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New Collar Jobs – Berufswelt völlig neu gedacht

Organisationen rund um den Globus beschäftigen sich aktuell mit den disruptiven Veränderungen in Wirtschaft und Technologie, die massive Auswirkungen auf unsere Ökonomie haben. Neue Dynamiken formen den globalen Arbeitsmarkt – und das macht vor unseren nationalen Volkswirtschaften nicht halt. Schon beinahe altbekannte Probleme wie der Fachkräftemangel treffen auf neue Schreckensmeldungen, nach denen fast jeder zweite Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet ist. Doch Digitalisierung schafft auch massenweise neue Jobs. Wie sehen diese aus, welche Qualifikationen sind dafür notwendig und was können wir alle dazu beitragen?

Die Natur der Arbeit entwickelt sich weiter – und das ist mitunter Grund dafür, dass viele offene Positionen im Technologie-Bereich so schwer zu besetzen sind. Der Facharbeitermangel in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft & Technik) ist im gesamten DACH-Raum spürbar. In Deutschland sind momentan 430.000 Stellen im technischen Umfeld offen, so das Institut der deutschen Wirtschaft Köln. In der Schweiz schlägt der Verband ICT-Berufsbildung bereits Alarm: Es fehlten heute rund 25.000 Fachkräfte – Tendenz steigend. Und auch in Österreich fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs. So bemängelt der Österreichische Arbeitsmarktservice, dass trotz guter Karrierechancen und hoher Verdienstmöglichkeiten der gesamte Berufsbereich bereits seit mehr als fünf Jahren einen deutlichen Fachkräftemangel aufweist. Zudem leidet die Branche unter einem Nachwuchsproblem.  Über 65%, der in IT-Projekten involvierten Personen sind über 40 Jahre, rund 17% der Beschäftigten über 50 Jahre alt. Ihnen stehen aber nur knapp 21% Beschäftigte unter 30  gegenüber.

Geradezu paradox ist dieses Nachwuchsproblem im boomenden Sektor IT vor dem Hintergrund, dass fast jeder zweite heutige Arbeitsplatz in der Gesamtwirtschaft durch Automatisierung in den nächsten Jahrzehnten verschwinden könnte. Der Unternehmensberater A.T. Kearney sieht einer Studie von Ende 2016 zufolge in den nächsten 25 Jahren durch die Digitalisierung 44 Prozent aller österreichischen Arbeitsplätze bedroht. In Deutschland sind es 45, in der Schweiz sogar 48 Prozent.

Schreckgespenst Digitalisierung oder die Chance auf New Collar Jobs?

Die Digitalisierung vernichtet und schafft also gleichzeitig Arbeitsplätze – genauso wie es auch bei der Erfindung der Eisenbahn, des Autos oder des Computers war. Auch heute sollten wir uns daher von Studien, die das Ende der Arbeit heraufbeschwören, nicht einschüchtern lassen. Viel Lärm um nichts also? Nicht ganz. Denn unbestritten verändert die Digitalisierung Berufsbilder heute so grundlegend, wie selten etwas zuvor.

Digitale Kompetenz ist zur vierten Kulturtechnik geworden – nach Lesen, Schreiben und Rechnen. Gesamte Industrien – vom Maschinenbau bis hin zur Landwirtschaft – werden durch Data Science und Cloud Computing vollkommen neu gestaltet. Neue Arbeitsplätze werden geschaffen, für die es heute noch keine Ausbildungen gibt. Gefragt sind neue Kompetenzen im Umgang mit Daten, die noch in keinem Lehrbuch zum Maschinenschlosser oder Landwirt erwähnt werden. Nahezu alle Berufsfelder sind davon betroffen, unabhängig davon ob wenig oder hochqualifiziert, egal ob Arbeiter oder Büroangestellter, egal ob „Blue Collar“- oder „White Collar“-Job. Und es geht auch um Kompetenzen, die nur zum Teil durch traditionelle Ausbildungsmuster erlangt werden können.

Viele der neuen New Collar Jobs erfordern nicht gleich eine langwierige Universitäts- oder Fachhochschulausbildung, sondern vielmehr gezielte Qualifizierungen in begehrten Fächern wie Cybersecurity, Data Science, Cloud oder im Bereich kognitiver Systeme. International gibt es schon viele Beispiele solcher New Collar Professionals bei IBM. In ihren früheren Karrieren waren sie Lehrer, Fast-Food-Ketten-Mitarbeiter oder Rapper. Heute bekämpfen sie Cyberkriminalität, bedienen Cloud-Plattformen oder designen mobile Applikationen.

New Collar

IT-Kenntnisse und auch eine neue Begeisterung für MINT-Fächer sollte in der Schule einen größeren Platz einnehmen

New Collar Jobs erfordern neue Bildungskarrieren

Diese neuen Skills erfordern demnach auch ein komplettes Umdenken im Bildungsbereich. Ausbildungspläne müssen natürlich flexibler, digitaler und schneller werden. Doch das allein wird nicht ausreichen. Die Beschäftigung mit technischen Themen kann sich zukünftig nicht auf wenige Stunden Informatikunterricht beschränken, denn heute hat fast jedes Fach eine digitale oder technische Komponente. Egal ob Kunst, Musik, Biologie oder Rechnungswesen. Umgekehrt werden auch in der IT heute Fähigkeiten wie Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und soziale Skills immer zentraler. Auch diesen veränderten Ansprüchen der Wirtschaft müssen Schulen und Universitäten zukünftig stärker Rechnung tragen, wenn unsere Volkswirtschaften im globalen digitalen „Wettrüsten“ mithalten wollen.

Ein zentraler lokaler Partner dabei sind die Pädagoginnen und Pädagogen. IBM beispielsweise engagiert sich gemeinsam mit Partnern wie der Österreichischen Computergesellschaft (OCG) seit Jahren für die stärkere Integration von IT-Grundkenntnissen in den Unterricht. Nur wenn Lehrende aller Disziplinen ihre Distanziertheit gegenüber technischen und digitalen Themen überwinden, werden sie auch der Jugend Interesse für Digitales – abseits von Social Media und Gaming – vermitteln können. Zuletzt arbeiteten beispielsweise im Februar 2017 im Workshop „Informatisches Denken und Programmieren für Einsteiger“ 35 engagierte Wiener Pädagoginnen und Pädagogen aus der Grundstufe und der Sekundarstufe I an ihrer digitalen Kompetenz.

Eines ist klar: Auch im 21. Jahrhundert muss und soll nicht jedes Kind ungeachtet seiner Talente Programmierer oder Entwickler werden. Aber Computational Thinking, also informatisches Denken und digitales Verständnis, sind zukünftig unerlässlich für jeden Beruf und jede Branche. Wenn wir es schaffen, diese Denkweise heute bei den Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung zu verankern, dann ist ein wichtiger erster Schritt getan. In der Umsetzung braucht es jeden einzelnen von uns – egal ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, Eltern, Lehrer oder Schüler. Neues lernen, heißt immer auch die eigene, gewohnte oft lieb gewonnen„ Komfortzone“ zu verlassen und uns auf Unbekanntes einzulassen – und genau das fordert uns die Berufswelt der Zukunft ab!

Möchten Sie mehr zu New Collar Jobs bei IBM erfahren? Dazu gibt es  eine Sammlung entsprechender IBM Blog Posts. Mehr Infos zu IBM als Gründungsmitglied des Future Learning Labs finden Sie hier.

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