Zukunft Industrien

Ohne Kulturwandel kein digitales Unternehmen – warum Digitalisierung unsere Welt so drastisch verändert

Digitalisierung ist vielschichtig und jeder hat eine unterschiedliche Sichtweise auf den Begriff. Meist steht die Technologie im Fokus: Prozessoptimierung durch Maschinen, die sich selber warten, bessere und schnellere Diagnose von Krankheiten mit Hilfe von  intelligenten Services – um nur zwei Beispiele zu nennen. Wenige denken im Kontext von Digitalisierung an einen Wandel der Unternehmenskultur. Dabei ist dies zwingende Voraussetzung für eine echte digitale Transformation.

Das Rad der Veränderung dreht sich immer schneller

Manche Geschäftsmodelle werden in einigen Jahren obsolet sein. Ein Blick zurück: Sony hätte sich Ende der neunziger Jahre nicht träumen lassen, dass das Geschäft mit Tonträgern dramatisch einbrechen würde, bis Apple 2001 den iTunes-Store mit Musik zum Herunterladen eröffnete. Und nur fünf Jahre später wurde Apple durch Dienste wie Spotify verdrängt, die Musik zum Streamen im Abo anbieten. Sony hat damals beklagt, das Internet seit der Tod der Musikindustrie. Spotify hat eindrucksvoll belegt, wie man durch Adaption des Internets mit Musik sehr wohl Geld verdienen kann – eine Chance für den, der sie schnell erkennt und ergreift.

Das zeigt ebenso das Beispiel Booking.com: Da die Hotels es versäumt haben, sich zusammenzuschließen und eine gemeinsame Buchungsplattform anzubieten, müssen sie heute Gebühren an einen Anbieter zahlen, der ihnen zuvorgekommen ist. Auch hier wieder: Disruptionen sind dann eine Gefahr, wenn man das Potential der technischen Möglichkeiten nicht verinnerlicht und für sich nutzt – und zwar oft mit radikal neuen Ansätzen.

Und das Rad dreht sich immer schneller – die Geschäftsmodelle der Disruptoren wie Uber, AirBnB und Spotify werden selber wieder angegegriffen: durch die Blockchain-Technologie. Damit können Informationen und Transaktionen jeder Art sicher ausgetauscht werden – ohne Mittler. Heißt konkret, ein Auto buchen ohne Uber, eine Wohnung ohne AirBnb und so weiter – direkt von Mieter zu Vermieter aus einer App. Die Digitalisierung geht nicht mehr weg – als Unternehmen muss man sich dem Thema stellen oder untergehen.

Was sind Treiber der hohen Geschwindigkeit?

Woher kommt eigentlich diese disruptive Kraft? Werfen wir einen Blick hinter die Kulissen auf die Technologie.

1.- Treiber: Cloud Services

Ein Start-up muss heute kein teures Rechenzentrum mehr aufbauen, um überhaupt starten zu können. Durch die Nutzung von Cloud Services kann mit einem überschaubaren Budget begonnen werden. Wenn das Business dann richtig durchstartet, kann das Start-up ohne großen Aufwand nahezu unbegrenzt skalieren.

2.- Treiber: Agile Anwendungsarchitektur

Die herkömmlichen monolithischen Anwendungen sind viel zu träge, um den rasanten Anforderungen gerecht zu werden. Wer mit der Dynamik mithalten möchte, setzt auf eine Architektur, die auf Microservices beruht, die nur lose miteinander verbunden sind und in gekapselten sogenannten Docker Containern  laufen. Als Laie kann man die monolithischen Applikationen mit einem Topf Spaghetti vergleichen: Hat der Koch sie versalzen oder zu lange gekocht, bleibt ihm nur die Option neu zu kochen. Anders bei den Microservices: Sie sind wie eine Vielzahl von Cupcakes, die der Koch seinen Kunden anbietet: Alle Geschmacksrichtungen sind vorhanden. Kommt eine Sorte nicht so gut an, wird sie eben nicht nachgekocht. Neue Variationen werden einfach dazugestellt, von erfolgreichen Sorten wird mehr nachgebacken. Und ich komme auch nie in die Verlegenheit, dass durch einen Fehler gar kein Angebot da ist  – wie bei den Spaghetti – , weil ich alles neu kochen muss. Letzters nennt man übrigens „DevOps“ – Development and Information Technoloy Operations, also Updates ohne Downtime.

3.-Treiber: API Economy

Eine API ist eine Schnittstelle , um Informationen und/oder Funktionen von einer Applikation zur anderen auszutauschen. Gerade im Zeitalter der Cloud Services wird dies immer wichtiger, denn Anwender müssen nicht für alle Funktionen das Rad neu erfinden, sondern nutzen vorhandene Schnittstellen anderer Anbieter, um diese in ihre eigene Anwendung einzubauen. Ein schönes Beispiel dafür sind die kognitiven IBM Watson Services, die jedes Unternehmen über IBM Bluemix sehr schnell in eigene Applikationen einbinden können, ohne aufwändige Installationen im eigenen Rechenzentrum.

