über den Logistiker bis hin zum Qualitätsmanagement und dem Händler. Wer als Unternehmen oder Organisation Blockchain nutzen möchte, sieht sich drei potentiellen Ansätzen gegenüber:

  • JOIN: Beitritt zu einem bestehenden, offenen Netzwerk, wie TradeLens oder IBM Food Trust, um zusätzliche Mehrwerte für das eigene Unternehmen zu schaffen wie z. B. Prozessoptimierung, Kostenreduzierung oder Effizienzsteigerung.
  • ORGANIZE: Zusammenschluss mit anderen Marktteilnehmern (einer Branche) auf Augenhöhe mit der gleichen Ausgangsproblematik, um z. B. einen Prozess zu beschleunigen oder Kunden besser zu erreichen; ein Beispiel hierfür ist die Plattform trade, die von zahlreichen führenden europäischen Banken gemeinsam geschaffen wurde, um den Handel – vor allem mit und für den Mittelstand – zu vereinfachen.
  • BUILD: Aufbau einer eigenen Blockchain, die im jeweiligen Ökosystem häufig individuelle Herausforderungen adressiert; Beispiele dazu sind vielfältig: die sichere Ablage von Dokumenten zum Thema „Intellectual Property“, die Echtheit von (Ersatz-) Teilen und Produkten, die Zertifizierung von Materialien und ihrer Zusammensetzung…

Jeder dieser drei Ansätze hat Vorteile, welcher von ihnen für ein Unternehmen der richtige ist, hängt nicht zuletzt von der Unternehmensstrategie, dem Reifegrad in Sachen Blockchain-Know-how und den jeweils zur Verfügung stehenden Ressourcen ab. Sieht sich ein Unternehmen innerhalb seiner Branche beispielsweise eher als „Leader und Innovator“, passen die Formen ORGANIZE und BUILD vielleicht eher ins Konzept, während andere, ggf. mittelständisch geprägte Unternehmen möglicherweise aufgrund knapper Ressourcen auf die JOIN-Variante zurückgreifen.

Gerade die offenen Netzwerke werden sich 2019 rasant entwickeln. So zählte TradeLens schon in der Testphase im letzten Jahr knapp 100 Mitglieder weltweit und auch das Beispiel IBM Food Trust – im Produktivbetrieb seit Herbst 2018 – wächst beinahe täglich. Zuletzt hat nach Carrefour auch der Lebensmittelgigant Nestlé angekündigt, das Engagement im Netzwerk auszubauen. Diese Entwicklung unterstreicht, wie wichtig die Technologie für jeden von uns werden kann.

Blockchain-Trend

Blockchain-Trend Nummer 3: Business-Nutzen kritisch hinterfragen

Wie jede neue Entwicklung hat auch Blockchain Kinderkrankheiten. So kommt es z. B. zum Scheitern von Projekten, weil sie mit falschen Erwartungen ins Rennen gegangen sind. Blockchain ist nicht die Antwort auf jede Herausforderung und nur wer in der Lage ist, das eigentliche Business-Problem zu identifizieren und klar zu definieren, wird am Ende profitieren. 2019 wird man sich daher mit zwei Themen befassen: Zum einen mit den tatsächlichen Stärken der Blockchain – Vertrauen schaffen, Transparenz herstellen und (branchen-) übergreifende Plattformen aufbauen – und zum anderen mit dem Prozess der Lösungsentwicklung selbst. Nur wer frühzeitig alle relevanten Beteiligten in einer Organisation einbezieht und Prozesse gesamtheitlich durchdenkt, kann dem tatsächlichen Business-Problem auf den Grund gehen. Methoden wie Ideation oder Design Thinking Workshops und das Erstellen eines „MVP“ (Minimum Viable Product) kommen dann zum Tragen.

Übrigens: Kritisch hinterfragen heißt in den seltensten Fällen abzuwarten und lieber nichts zu unternehmen. Gerade in Deutschland sind viele Unternehmen noch sehr zurückhaltend, was das Thema Blockchain angeht. Das Supply-Chain-Netzwerk TradeLens wurde 2018 mit knapp 100 Unternehmen weltweit und mit einem starken Fokus auf die Logistik getestet – einen deutschen Vertreter suchen wir aber vergebens in der Liste. Das ist in einem Land, das derart viel Innovationskraft besitzt, nicht nur bedauerlich, sondern kann auch zu einem echten Wettbewerbsfaktor werden. Kein Unternehmen agiert heutzutage völlig isoliert und wenn sich die branchenspezifischen und -übergreifenden Ökosysteme verändern, kann es sein, dass man den Anforderungen der Geschäftspartner schneller als man denkt nicht mehr gerecht werden kann. Ganz zu schweigen von möglichen Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen und neuen Geschäftsmodellen, die durch den Einsatz von neuen Technologien machbar sind.

Fazit: Blockchain ist gekommen um zu bleiben

2019 wird für Blockchain kein Jahr der Ernüchterung. Vielmehr werden wir sehen, dass die Technologie tatsächlich halten kann, was sie verspricht. Sie wird in viele Lebensbereiche vordringen – oftmals unbemerkt, aber niemals ohne Wirkung. Sie wird den Grundgedanken der Plattform-Ökonomie vorantreiben und so Lösungen für viele Herausforderungen einer komplexen globalen Welt aufzeigen. Jedes Unternehmen, vom Konzern über den Mittelstand bis hin zum Startup, kann sich im System von JOIN, ORGANIZE und BUILD einen Platz suchen und so Teil der Bewegung werden. Die zunehmende Verbreitung der Netzwerke wird auch dazu führen, dass sich Unternehmen und Politik noch intensiver mit dieser Technologie – und anderen Bereichen der Digitalisierung – befassen müssen. Denn nur, wenn wir mit der globalen Entwicklung Schritt halten, können wir in ihr erfolgreich sein. 2019 steckt also voller Aufgaben – gehen wir sie an!

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Roman

Bzgl. Food Trust und aus Sicht des Verbrauchers die Frage “Herkunft seiner Lebensmittel”, wie soll das eine Blockchain lösen?
Beispiel, nehmen wir Eier. Ein Huhn legt ein Ei, dieses bekommt (seit Jahren) eine Nummer aufgedruckt und ja, der Weg von diesem Ei bis zum Verbraucher kann dann über eine Blockchain (lückenlos und fälschungssicher) nachvollzogen werden. Aber nicht das dieses Ei vom Huberbauern seiner Henne “Berta” stammt, weil das Ei erst durch den Aufdruck zu identifizieren ist. Und keine Blockchain kann verhindern, dass ein Ei aus irgendeiner Massentierhaltung als ein Ei von “Berta” bedruckt wird (zumindest nur mit extremen Aufwand, durch z.B. Codierung der DNA oder Isotopenuntersuchung in der aufgedruckten Nummer/Blockchain).
Meines Wissens nach ist das z.B. bei Diamanten ähnlich, die darin befindlichen Verunreinigungen ergeben ein eindeutig zur Identifikation verwendbares Kriterium. Dieses kann ideal in der Blockchain verwendet werden. Ich weiss nicht wie hoch das Aufwand zu Wert Verhältnis ist, aber sicher wesentlich ökonomischer als bei Lebensmitteln wie Eiern.
Und beim Ei interessiert mich als Konsument wenig ob der Weg zum Verbraucher lückenlos nachvollziehbar ist, sondern ob es frisch ist und z.B. aus Österreich kommt – und da muss ich wie schon seit vielen Jahren vertrauen, dass aufgedruckte “AT” Nummer und Mindesthaltbarkeitsdatum nicht gefälscht sind.

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