Zukunft Industrien

Kognitive Technologie: Sichere Landung auf dem kognitiven Planeten

John F. Kennedy setzte alles auf eine Karte: „Noch vor Ablauf der nächsten zehn Jahre solle ein US-Amerikaner den Mond betreten und gesund wieder auf die Erde zurückkehren“. Mit diesen Worten in seiner Grundsatzrede am 25. Mai 1962 setzte der damalige US-amerikanische Präsident nicht nur den Forschern seines Landes ein Ultimatum, er setzte auch seine Karriere aufs Spiel. Mit einem unfassbaren Teamgeist – zeitweise arbeiteten rund 400.000 Menschen an dem Projekt – wurde das unmöglich Erscheinende möglich gemacht.

Wie die Geschichte ausging wissen wir alle. Vor ziemlich genau 48 Jahren war es soweit. Am 16. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond: „Ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer Schritt für die Menschheit.“

Viele von uns Wirtschaftsbossen kennen die Fragestellung nur all zu gut. Was ist der erste Schritt? Wie wird aus einer starken Vision Realität? Es ist die Mischung aus der richtigen Einschätzung, dessen was möglich ist, und einem Maßnahmenkatalog, der immer wieder der Situation angepasst wird.

Wieviel Bank brauchen wir noch?

Konkret am Beispiel Banken: „Wieviel Bank brauchen wir eigentlich noch bei Banking 4.0?“. Christoph Keese beschreibt in seinem Bestseller „Silicon Germany“ das Bankenwesen in 20 Jahren: „Smartphones werden abgelöst durch Bezahlchips, die überall verteilt sind. Sie stecken in Kleidung, Ringen, Uhren, Brillen, Kontaktlinsen, Stiften,… Jeder Chip erkennt die biometrischen Eigenschaften. Zahlung mit Bargeld erregt Verdacht auf Geldwäsche. Für das Durchführen von Zahlungen ist keine Banklizenz mehr erforderlich. Blockchain-Technologie organisiert den Bankverkehr dezentral.“

Schon heute ist digital das neue Normal – und das nach nur zehn Jahren Smartphone. Es heißt also: Umdenken! Grundsätzlich geht es darum, das Potenzial aus den Möglichkeiten der Digitalisierung und der Fülle der vorhandenen Daten richtig einzuschätzen und in der Umsetzung auf zielführende Maßnahmen zu setzen.

Dazu braucht es digitale Analyse-Werkzeuge. Wir, IBM, haben deshalb vor fast zwei Jahren die kognitive Ära eingeläutet und mit Watson-Lösungen ein solches Systeme zur Marktreife gebracht. Andere nennen es künstliche Intelligenz oder Artificial Intelligence – wahrscheinlich ist „Augmented Intelligence“, sprich eine erweiterte Intelligenz, der richtigere Ausdruck.

Wie auch immer wir die wettbewerbsrelevante Auswertung von Daten nennen – diese Systeme leiten uns in die Zukunft! Denn mit 80 Prozent aller geschäftsrelevanten Daten passiert heute nichts. Es geht schon lange nicht mehr nur darum, welche Daten ein Unternehmen hat. Die eigentliche Frage lautet: welche Insights werden daraus gewonnen? Denn Wettbewerbsvorteile entstehen erst, wenn durch kognitive Technologie Erkenntnisse generiert werden, die nur dem Unternehmen gehören und exklusiv genutzt werden können.

Die Plattform macht`s

Dazu braucht es eine Cloud-Plattform, die Daten aus verschiedenen Quellen und im Industriekontext, das heißt unter Berücksichtigung der jeweiligen regulatorischen Voraussetzungen, verarbeiten kann. Und damit meine ich nicht, dass wir uns hinter Regularien verstecken.

Anfang dieses Monats forderte der Bankenverband und der Digitalverband Bitkom, Rahmenbedingungen zu schaffen, die neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Innovative Ideen dürften nicht schon zu Beginn „wegreguliert“ werden. Es geht also um starke und sichere, public sowie hybride Cloud-Services für den Unternehmenseinsatz. Der Schlüssel ist, unterschiedlichste Datenquellen für die Auswertung zu kombinieren. Und wer diese kognitive Cloud-Plattform einsetzt, gewinnt. Deshalb haben wir in der jüngsten Zeit so viel in unsere Cloud-Plattform investiert und schließlich Watson-Technologie selbst als Service in die Cloud gebracht. In unser Rechenzentrum in Frankfurt!

