Blockchain

5 Irrtümer über die Blockchain

Landauf landab wird von der Blockchain gesprochen. Egal ob man über Fachmessen schlendert oder durch das vorabendliche Infotainment-Programm zappt: An der Blockchain kommt keiner vorbei. Und sie wird kontrovers diskutiert, für die einen ist sie die technologische Mutter des künftigen Fortschritts, für die anderen nicht mehr als ein aufgeblähter Hype. Doch was steckt wirklich dahinter, beziehungsweise was nicht? Wir greifen die fünf lästigsten Irrtümer noch einmal auf und stellen sie richtig.

Blockchain hat immer etwas mit Kryptowährungen zu tun

Dieser Irrtum wurde schon von vielen Autoren angesprochen, aber der urbane Mythos hält sich hartnäckig. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Kryptowährung Bitcoin immerhin die erste Anwendung der Technologie war. Sie hat sich also einen Platz in der Hall of Fame verdient – aber es ist wichtig zu wissen, dass es eben nur eine mögliche Anwendung ist und es noch viele andere Blockchain-Implementierungen neben Bitcoin gibt. Zunächst ist die Blockchain nämlich nichts anderes als ein gemeinsam genutztes, nicht veränderbares Journal, das den Verlauf von Transaktionen aufzeichnet. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und erstrecken sich nicht nur auf den Finanzsektor. Die IBM Blockchain hilft beispielsweise dabei, die Container und ihre Frachtpapiere für den Welthandel gemeinsam zu verfolgen oder die Lebensmittelkette sicherer zu machen.

Blockchain-Teilnehmer sind anonym, die Inhalte öffentlich

Auch Irrtum Nummer 2 ist eng mit Bitcoin und Co verknüpft. Denn diese Eigenschaften machen Public Blockchains aus – aber für viele Geschäftsanwendungen sind Permissoned Blockchains besser geeignet. Sie verfügen über eine integrierte Steuerungsschicht, die es den Unternehmen oder Organisationen ermöglicht, den Zugriff auf die Blockchain beziehungsweise die Validierung der Transaktionen mit identifizierten Teilnehmern durchzuführen. Sogar verschiedene Rollen lassen sich abbilden. Diese Art von Infrastruktur stellt sicher, dass die Inhalte nur mit befugten Teilnehmern geteilt werden. Eine zentrale Stelle kann dafür sorgen, dass die Zulassung nur nach einer umfassenden Prüfung der Teilnehmer erfolgt.

BlockchainBlockchain ist langsam, rechen- und energieintensiv

Jede Technologie, die disruptives Potential besitzt ruft auch Kritiker auf den Plan. Der Blockchain wird vor allem mangelnde Skalierbarkeit, verbunden mit langsamen Prozessen und hoher Rechenintensität, vorgeworfen. Und das ist gar nicht mal falsch. Bitcoin beispielsweise schafft höchstens sieben Transaktionen pro Sekunde, der Payment-Service-Anbieter Visa alleine hingegen bis zu 65.000. Die Ursache ist der Schwierigkeitsgrad des Konsensusprotokolls Proof of Work, das in der Anwendung Bitcoin genutzt wird. Dieses validiert die Transaktionen eines Blocks und nutzt dabei eine Hash-Funktion (eine Art kryptographische Quersumme). Der richtige Hashwert muss dabei durch Ausprobieren ermittelt werden – was viele aufwändige Rechenoperationen bedeutet. Das schlägt sich bei Bitcoin auch im Energieverbrauch nieder. Aber wer nun glaubt, dies ist der Sargnagel für die Blockchain, der irrt. IBM engagiert sich beispielsweise im Open-Source-Projekt Hyperledger der Linux Foundation, das mit Hyperledger Fabric eine businesstaugliche Blockchain entwickelt. Diese arbeitet mit Identitäten und stellt verschiedene Konsensusprotokolle zur Verfügung. Sie sind weitaus leistungsfähiger als der Proof of Work und können schon heute mehr als 3.500 Transaktionen in der Sekunde vorweisen. Myth busted!

Erst neue Gesetze und Regulierung machen den Blockchain-Einsatz möglich

Manche Blockchain-Anwendungen umgehen bestehende Systeme. Klar, dass etablierte Player wie Banken da auch mal die Rechtmäßigkeit in Frage stellen. Immerhin müssen sie die Technologie erstmal als Risiko für das eigene Business einstufen. Aber wer genauer hinsieht, wird schnell feststellen, dass die bisherigen Anwendungen sich durchaus im Rahmen der diversen Gesetze und Regelwerke bewegen oder Finanzprodukte auf Basis der Blockchain-Technologie schaffen, die die heutigen Regeln abbilden. Wie sonst hätten sich Paymentdienste wie Stellar Network – die Banken übrigens als Partner betrachten – oder der Stable Coin international verbreiten können? Viel interessanter ist die Frage, ob es denn leicht ist, die Blockchain zu nutzen? Und hier lautet die Antwort ganz klar: Nein. Oft sind die Rahmenbedingungen noch nicht gegeben, um die Blockchain anzuwenden. Der wichtigste Hebel ist die konsequente und internationale Digitalisierung und hier fordern wir alle Beteiligten auf, sich dafür einzusetzen, diese voranzutreiben und so den Boden für neue Technologien zu ebenen.

„Code is law“ gilt ohne Ausnahme

Der letzte Irrtum, mit dem wir hier aufräumen wollen, ist eigentlich gar keiner. Denn das Prinzip, nachdem der Code einer Blockchain bzw. eines „Smart Contracts“ nicht verändert werden darf und getätigte Transaktionen nicht rückgängig gemacht werden dürfen, ist tatsächlich einzuhalten. „Smart Contracts“ sind vielversprechende Anwendungen der Blockchain, da diese viele Prozesse vereinfachen können. Aber sie bergen auch gewisse Risiken, denn sie enthalten Wenn-Dann-Bedingungen, die nachgelagerte Prozesse automatisch auslösen. Ist der Code also an dieser Stelle anfällig, kann das immense Schäden hervorrufen. Daher sollte man die man die Qualität des Codes frühzeitig unter die Lupe nehmen und diese Programme auditierbar versioniert, also mit kontrollierten Änderungen einsetzen können. IBM unterstützt z. B. im Rahmen des Accord Projektes die Entwicklung technischer Spezifikationen zur Umsetzung rechtlicher Standards für Smart Contracts. Auch die anerkannte ISO ist schon aktiv: Unter ISO/TC 307 werden derzeit verschiedene Normen entwickelt, die helfen sollen, die Akzeptanz und Anwendung der Blockchain-Technologie weiter voranzutreiben.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich rund um die Blockchain viele Mythen ranken. Aber wir dürfen nicht müde werden, sie aufzudecken, um Vertrauen und Akzeptanz für neue Technologien zu schaffen. Welchen Irrtum würden Sie gerne endgültig aus der Welt schaffen?

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