IBM Garage for Defense: Vom Konzept zur Einsatzreife in kürzester Zeit

Stefan Hefter, Anika Wilczek | 22.04.2020

Bei der Digitalisierung im Sicherheits- und Verteidigungsbereich gehören hohe Anforderungen und tradierte komplexe Arbeitsabläufe zu den besonderen Herausforderungen. So unterstützt die IBM Garage for Defense die digitale Transformation.

Der digitale Wandel erfasst alle Branchen und Organisationen. Neben der allgemeinen Herausforderung, die Lebens- und Arbeitswelt der Beschäftigten auf die Anforderungen digitaler Arbeitsumgebungen und -abläufe vorzubereiten, sieht sich jede Branche mit spezifischen Anforderungen konfrontiert. Und in diesem Punkt stehen einige Sektoren vor größeren Herausforderungen als andere, wie beispielsweise der Sicherheits- und Verteidigungsbereich. Hier stehen Innovationsprozesse generell im Ruf, langsam sowie ressourcen- und kostenintensiv zu sein. Das globale sicherheitspolitische Umfeld verändert sich hingegen sehr schnell – und verlangt Streitkräften und der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ab, sich diesem Tempo anzupassen und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren.

Im Bereich der Landes- und Bündnisverteidigung und bei der Wahrung sicherheitspolitischer Interessen bietet die Digitalisierung herausragende Chancen, sowohl im Grundbetrieb als auch im Einsatzfall. Sie ermöglicht es, neue Situationen durch umfassende Kommunikationsmöglichkeiten und Datenauswertungen schnell zu erfassen, zu bewerten und die richtige Strategie für die jeweilige Situation zu erarbeiten. Um die Chancen der Digitalisierung im militärischen und sicherheitspolitischen Bereich in vollem Umfang zu nutzen, braucht es jedoch Entwicklungsmethoden, die Projektziele, mögliche Sicherheitsrisiken und die speziellen Anforderungen der Kunden im Verteidigungsbereich miteinander in Einklang bringen können.

Nutzer im Mittelpunkt in der IBM Garage

IBM hat hierzu mit der IBM Garage in den letzten Jahren ein erfolgreiches Konzept entwickelt, das eine schnelle und agile Entwicklung neuer IT-Konzepte ermöglicht. Auf Grundlage agiler Arbeitsweisen sowie Design Thinking erarbeiten IT-Experten in gemeinsamen Teams mit den Kunden Lösungsansätze und Prototypen. Die Methodik, mit der die Teams sich treffen und physisch vor Ort zusammenarbeiten, ist die IBM Garage. Diese enge räumliche Zusammenarbeit verkürzt Entwurfs- und Entwicklungszeiten stark. Das ständige und direkte Feedback der Kunden an die Entwicklungsteams sorgt zudem dafür, dass eventuelle Probleme frühzeitig erkannt und noch im Entwurfsprozess behoben werden können. Als Alternative zur Zusammenarbeit vor Ort besteht die Möglichkeit, dass Teams online zusammenkommen. Auch wenn die physische Zusammenarbeit die von den Kunden klar präferierte Methodik ist, besteht somit eine weitere Möglichkeit gemeinsam an Projekten und digitalen Innovationen zu arbeiten –angesichts der aktuellen, weltweiten Situation eine Option, die viele Kunden nutzen.

IBM Garage for Defense: Digitalisierung im Sicherheits-und Verteidigungsbereich

Für Kunden aus dem militärischen Bereich, wie zum Beispiel das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg), wurde als jüngster Ableger die IBM Garage for Defense entwickelt und im März diesen Jahres in Bonn eröffnet. Basierend auf dem Erfolg der IBM Garage in anderen Industriezweigen, bringt sie auch hier technische Lösungen und Spezialisten von IBM mit den Kunden und Anwendern im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich zusammen. Die IBM Garage for Defense berücksichtigt dabei die besonders hohen Sicherheitsanforderungen in diesem Sektor. Außerdem bringt sie das agile Innovationsmodell der Garage mit den hochkomplexen und sehr formalen, langfristig angelegten Beschaffungsprozessen der Bundeswehr zusammen.

Eine wesentliche Rolle der IBM Garage for Defense ist die Bereitstellung erster Testprodukte, sogenannter Minimum Viable Products (MVPs). Diese verfügen, wie der Name nahelegt, über ein minimales Set an Funktionen, das gleichwohl eine erste Bewertung der Anwendbarkeit ermöglicht. MVPs sind damit für die heutige Digitalisierung bzw. digitale Innovationen sozusagen das, was Betaversionen für die Softwarelösungen der Jahrtausendwende und der Nullerjahre waren. Die kontinuierliche Auswertung der Nutzererfahrungen aus ersten Testphasen fließt in der IBM Garage in die Weiterentwicklung der jeweils nächsten Stufe ein, bis alle Anforderungen erfüllt sind und die Produktionsreife erreicht ist.

