Moderne Arbeitswelten

Ohne Hilfe geht es gar nicht mehr: Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz

Schon vor mehr als 20 Jahren galt die Aussage, dass 80 % der Informationen im Geschäftskontext unstrukturiert und nur 20 % strukturiert sind. Seitdem hat sich kaum etwas geändert. Nur ist neben Papierdokumenten, gescannten Images und Office-Dateien noch eine kleine Menge weiterer Information hinzugekommen. Im Ernst: Haben wir damals schon davon gesprochen, dass wir die Informationsflut nicht mehr bewältigen können, was sollen wir denn heute angesichts der explodierenden Inhalte im Netz, der immer noch steigenden E-Mail-Flut und zunehmenden Zahl von Kommunikations- und Informationsplattfomen sagen?

Immer mehr Kanäle auch im Arbeitsumfeld

Ich bin gekommen, um zu bleiben…E-Mail ist gerade im Geschäftsleben trotz des oft verkündeten Todes in der Kommunikation noch immer der größte gemeinsame Nenner, denn jeder hat eine Mail-Adresse und glaubt damit umgehen zu können. Doch kämpfen wir mit der schieren Masse an Informationen mit immer mehr Eingangskanälen. Waren es früher primär Posteingang – ich rede von altmodischer Papierpost – und E-Mail, so sind unterdessen Chat, soziale Netzwerke im und außerhalb des Unternehmens und neuerdings auch „WhatsApp-ähnliche“ Tools hinzugekommen.

Gerade in der Kommunikation mit Externen, wie Kunden und Partnern, kommen weitere Kommunikationskanäle und -vorlieben hinzu: Der eine schreibt mir Nachrichten über Xing, der andere über LinkedIn. Ein Kooperationspartner bevorzugen Direct Messages auf Twitter. Als Teilnehmer und Referent des IOM Summits kommuniziere ich mit den anderen Teilnehmern über Slack. Einige Kunden, die ich zu einem Webinar einlade, spreche ich über den Facebook Messenger an, da dort die Diskussion zum Thema begonnen hat. Und meine Kolleginnen und Kollegen wissen, das sie mich im Urlaub in ganz dringenden Fällen bevorzugt über WhatsApp erreichen können.

Immer mehr Informationen, immer mehr Kanäle, immer mehr Unterbrechungen. Das Telefon klingelt, das Smart Phone vibriert, der Posteingang blinkt und Messenger piepen. Wer schafft es schon, dem Kommunikationsterror zu entkommen und Kanäle einfach einmal auszuschalten oder zu ignorieren? Stattdessen lassen wir uns ablenken und versuchen überall gleichzeitig zu kommunizieren. Jede Unterbrechung kostet uns Kraft und Zeit, bis wir uns wieder auf unsere eigentliche Aufgabe und Arbeit  konzentriert haben.

Künstliche Intelligenz sollte die Intelligenz des Menschen ergänzen

Ich glaube, dass wir Menschen die Informationsflut – sowohl die Masse der Informationen wie auch der Kanäle – einfach alleine nicht mehr bewältigen können. Nach Jahren, in denen wir zwar mehr Technologien, aber kaum wirkliche Innovation am Arbeitsplatz erfahren haben, brauchen wir endlich Systeme der künstlichen Intelligenz, die uns bei der Arbeit helfen. Technologisch können wir künftig auf kleine Helferlein gar nicht mehr verzichten.

Nachdem wir im Unternehmen seit einigen Jahren oft keine Sekretärin oder keinen Assistenten mehr haben, benötigen wir intelligente, persönliche Assistenzsysteme, die uns endlich lästige Routinearbeiten im Büroalltag abnehmen, unsere Eingangspost sortieren, uns die besonders wichtige Korrespondenz vorlegen oder Termine vereinbaren. Und wie oft suchen wir zeitaufwendig nach Informationen im Unternehmensnetzwerk oder im Netz oder benötigen das Wissen und die Kenntnisse eines Experten. Warum also nicht ein unterstützendes Expertensystem zu Rate ziehen, das uns die relevanten Informationen in unserem jeweiligen Arbeitskontext automatisch liefert?

Wir können auf solche Hilfe künftig gar nicht mehr verzichten, müssen aber natürlich unser Hirn einschalten, wenn wir solche Systeme nutzen und einführen. Künstliche Intelligenz sollte die Intelligenz des Menschen ergänzen, nicht autonom agieren und ihm die Entscheidungen abnehmen. Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Jedes Unternehmen (und jeder Anwender) muss sich die Frage stellen, ob es Systeme einsetzen will, die Wissen quasi absaugen und wo der Knowledge Graph dem Hersteller des jeweiligen Systems gehört. Nicht nur auf der Arbeit und im Unternehmen sollte man auf seine Datenhoheit achten. Viele Datenkraken wissen schon viel zu viel über uns. Keine Panikmache und Horrorszenarien, sondern der bewusste Umgang mit diesen neuen Technologien ist gefragt.

Künstliche Intelligenz

Ohne künstliche Intelligenz wird die Informationsflut kaum mehr zu bändigen sein.

Jeder muss in Zukunft schlauer arbeiten

Und daneben stellt sich auch ganz persönlich die Frage, wie man arbeitet, wie oft man auf sein Handy schaut, ob man während der Telefonkonferenz parallel chatten oder e-Mails beantwortet. Will ich wirklich sofort benachrichtigt werden, wenn auf einem meiner Kommunikationskanäle eine Nachricht ankommt oder schalte ich die Benachrichtungen auf meinem Rechner einfach – oder zumindest zeitweise – aus? Muss hier gar der Arbeitgeber aktiv werden und nicht nur den E-Mail-Server über Nacht ausschalten oder im Urlaub ankommende Post einfach löschen?

Auch diese Fragen müssen wir uns unbedingt stellen. Ich bin kein Freund der Regulierung, glaube aber, dass wir viel besser ausgebildet und entsprechend sensibilisiert gehören. Wie arbeite ich in unserem Zeitalter der Informationslawine und multipler Kanäle produktiver? Wie organisiere ich mich am besten und finde meine möglichst optimale Arbeitsweise? Dies gehört nicht erst seit heute in das Weiterbildungscurriculum der Unternehmen und in den Lehrplan von Schulen und Universitäten. Wir brauchen Systeme der künstlichen Intelligenz UND wir müssen selbst schlauer arbeiten, diszipliniert und besser organisiert sein. Dies sind die zwei Seiten der Medaille der Arbeitswelt von heute und morgen.

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