Moderne Arbeitswelten

Wahrnehmung kommt nicht von Wahrheit – warum es sich lohnt genau hinzuschauen

Eine Umfrage der Initiative Chefsache zeigt, wie weit Wahrnehmung und Wirklichkeit zum Thema „Gleiche Karrierechancen für Frauen und Männer“ in der deutschen Arbeitswelt noch auseinanderliegen: Zwei Drittel der deutschen Führungskräfte sind davon überzeugt, ihr Unternehmen würde Frauen und Männern gleiche Karrierechancen bieten. Das geht aus einer Umfrage unter 400 Managerinnen und Managern in Deutschland hervor. So weit, so gut. Aber bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass es in der Praxis dann doch etwas anders aussieht: Beispielsweise gab nicht einmal die Hälfte der Befragten an, dass in ihrem Unternehmen Talententwicklung systematisch betrieben werde.

Auch mit der Existenz unbewusster Vorurteile (Unconscious Biases) hat sich über die Hälfte noch nicht oder nicht umfassend auseinandergesetzt. Die wahrgenommene Wirklichkeit ist nur ein subjektiver Eindruck und entspricht nicht unbedingt der Realität oder der Wahrheit, mit der sie oft verwechselt wird. Was wir “wahrnehmen” nehmen wir dann oft für “wahr“, es ist also unsere rein persönliche, subjektive Wahrheit.

Deshalb lohnt es sich bei wichtigen Themen sehr genau hinzuschauen. Denn der Realitäts-Check zum Thema gleiche Karrierechancen für Männer und Frauen zeigt auf, dass Chancengerechtigkeit für Männer und Frauen nur in wenigen Unternehmen schon wirklich gelebt wird.

Führungskräfte-Befragung offenbart Lücke zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit

Soweit also die Faktenlage, die zartbittere Wahrheit. Zart deshalb, weil verkrustete Strukturen langsam aufgebrochen werden und neue Modelle entstehen. Es tut sich etwas. Wer jetzt aber glaubt, dass es durch gefühlte Wahrheit und zarte Entwicklungen über die Zeit alleine zu einem ausgewogenen Verhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen kommen wird, der irrt gewaltig und wird bitter enttäuscht.

Wenn alles so weiter geht wie bisher, dann werden Frauen beispielsweise erst nach 2100 in den Vorständen in gleicher Zahl wie Männer vertreten sein. Mädchen, die 2018 geboren werden, erleben ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen entsprechend erst, wenn sie bereits in Rente sind. Was kann also jetzt getan werden, um ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen in den Führungspositionen im deutschen Arbeitsleben in naher Zukunft wahr werden zu lassen?

Die Initiative Chefsache macht konkrete Vorschläge, wie jedes Unternehmen hier besser werden kann. Best Practice Beispiele aus den Mitgliedsunternehmen machen Mut und zeigen auf, was in der Praxis praktikabel ist und was funktioniert.

Mehr zur Initiative finden Sie unter: https://initiative-chefsache.de/initiative-chefsache/

Im aktuellen Chefsache-Report 2018 wird der Blick auf die Fallstricke in der Talententwicklung gerichtet und wie diese zu meistern sind – oft einfacher als vermutet. Unternehmen können z.B. mit der Chancengleichheit schon bei der Stellenausschreibung anfangen und sie so formulieren, dass sich nicht nur Männer angesprochen fühlen. Darüber hinaus geht es um inspirierende Fallbeispiele unserer Mitglieder, wie sie in ihren Organisationen den Wandel zu mehr Chancengerechtigkeit schaffen.

Hier gibt es nützliche und praktikable Anregungen, wie Sie persönlich in Ihrer Organisation einen echten Unterschied für mehr Chancengerechtigkeit in der Talententwicklung bewirken können.

https://initiative-chefsache.de/content/uploads/2018/06/Chefsache-Report-2018.pdf

In diesem Sinne: viel Spaß beim Lesen und Umsetzen

Auf der Zukunft Personal im September in Köln diskutieren wir unter anderem mit Norbert Janzen, Geschäftsführer Personal und Director Human Resources DACH, über Chancengerechtigkeit für Führungspositionen im Zeitalter der Digitalisierung.

Wann und wo genau? Am 11. September 2018 von 15:00 – 16:00 Uhr auf der Keynote Stage und am 13. September 2018 von 09:30 – 10:20 Uhr auf der Startup Stage:http://www.europe.zukunft-personal.com/de/zpeurope18/agenda/programm-keynotes/ Diskutieren Sie via Twitter #Chefsache #Chancengerechtigkeit mit. Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen, Ideen und Anmerkungen dazu.

Auf dem Executive Round-Table des Global Peter Drucker Forums am zweiten Messetag, dem 12. September, wird Uta Menges, IBM Diversity & Inclusion Leader IBM BeNeLux + DACH und Vorsitzende des Bitkom-Fachausschusses „Frauen in der ITK“ mit anderen Vordenkern aus den Bereichen HR und Management über den Wandel des Managements und den Faktor Mensch in einer digitalen Zukunft in Dialog treten.

http://www.europe.zukunft-personal.com/de/zpeurope18/agenda/highlights-events/global-peter-drucker-forum

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