Digitalisierung in der Bundeswehr in vier Bereichen

Die digitale Transformation kann ihre Stärken in vielen militärischen Bereichen ausspielen. Potenzial für eine erfolgreiche Digitalisierung der Bundeswehr mit Unterstützung durch die IBM Garage for Defense liegt insbesondere in vier zentralen Bereichen:

  1. Die digitale Gesundheitsversorgung der knapp 184.000 Soldatinnen und Soldaten
  2. Die Digitalisierung der Stabs- und Verwaltungsarbeit
  3. Die Optimierung der Datensicherheit und des Schutzes gegen Angriffe aus dem Cyberraum
  4. Die Digitalisierung des Gefechtsfeldes, insbesondere die Digitalisierung landbasierter Operationen

Hier gibt es erste Pilotprojekte, die den Grundbetrieb der Bundeswehr optimieren werden. Die Stabs- und Verwaltungsarbeit soll künftig durch eine neue Groupware unterstützt werden. Eine einheitliche Plattform für den schnellen und sicheren elektronischen Informationsaustausch soll hier ähnliche Effizienzgewinne bringen, wie verwandte Lösungen in der freien Wirtschaft.

Die Sicherheitsanforderungen an solche vernetzten Plattformen sind im sensiblen Bereich der Verteidigung natürlich besonders hoch. Hier hilft der Ansatz der IBM Garage, eventuelle Sicherheitslücken durch die ständige Interaktion von IT-Experten und Nutzern frühzeitig zu entdecken und zu beheben. Der laufende Abgleich der Sicherheitsmaßnahmen mit den daraus resultierenden Nutzererfahrungen ermöglicht es zusätzlich, eine hohe Cybersicherheit und Nutzerfreundlichkeit in Einklang zu bringen.

Ein Beispiel für die erreichbare Ergebnisqualität ist der Relaunch der Website des Bundesministeriums der Verteidigung, die ebenfalls mit Hilfe der Garagen-Methodik entstand. Am Projektbeginn wurden die Anforderungen des BMVg und der Nutzer herausgearbeitet. Im Erstellungsprozess wurden dann die Anforderungen laufend mit den eingehenden Rückmeldungen des Kunden und der Nutzer abgeglichen. Der Lohn war eine neue Web-Präsenz, die schließlich für ihre Nutzerfreundlichkeit mit dem Econ Award für digitale Regierungskommunikation ausgezeichnet wurde.

Ein Innovationslabor für die Truppe und ihre Industriepartner

Eine erfolgreiche Digitalisierung ist entscheidend für die Einsatz- und Zukunftsfähigkeit der Bundeswehr und anderer Bündnisstreitkräfte. Digitale Transformation ist aber nur dann sinnvoll, wenn der Mensch im Mittelpunkt bleibt. Sie kann den Menschen unterstützen und ihm leistungsfähige technische Hilfsmittel an die Hand geben, ihn aber nicht ersetzen – weder im Büro, noch im militärischen Operationsgebiet. Die IBM Garage beschleunigt die Entwicklung von Produkten und Innovationen der digitalen Transformation im Verteidigungsbereich und bringt diese schnell zur Einsatzreife. Durch dieses umfassende, ergebnisorientierte Konzept ist sie in der Lage, die anfangs genannten und in der Öffentlichkeit oft wiederholten Meinungen über die Ineffizienz von Projekten der öffentlichen Hand und im militärischen Bereich zu widerlegen. IBM stellt das in der IBM Garage for Defense in Bonn unter Beweis.

Zum Thema:

IBM Garage for Defense

Im Blog-Beitrag Die IBM Garage als Treiber für digitale Geschäftsmodelle und Innovationen erfahren Sie mehr über die IBM Garage.

Im Blog Beitrag Content-Strategie und Design-System für den neuen Digitalauftritt der Bundeswehr erfahre Sie mehr über den Website-Relaunch der Bundeswehr.

Anja Wilczek

Executive Director, IBM iX – Aperto

Anika Wilczek ist Executive Director bei Aperto. Die studierte Sozialwissenschaftlerin ist Expertin für die Steuerung von komplexen Digitalprojekten, vor allem für Kunden im öffentlichen Sektor, und verfügt über mehr als zehn Jahre Agenturerfahrung in der Zusammenarbeit von interdisziplinären, agil arbeitenden Teams.

Stefan Hefter

Partner, IBM Global Business Services

Stefan Hefter arbeitet seit 2001 für IBM in Deutschland. Er leitet die Geschäftseinheit für Digitalisierung im Bereich Verteidigung/Streitkräfte. Hier ist verantwortlich für Projekte in den Bereichen Hochsicherheitsmobilität, 5G-Technologie, Interactive Experience sowie Future Workplace & Collaboration.

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