CSR

Feinstaub, Klimafolgen und Demokratie –
„Das ist die Berliner Luft!“

Heute ist der 5. Juni 2019 – und damit Weltumwelttag!

Klima und Klimafolgen sind uns als Unternehmen wichtig, schon 1971 haben wir uns Leitlinien zum Umweltschutz verschrieben. Die kürzlichen Wahlen in Deutschland standen auch aufgrund der wiederholten Fridays for Future-Demonstrationen von Schülerinnen und Schülern stark im Zeichen des Klimawandels. Alle Parteien sind sich einig: Die Europawahl hat gezeigt, wie lebendig unsere Demokratie ist. Und dass Umwelt und die Bedeutung nachhaltigen Handelns wichtige Aktionsfelder insbesondere für die junge Generation sind. Da sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass der Weltumwelttag den Tag der ersten Umweltkonferenz der Vereinten Nationen am 5. Juni 1972 in Stockholm markiert. Zeit zum Handeln!

Daten, Demokratie und Bildung

Umwelt und digitale Transformation von Gesellschaft sind beherrschende Themen unserer Zeit. Lebendige Demokratie braucht Bildung. Bildung im digitalen Zeitalter bedeutet mehr denn je, dass Schülerinnen und Schüler sich früh in Quellenkritik üben. Nicht jede Zahl, nicht jede gute gemachte Statistik, nicht jede Reihung von Fakten erzählt die Geschichte. Sie schreiben immer eine Geschichte, aber passt sie so auf aktuelle Phänomene? Oder versucht sie zu manipulieren? Sind die Daten an sich korrekt? Geben meine Messgeräte die Wirklichkeit wieder? Sind weitere Faktoren im Umfeld zu berücksichtigen? Kann ich aufgrund der Korrelation, des (auch schon mal inversen) Gleichschritts zweier Phänomene, aka „Messreihen“, schon auf „Ursache“ schließen?

Hier Schulen respektive Lehrerinnen und Lehrern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden und gleichzeitig ihre Kompetenzen in informatischer und demokratischer Bildung trainieren können, ist das Ziel der Aktion Das ist die Berliner Luft! von IBM am 7. Juni 2019 im Bikini Berlin.

In Zusammenarbeit mit und aufbauend auf luftdaten.info bauen über 200 Schülerinnen und Schüler von Berliner und Brandenburger Schulen Feinstaubsensoren, die danach dort verbleiben. Sie werden an neuralgischen Punkten im Bezirk oder in anderem Umfeld zum Einsatz kommen und ihre Messwerte (fast) in Echtzeit liefern. So wird die Kartographierung der Berliner Luft mit weiteren 100 Sensoren noch engmaschiger werden. Die Auswertung der Daten, in Korrelation mit zum Beispiel Wetter- und Verkehrsdaten, geben Schulen vielfältige Möglichkeiten, informatische Bildung am konkreten Fall mit aktuellem Lebensweltbezug weiter zu entwickeln – und Modellbildung und Schlussfolgerungen auch im Sinne politischer Bildung zu thematisieren.

Feinstaub

Das messende Klassenzimmer: Ein simples Winkelrohr mit Microcomputer und WLAN

Die Bausätze, bestehend aus einfachen Bauteilen und entwickelt vom Open Knowledge Lab Stuttgart (OK Lab), werden hierzu am 7.6.2019 von den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern unter Anleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des OK Lab und IBM zusammengebaut. Der IoT-Sensor misst Temperatur, Feuchtigkeit und Feinstaub. Feinstaub wird in den zwei Größen, PM10 und PM2,5, gemessen. Schulen bestimmen in der Folge, am besten schon als Projekt der Schülerinnen und Schüler, über den Ort für die Aufhängung. Und  mit den Daten kann dann zum Beispiel ein eigener Luftqualitätsindex (Air Quality Index – AQI) erzeugt oder vorhandene Indizes verschiedener Länder auch einmal nachgebildet und miteinander verglichen werden.

Doch wohin übertragen? Auch hier kommt luftdaten.info ins Spiel. Als Teil der Open Knowledge Foundation Deutschland verfolgt das OK Lab Stuttgart das Ziel, Entwicklungen im Bereich Transparenz, Open Data und Citizen Sciences zu fördern. Alle gesammelten Umweltdaten werden auf der Website luftdaten.info gesammelt, visualisiert und in Echtzeit zugänglich gemacht (s. Abb. 1). Bereits mehr als 4.000 private Messfühler sind registriert und reichen auch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Feinstaub-luftdaten.info

Credits: luftdaten.info

Informatische und politische Bildung zum Anfassen

Das Projekt kann im Informatikunterricht, in allen MINT-Fächern und auch fächerübergreifend zum Einsatz kommen und erweitert werden. So können die anfallenden Daten später im Unterricht mit Verkehrs- und Wetterdaten verbunden werden. Gleichzeitig bieten sie eine Grundlage für die Auseinandersetzung mit IoT, Big Data und Citizen Sciences an einem aktuellen Beispiel.

Der konkrete Lebensweltbezug – Umwelt, Klima, Verkehr, Feinstaub – weckt Interesse und gibt Relevanz. Informatischer Unterricht (Technik, Modellierung, Programmierung, Datenbanken, BigData, KI u.v.m), Physik und Biologie respektive Naturwissenschaft und Technik (u. a. Temperatur, Strömungsverhältnisse, Partikelgrößen und Filter, Stoffe und ihre Wirkung auf Körper) sowie Erdkunde (meteorologische Phänomene), aber auch Geisteswissenschaften und Politik (Darstellungsformen und Quellenkritik, Ethik von Algorithmen, Open Data, Open Government, Citizen Sciences) profitieren von der Dynamik der Messungen und der Aktualität der Feldes.

Schülerinnen und Schüler können sich aktiv mit realen Daten und Erkenntnissen in gesellschaftliche Diskussionen rund um Feinstaub, Fahrverbote, Klimawandel und mehr einbringen und auch eigene Projekte und Initiativen entwickeln – lernprozessorientiertes Lehren und handlungsorientiertes Lernen gehen Hand in Hand.

Der weiteren Nutzung sind keine Grenzen gesetzt

Ganz nebenbei wirkt das Projekt in den lokalen Sozialraum. Die Sensoren wollen gut verteilt sein. Sie brauchen wenig Platz, aber doch Strom und Wi-Fi. Das heißt, sie werden vielfach an Orten hängen müssen, die nicht zur Schule gehören. Und so gilt es, andere davon zu überzeugen, einen solchen Sensor “bei sich aufzunehmen”. Das erfordert Diskussion und Überzeugung – Schülerinnen und Schüler werden so auch Engagierte und treten in Austausch mit ihrer Nachbarschaft.

Kooperationen mit anderen Schulen können den Wirkungsradius erheblich vergrößern.

Die TU Berlin arbeitet an einem Citizen-Sciences-Projekt, das auch Stickoxide erfasst – auch hier können sich Schnittstellen für Zusammenarbeit ergeben. Und ein ganz neues Feld sind mobile Sensoren. Wie wäre es, wenn Busse und Entsorgungsfahrzeuge Sensoren an Bord hätten, die ihrerseits Daten melden?

Aber: Ohne Geodaten machen die Sensoren keinen Sinn. Man ist also schon mittendrin auch in der Diskussion rund um Datenschutz und informationeller Selbstbestimmung. Aber was wäre die Umweltpolitik ohne die Daten der Sensoren?

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