Die Resonanz ist groß: Das Bankenkonsortium «Digital Trade Chain» – bestehend aus der Deutschen Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit – hat sich in einem weltweiten Ausschreibungsverfahren für IBM entschieden. Diese neue Plattform für Handelsfinanzierungen wird basierend auf IBM Blockchain und Hyperledger Fabric entwickelt, in der IBM Cloud laufen und voraussichtlich Ende 2017 in den produktiven Betrieb gehen. Wir gehen davon aus, dass sich weitere Banken aus anderen Ländern ebenso anschließen werden wie Logistikunternehmen, Kreditagenturen oder andere Firmen, um Mittelständlern, Handelsbeziehungen mit neuen Partnern im Land oder in anderen europäischen Märkten zu ermöglichen.

Sichere Transaktionen sind die eine Säule des Bankwesens, gute Beratung ist die andere. Laut einer McKinsey-Studie verbraucht das Management von Risiko und Compliance derzeit circa zehn bis 15% des operativen Ausgabenbudgets bei Großbanken. Bis 2020 wird die globale Finanzdienstleistungsbranche mit einer geschätzten Menge von 300 Millionen Seiten an Regulierungen kämpfen, wobei Tausende von neuen Seiten jedes Jahr dazukommen werden.

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Banking 4.0: Querdenker gesucht.

Der kluge (Bank)berater

Die Promontory Financial Group, eine IBM Tochtergesellschaft, die sich auf Risikomanagement und regulatorische Compliance spezialisiert hat, hat Watson bis heute auf 60.000 regulatorische Positionen geschult. Watson hat auch begonnen, Transaktionen und Fälle im Zusammenhang mit potenziellen finanziellen Vergehen zu überprüfen. Das Ergebnis ist eine Reihe von kognitiven Lösungen aus der Cloud, die professionelle Unterstützung bei der Bereitstellung von besser gestützten Risiko- und Compliance-Entscheidungen mit größerer Geschwindigkeit bieten sollen. Eine echte Erleichterung für die Finanzfachleute.

Und die Watson-Technologie wird auch bereits als Assistent für Bankberater eingesetzt. Zum Beispiel beim Finanznachrichtendienst Reuters, der täglich rund 9.000 Seiten Finanznachrichten veröffentlicht. Alleine die Analysten der Wall Street bringen jede Minute fünf neue Finanzmarktberichte heraus. Dank Watson, der diese Daten analysiert und Empfehlungen gibt, die auf die jeweilige Kundensituation angepasst sind, können die Berater sich individueller um die einzelnen Kunden kümmern. Bis Ende dieses Jahres werden bei Anwendungen wie dieser eine Milliarde Menschen mit IBM Watson in Berührung kommen.

Wir werden auf dem Feld der Beratungsleistung noch viel Veränderung sehen, da Unternehmen in allen Branchen nach neuen Interaktionsformen mit Kunden und Mitarbeitern suchen. Experience is everything! – wir alle wollen den besseren Service! Ganzheitliche Kundenanalysen schaffen die Voraussetzung für mehr individuelle Kundenorientierung, durch gezielt zugeschnittene Marketingmaßnahmen oder personalisierte Empfehlungen.

Um das Kundeverhalten genauer zu verstehen und voraussagen zu können, kommen wieder kognitive Technologien ins Spiel. Sie sind der nächste kritische Schritt um Verhaltensmuster zu erkennen, zu simulieren und für die Prognose des zukünftigen Kundenverhaltens zu nutzen. Gerade im Bankenumfeld wird das den entscheidenden Unterschied ausmachen. Wir brauchen eine radikale Neuausrichtung der Interaktion mit dem Bankkunden!

Im Bankenbereich müssen jetzt dringend die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Den Mutigen schlägt keine Stunde

Mein Appell an Sie: Wenn Sie ein Berater sind, nehmen Sie die Unterstützung der „Maschinen“ an. Freuen Sie sich, die sich wiederholenden Aufgaben abgeben zu können und sich in die Kreativität zu stürzen. Bewerten Sie die Chancen höher als die Risiken – das Glas ist halb voll und nicht halb leer. Wenn Sie ein Bankkunde sind: Freuen Sie sich auf individuelleren Service und maßgeschneiderte Beratung! Seien Sie ein kleines bisschen wie John F. Kennedy: Scheuen Sie sich nicht vor neuen Technologien, haben Sie Mut – kognitiven Mut!

Dann gelingt uns der „Moonshoot“: die sichere Landung auf dem digitalen Planeten. Und unsere Voraussetzungen sind heute besser, als die von John F. Kennedy 1962. Wir wissen schon, dass kognitive Technologien  da sind und kennen die nächsten Schritte.

Es ist an uns, den Lenkern und Leitern in diesem Land, jetzt die Verantwortung zu übernehmen. Wir sind es, die die Weichen für die Zukunft stellen.

Zugegeben – in Deutschland können wir nicht wie andere Länder zum Beispiel in Afrika oder im Baltikum komplett neu aufsetzen. Umso mutiger müssen wir sein: keine Bestandswahrer sondern visionäre Kennedys des 21. Jahrhundert: Querdenker, Freigeister und Auf-den-Kopf-Steller!

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