Vor allem diese drei technologischen Möglichkeiten erlauben jedem Unternehmen – auch Start-ups – mit relativ überschaubarem Budget in kurzer Zeit disruptive Anwendungen auf den Markt zu bringen. In zehn Jahren werden 40 Prozent  der heutigen sogenannten Fortune 500 Unternehmen nicht mehr auf dem Markt vorhanden sein. Heißt konkret: Wer innerhalb des Unternehmens die Geschwindigkeit im Wandel der Geschäftsmöglichkeiten nicht mithalten kann, wird eher früher als später Probleme bekommen.

Komplizierte Strukturen verhindern Umgang mit Komplexität

Dies ist jedoch leichter gesagt als getan. Letztendlich geht es darum, wie eine Organisation mit der Komplexität der Digitalisierung umgeht. Wie komplex die digitale Welt ist, zeigt bespielsweise die Umsetzung des autonomen Fahrens. Im Gegensatz zur analogen Welt, ist autonomes Fahren kein einzelnes Produkt  – Auto –  mehr, das man kaufen kann, sondern ein eng verflochtenes Zusammenspiel vieler sehr unterschiedlicher Technologien: Navigationssysteme, Elektroantriebe und damit neue Tankstellensysteme, Batterietechnologien, Bezahlsysteme bis hin zur mobile App-Entwicklung: Denn der Anwender möchte per Klick ein Fahrzeug vor seine Haustür bestellen können.

Das autonome Fahren bekommt man nur hin, wenn alle miteinander kommunizieren, neue Ideen entwickeln und schnell umsetzen. Das heißt, Zusammenarbeit muss einfach und schnell innerhalb und außerhalb des Unternehmens funktionieren – am besten mit Unterstützung des virtuellen Kollegen Watson, der auf wichtige Inhalte, Termine und Konversationen aufmerksam macht – damit man vor lauter Informationen nicht den Überblick verliert.

Digitalisierungpicintext

Kommunikation und Social Collaboration über Abteilungsilos hinweg ist wichtig im Zeitalter der Digitalisierung.

Die Antwort auf Komplexität ist vernetztes Arbeiten. Kollaboration muss eine Kernkompetenz werden

Ein schönes Beispiel dafür ist der Pflegedienst „Burtzoorg“. Nicht nur in der Automobilbranche, sondern auch im Gesundheitswesen werden die Anforderungen immer komplexer durch die Zunahme von chronisch Kranken, die einen stark erhöhten Bedarf an Servicediensten haben. Dies in Prozessen – detaillierte Routen- und Servicepläne für die Pflegekräfte – abzubilden, ist sehr teuer und zudem auch ineffektiv. Denn die Pfleger werden mit Reporting belastet und ihre Arbeitszeit kommt nicht den Patienten zugute.

Der Gründer Jos de Blok hat schon 2006 – ehe Software für Social Collaboration überhaupt auf dem Markt war – ein eigenes Social Intranet als Basis zur Kommunikation seiner Pflegekräfte aufgebaut. Er hat sämtliche Prozesse gestrichen und hat die Teams aus jeweils vier Pflegekräften autonom arbeiten lassen. Sie sollten lediglich bei neuen Themen Feedback von Kollegen einholen und ihre Erfahrungen teilen. Der Erfolg gibt Jos de Blok recht: Das Unternehmen bietet den besten Service bei gleichzeitig 30 Prozent weniger Zeitaufwand und 40 Prozent weniger Kosten als der Wettbewerb.

Autonomes Arbeiten über Abteilungssilos hinweg passiert nicht auf Knopfdruck, sondern es erfordert ein Umdenken bei Führungskräften und Personalabteilungen: Führungskräfte müssen weniger Fokus auf Kontrolle denn auf Motivation legen. Durch die hohe Geschwindigkeit von der Idee bis zum Prototyp und zur echten Umsetzung steigt die Fehlerquote. Fehler müssen als Teil der Arbeit akzeptiert werden. Wichtig dabei ist, dass offen kommuniziert wird, was man aus dem Fehler gelernt hat, damit andere diesen nicht wiederholen. Auch hier sind Personalabteilung und Führungskräfte gefragt, diese offene Kommunikationskultur zu etablieren und zu leben. Spotify als prominentes disruptives ehemaliges Start-up ist ein Beispiel für eine auch nach außen hin offen gefeierte Fehlerkultur, die ohne Fingerpointing auskommt.

Das technologisch Mögliche durch kulturelle Revolution umsetzen

Die Herausforderung gerade für große etablierte und heute (noch) erfolgreiche Unternehmen ist, neben der Einführung von agilen Technologien einen Kulturwandel herbeizuführen, der sowohl das Management als auch die Mitarbeiter mitnimmt.

IBM bietet Unternehmen jeder Größe sowohl mit technologischen Lösungen als auch mit Beratungsexpertise Unterstützung bei der spannenden Reise in die digitale Transformation.  Sprechen Sie uns an – zum Beispiel auf der CeBIT 2017: Vom 20. – 24.März können Sie mit unseren Experten über alle Facetten der Digitalisierung diskutieren: Künstliche Intelligenz, Cloud Services, Agile Development, Security, neue Berufsbilder und Cultural Change. Erfahren Sie durch konkrete Beispiele, welche Erfahrungen Unternehmen heute schon auf dem Weg in die Digitalisierung gesammelt haben.

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