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„Let’s go digital“ – Fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft

Snežana ist 40 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Serbien. Sie ist als Teenagerin nach Österreich gekommen, spricht gut Deutsch und hat mehrere Jahre als Verkäuferin gearbeitet. Da sie mit Anfang 20 geheiratet und ihr erstes Kind bekommen hat, war sie lange Mutter und Hausfrau. Nun sind zwei ihrer drei Kinder bereits aus dem Haus und Snežana würde gerne wieder arbeiten. Am liebsten hätte sie einen Bürojob mit geregelten Arbeitszeiten. Allerdings hat sie noch nie wirklich am Computer gearbeitet. Sie wäre durchaus bereit, sich in bestimmte Programme einzuarbeiten, jedoch weiß sie gar nicht, wo sie anfangen soll. Sie hat keinen Überblick darüber, welche Kompetenzen hilfreich wären.

Vor einem ähnlichen Problem steht Jasmin. Sie ist 30 Jahre alt und Iranerin und musste aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ihre Heimat verlassen. Seit einem Jahr lebt sie in Österreich und lernt Deutsch. Jasmin träumt davon, eine NGO zu gründen, die sich mittels neuer Technologien für Menschenrechte und für die Rechte der LGBT Community im Iran einsetzt. Leider fehlen ihr die entsprechenden digitalen Kompetenzen und sie weiß nicht, wie sie diese Kompetenzen erlangen kann. Schlimmer noch: Eigentlich weiß sie nicht einmal, welche Kompetenzen es sind, die ihr fehlen.

Den Umgang mit digitalen Medien fördern

Die Geschichten von Snežana und Jasmin veranschaulichen ein Problem, vor dem viele benachteiligte Menschen angesichts der Digitalisierung der Berufswelt stehen. Sie fühlen sich doppelt überfordert – einerseits, weil ihnen digitale Kompetenzen fehlen, andererseits, weil sie nicht wissen, welche Kompetenzen dies sind und es somit unmöglich erscheint, die Lücken zu füllen. Das war das Ergebnis eines Design Thinking Workshops, den IBM Österreich gemeinsam mit dem Fundraising Verband Austria und seiner Technologiespenden-Plattform Stifter-helfen.at im Rahmen des Projekts „Let’s go digital“ durchgeführt hat.

„Let’s go digital“ verfolgt das Ziel, gemeinnützige Organisationen in ganz Österreich zu vernetzen und mit Hardware, Software und Know-how auszustatten, so dass sie digitale Schulungen für benachteiligte Menschen anbieten können. Flüchtlinge oder Migranten, aber auch Menschen mit Lernbeeinträchtigung und allgemein niedrig Qualifizierte, sollen so besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden.

Laut der IHS-Studie „Digitalisierung der Arbeit“ von Januar 2017 sind 9% aller Jobs in Österreich schon kurzfristig durch die Digitalisierung und Automatisierung gefährdet. In besonderem Maße betrifft dies Hilfsarbeitskräfte, HandwerkerInnen, MaschinenbedienerInnen und Personen in Dienstleitungsberufen, die lediglich über einen Pflichtschulabschluss verfügen. Folglich ist es nicht nur für Menschen wie Snežana und Jasmin unabdingbar, durch Weiterbildungen sicherer im Umgang mit digitalen Medien zu werden, um am zukünftigen Arbeitsmarkt zu bestehen.

Fit machen für die Arbeitswelt der Zukunft

Den 29 gemeinnützigen Organisationen, die sich mit 31 Schulungsmaßnahmen in ganz Österreich an „Let’s go digital“ beteiligen, ist das durchaus bewusst. Jede dieser Organisationen hat sich zum Ziel gesetzt, im Schuljahr 2018/19 pro Schulungsmaßnahme mindestens 30 Menschen zu erreichen. So werden bis Juni 2019 ca. 1.000 benachteiligte Menschen von der Weiterbildungsmaßnahme profitieren. Drei dieser Menschen waren bei dem oben erwähnten Workshop vertreten und haben den anderen TeilnehmerInnen – Mitarbeitern von IBM Österreich und von Stifter-helfen.at und .de – ihre Bedürfnisse und Herausforderungen geschildert.

Im zweiten Schritt der Partnerschaft von Stifter-helfen.at und IBM Österreich ging es darum, Orientierung über Schulungsmaßnahmen und mögliche Berufsbilder der Digitalisierung zu vermitteln. Bildungs- und SozialarbeiterInnen haben ihre Erfahrung und Expertise im Bereich „digitale Bildung“ und im Umgang mit benachteiligten Menschen geteilt. Gemeinsam wurden digitale Kompetenzen und Lernwege erarbeitet, um Menschen wie Snežana und Jasmin einen Überblick über die Anforderungen zu verschaffen, die sie „digi-fit“ für die Arbeitswelt der Zukunft machen. Es war außerdem unser Ziel zu zeigen, dass die Digitalisierung auch für geringqualifizierte Menschen spannende neue Möglichkeiten eröffnet. So gibt es beispielsweise Initiativen, die Menschen ohne spezielle Vorkenntnisse – abseits herkömmlicher Ausbildungswege – in relativ kurzer Zeit zum Junior Developer oder Digital Marketing Experten ausbilden.

Den digitalen Anschluss nicht verlieren

Das ansehnliche Ergebnis dieses Workshops ist der „Digi-Tree“, der in seinem Wurzelwerk die digitalen Kompetenzen veranschaulicht, die für alle Berufe relevant sind oder sein werden. Sie sind an das Digital Competence Framework der EU angelehnt. Jede Farbe repräsentiert dabei einen der fünf Kompetenzbereiche, die die Europäische Kommission festgelegt hat. Die Baumkrone stellt beispielhaft dar, welche Kompetenzen notwendig sind, um einen digitalen Beruf auszuüben. Also einen Beruf, der erst durch die Digitalisierung entstanden ist. Der Digi-Tree wird den gemeinnützigen Partnerorganisationen von „Let’s go digital“ als Assessment Tool für ihre Klienten und als Inspirationsquelle für Schulungsinhalte dienen. Außerdem soll er unter anderem den Zielgruppen helfen, einen Überblick über mögliche digitale Lernziele und -wege zu bekommen. Das oftmals lähmende Angst- und Ohnmachtsgefühl, das sie angesichts der schnellen Veränderung der Berufswelt durch die Digitalisierung empfinden, wird so in ein Gefühl der Hoffnung und der Perspektive verwandelt. Denn nur wer eine Perspektive sieht, ist bereit zu lernen.

Auch wenn Snežana und Jasmin lediglich fiktive Personas sind, die während des zweiten Workshops von zwei Teilnehmergruppen entwickelt wurden, gibt es möglicherweise eine reale Mutter, der „Let’s go digital“ den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert oder eine Geflüchtete, die Online CampaignerIn oder Junior DeveloperIn wird. Dann haben wir unser Ziel erreicht und mit den Schulungen von „Let’s go digital“ Menschen ein Stück weiter auf ihrer Reise in die digitale Zukunft gebracht.

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