Moderne Arbeitswelten

Digitales Lernen – zum Beispiel mit Performance Support

Die Digitalisierung durchdringt bald alle Lebens- und Arbeitsbereiche und erfordert dementsprechende Lernanstrengungen. Ob wir wollen oder nicht: umlernen, neu lernen, anders lernen lautet die Devise. Denn die Digitalisierung der Prozesse in der Arbeitswelt, bekannt unter dem Stichwort Arbeitswelt 4.0, verlangt von Organisationen und Mitarbeitern gleichermaßen einen permanenten Change-Prozess.

Während sich die Organisationen um die Veränderung ihrer Lernkulturen bemühen, die HR-Abteilungen ihr Tätigkeitsprofil neu definieren und Führungskräfte durch einen Dschungel neuer Entwicklungs- und Fortbildungstheorien lavieren, muss sich die Mehrzahl der Mitarbeiter schnellstmöglich eine Vielzahl von neuen Kenntnissen aneignen und umsetzen. Und das in einer Zeit, da der Nachwuchs – Generation Y genannt – zwar neue Ideen und Ansätze in die Unternehmen trägt, dabei jedoch selbst zwischen digitalem Selbstverständnis und pragmatischer Unternehmensrealität balanciert.

Sozialisierung des digitalen Lernraums

Während die Universitäten über die Erfordernisse der „Digitalisierung der Bildung“ debattieren, hat Prof. Michael Kerres vom LearningLab der Universität Duisburg- Essen eine Kurzformel für den Transformationsprozess der Bildungsarbeit geprägt. “Die Digitalisierung des traditionellen Lernraumes steht der Sozialisierung des digitalen Lernraumes gegenüber. Beide Trends konstituieren das Schlagwort ‚ubiquitäres Lernen‘, das sich letztlich von Räumen löst, und Lernen über digitale Geräte verfügbar macht, wo immer dieses auch stattfindet. Beide Trends laufen aufeinander zu und führen zu der Forderung, Lernangebote künftig digital first zu konzipieren: Materialien und Werkzeuge sind digital bereit zu stellen, damit Lernenden – in welchen Lernräumen immer – auf diese zugreifen und nutzen können.”

Nicht nur an den Universitäten ist dies zumindest ein Schritt in die zeitgemäße Richtung. Unternehmen brauchen jedoch mehr. Wie unter anderem die TNS Infratest-Studie 2017 (Weiterbildungstrends in Deutschland 2017) belegt, verändern sich Fertigungsprozesse zu schnell, nimmt die Vernetzung von Anlagen und Anwendungen derart zu, ebenso wie die virtuelle Teamarbeit, dass die bisher vorhandenen „digitalen Skills“ der Mitarbeiter nicht ausreichen und auf allen Qualifikationsebenen steigender Weiterbildungsbedarf besteht.

Die Erfordernisse werden von den 300 befragten Personalverantwortlichen folgendermaßen gewichtet:

 

Wichtige Kompetenzen für Arbeitnehmer

Die Ergebnisse zeigen auch, dass sich die digitalisierte Arbeitswelt von der Fach- bis zur Führungskraft auf jeden auswirkt. Laut 81 Prozent der Befragten sind ausgebildete Fachkräfte und Sachbearbeiter mit Ausbildung stark bis äußert stark betroffen, ebenso Führungskräfte im mittleren Management (76 Prozent) und Spezialisten mit akademischem Abschluss (76 Prozent). Bei den Top-Führungskräften sind es 75 Prozent und bei angelernten Facharbeitern mit Berufserfahrung 65 Prozent.

Die Studie benennt auch das Problem, dass die befragten Unternehmen ihren Fokus derzeit vor allem auf Fortbildungsmaßnahmen im Bereich Software-Programme richten. Allerdings zeigt sich dabei eine deutliche Diskrepanz zwischen jenen digitalen Skills, die die Personaler als „wichtig“ bis „äußerst wichtig“ bezeichneten und dem tatsächlichen Schulungsangebot.

Auch wenn zum Beispiel Google nun, wie im Sommer in München geschehen, ein „Schulungszentrum für digitale Fähigkeiten“ eröffnet und dort Arbeitnehmer, Schüler und andere Interessierte beim Erwerb digitaler Skills durch kostenlose Kurse unterstützen will, bleiben solche Maßnahmen ein Tropfen auf den heißen Stein oder Investitionen in eine fernere Zukunft. Doch was hilft hier und heute? Was erleichtert den Change-Prozess für die jetzt Betroffenen?

Zauberwort Performance-Support

Das Zauberwort für viele konkrete Anwendungen lautet „Performance Support“, in Form von in die Anwendung integrierten Microlearning-Einheiten anstelle von klassischen Lernformaten. Performance Support ist nicht mit Lernen gleichzusetzen, unterstützt jedoch den Arbeitsfluss und kann dabei Lernprozesse anstoßen.

Performance Support ist in vielen zielgruppengerechten Variationen einsetzbar: als Schritt-für-Schritt Anleitung, als Erklärvideo oder selbst als Quiz. Im Variationsreichtum der zahlreichen digitalen Lernformate, die heute verfügbar sind, liegt ein besonderer Reiz. Wobei viele kleine, in sich isoliert wirkende Module ein schlüssiges Gesamtkonzept ergeben können.

Denn Unternehmen und Mitarbeiter brauchen aktuell pragmatische Ansätze, die den Übergang in die digitale Arbeitswelt erleichtern und den Change-Prozess zu einem Erfolg werden lassen.

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