Digitalisierung im Gesundheitswesen: Wie gut gestaltete Services Patienten emanzipieren

Katina Sostman, Nilüfer Caliskan | 21.01.2020

Die digitale Medizin braucht emanzipierte Patienten, die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen und ihre medizinischen Daten selbst verwalten. Wie können gut designte eHealth-Anwendungen die Demokratisierung und Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen?

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen nimmt Fahrt auf – und nun?

Der Gesundheitssektor boomt. Das Potenzial, mit digitalen Anwendungen die Patientenreise von der Prävention bis zur erfolgreichen Behandlung unterstützen und sogar radikal erneuern zu können, hat auch die Tech-Riesen Apple, Google und Co. auf den Plan gerufen. Und es fordert uns als Service Designer und Digitalisierungsexperten auf, die Zukunft des Gesundheitswesens rund um Themen wie seriöse Medizin und Forschung, vernetzte Kommunikation, Transparenz sowie Datenschutz aktiv mitzugestalten.

Technologiestandort Deutschland braucht eHealth-Anwendungen

In Deutschland besteht in puncto Digital Health großer Aufholbedarf. In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Digitalisierung im Gesundheitswesens von 2018 in 17 EU- und OECD-Ländern belegte Deutschland Platz 16. Eine bescheidene Bilanz für unseren Forschungsstandort. Weitere Rückschläge sind vorprogrammiert, wenn in Deutschland auch in den kommenden Jahren nicht genügend Daten im Gesundheitswesen erhoben werden. Die Forschung muss dann auf die Bestände großer Datenunternehmen zurückgreifen. Es ist jedoch im Interesse der gesamten Gesellschaft, dass die Daten in den Institutionen bleiben, wo die Forschung betrieben wird.

Es zeichnet sich hierzulande allerdings eine Veränderung ab: Zwar steht die Neugestaltung, die Digitalisierung des Gesundheitswesens erst am Anfang, doch deutet der politische Kurs in Richtung Partizipation und Selbstverwaltung. Große Investitionen in die digitale Medizin sind geplant. Der Gesetzgeber fordert die elektronische Patientenakte, weiterhin sind Apps auf Rezept im Gespräch. Experten sprechen von einem Meilenstein in der Modernisierung der Patientenversorgung.

Der Erfolg hängt insbesondere davon ab, ob es gelingt, Nutzer und Fachwelt von Mehrwert und Sicherheit digitaler Angebote zu überzeugen. Ihre Akzeptanz setzt nicht nur digitale Kompetenzen der Nutzer voraus, sondern auch die Entwicklung einer Gesundheitskompetenz sowie die Alltagstauglichkeit der eHealth-Anwendungen.

Usability by Design – was müssen eHealth-Anwendungen können?

Die beste Technologie ist erst dann sinnvoll, wenn sie positive Veränderungen im Leben der Nutzer anstößt. Digital-Health-Lösungen machen die Individualisierung von Wissen möglich und bieten so erstmals die Chance, alle Menschen abzuholen, und zwar barrierefrei. Barrierefreiheit heißt in diesem Zusammenhang, dass wir unterschiedliche Ausgangssituationen wie zum Beispiel Kultur, Bildungsgrad und digital literacy berücksichtigen. Dazu gehören auch situationsbedingte Bedürfnisse, wie der Wunsch, schnell auf bestimmte Informationen zugreifen zu können.

Technologie kann Patienten künftig über Grenzen hinweg begleiten. Sie kann Ärzte und pflegendes Personal im Krankenhaus bei der Therapie eines Patienten unterstützen und die Kontinuität der Behandlung nach dem Klinikaufenthalt gewährleisten. Nachsorge per Tablet mit der Option des persönlichen Kontakts zum medizinischen Personal erleichtert zum Beispiel die körperliche Reha. Bislang ist jeder vierte Patient mit den Übungen für zu Hause überfordert und übt aus Furcht vor Schmerzen und Fehlhaltungen oft lieber gar nicht. Auch dafür sind bereits spielerische Anwendungen in Sicht. Dank verbesserter Möglichkeiten für das 3D-Tracking steckt mit dem aktuellen iPhone-Release der Therapeut quasi im Smartphone.

Digitalisierung im Gesundheitswesen: Was heißt das für Service Designer?

Das Ziel ist klar: Wir möchten erreichen, dass sich Gesundheits-Apps ganz selbstverständlich in den Alltag von Patienten und medizinischem Fachpersonal integrieren. Der Weg dorthin führt über Co-Creation: Wenn wir Ärzte, Patienten und Institutionen von Anfang an am Gestaltungsprozess beteiligen, bringen die Services allen Beteiligten einen deutlich erkennbaren Mehrwert, und sie werden unseren Umgang mit der eigenen Gesundheit nachhaltig verändern. Das ist aktuell eine der inspirierendsten Aufgaben für Digitale Service Designer — wir sind bereit!

Katina Sostmann

Executive Creative Director & Executive Director Health iX, IBM iX – Aperto

Katina ist ausgewiesene Service Design Expertin und verantwortet das Thema Digital Health bei Aperto, Teil von IBM iX. Bevor sie zu Aperto kam, war sie Design Lead bei der Innovationsagentur IXDS. Zuvor arbeitete sie nach ihrem Abschluss an der UK Berlin als Künstlerische Mitarbeiterin bei ID5 sowie als Freelancerin.

Nilüfer Caliskan

Executive Partner - Health Insurance / Digital Strategy and iX

Nilüfer ist seit 19 Jahren Beraterin mit Schwerpunkt Digitalisierung und digitale Strategien. Sie hatte verschiedene Management- und Leitungsfunktionen bei IBM inne. Seit acht Jahren fokussiert sie auf die Beratung und Betreuung von gesetzlichen Krankenversicherungen und managt Accounts in diesem Segment. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Digital Experience innovativer Lösungen.

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