Zukunft Industrien

Mit intelligenten Lieferketten zum Vorreiter der digitalen Transformation werden

Funktionierende, intelligente Lieferketten sind ein entscheidender Erfolgsfaktor in der digitalen Transformation – und sie können auch über den Erfolg oder den Misserfolg eines Unternehmens entscheiden. Was zählt, sind Schnelligkeit, ein vollständiger Überblick über komplexe Prozesse und der volle Fokus auf den Kunden. Wer dies nicht leisten kann, der hat quasi schon verloren: 40 Prozent der Fortune 500-Unternehmen werden aufgrund der digitalen Disruption in den nächsten zehn Jahren verschwinden, wie Führungskräfte in einer Studie von ChristianSteven Software vorhersagen.

Wir alle erinnern uns an ehemals große Namen von Unternehmen, die heute nur noch Geschichte sind. Um nicht nur die Herausforderungen der digitalen Transformation zu meistern, sondern auch deren Chancen zu nutzen, sind intelligente Lieferketten ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Bis zu 65 Prozent des Waren- oder Servicewerts in einem Unternehmen entsteht durch die Zusammenarbeit mit Zulieferern, so der „Cross-Industry Report of Standard Benchmarks“ von CAPS Research. Deshalb ist der reibungslose Ablauf innerhalb von Lieferketten auch so entscheidend. Globale Lieferketten werden jedoch immer komplexer und dadurch störungsanfälliger, immer mehr Informationen müssen schnell verarbeitet werden. Und es gibt außergewöhnliche Ereignisse wie den Brexit, die den Warenaustausch zwischen Ländern komplett ändern können. Gleichzeitig steigen die Kundenerwartungen. Kunden im B2B-Bereich erwarten heute – zu recht – ähnliches, was Privatnutzer schon lange kennen: Wer bei Amazon bestellt, der erfährt genau, wann die Lieferung eintreffen wird und wo sie sich gerade befindet. In vielen Branchen ist eine passgenaue Lieferung wegen der hohen Komplexität jedoch noch nicht möglich. Auch der mangelnde Überblick über Lieferketten führt zu ganz konkreten – und oft sehr teuren – Problemen. Rückrufe, Lieferverspätungen oder beschädigte Ware verursachen weltweit hohe Kosten. Höchste Zeit also, an dieser Situation etwas zu ändern.

Doch wie erschafft man verlässliche, intelligente Lieferketten, die mit dem heutigen agilen Geschäftsleben Schritt halten? Möglich wird dies durch Künstliche Intelligenz, Blockchain und in Zukunft sogar durch Quantencomputer: Künstliche Intelligenz für vorausschauende Datenanalyse und Handlungsempfehlungen, Blockchain für volle Visibilität und Zusammenarbeit sowie Quantencomputer für das Lösen von komplexen Optimierungsproblemen.

Kundenwünsche in Echtzeit umsetzen

Moderne Technologien ermöglichen es, Probleme schnell zu adressieren sowie eingehende und ausgehende Bestellungen in Echtzeit zu synchronisieren, oder noch einfacher gesagt: Angebot und Nachfrage endlich vollumfänglich zusammenzubringen. Das klingt einfach, ist aber hochkomplex: Hersteller- und Lieferkapazitäten, Lieferzeiten, Waren- und Logistikengpässe – all die Informationen aus den Back-End-Systemen müssen so zusammengebracht werden, dass eine simple Aussage herauskommt: „Die Lieferung kommt nächsten Mittwoch zwischen 11 und 12 Uhr in Ihrem Unternehmen an“. Genau solche Aussagen erwarten heute auch Geschäftskunden.

Die Lösung IBM Order Management System unterstützt bei der Erfüllung solcher Kundenerwartungen, indem sie in Echtzeit Einblick in den unternehmensweiten Bestand bietet und bei der Auftragserfüllung hilft. Um einen solchen umfassenden Überblick über den Bestand zu erhalten – und zwar über die verschiedenen Kanäle hinweg – nutzt zum Beispiel Fossil IBM Order Management. Durch das kanalübergreifende Zusammenbringen von Lagerbeständen wird Kunden in Europa und den USA der schnelle, nahtlose Einkauf an verschiedenen Touchpoints ermöglicht.

Um Kunden zufriedenzustellen, müssen Bestellungen pünktlich und effizient geliefert werden. Wie sollten Händler also am besten ihre Waren ausliefern, wo sollten sie ihre Lager und Fulfillment Center platzieren – und was machen sie, wenn sie kein flächendeckendes Netz von Zentrallagern haben? Bei solchen Fragen unterstützt der Watson Order Optimizer von IBM, mit dem die Auftragsdurchführung etwa hinsichtlich der Lieferkosten oder des Lagerbestands optimiert werden kann. Hier kommt die Künstliche Intelligenz ins Spiel, die bei der Durchführung in Echtzeit hilft.

Beide Lösungen werden beispielsweise von Einzelhändlern genutzt, die ihre Waren auch im E-Commerce-Shop anbieten möchten. Dabei können Onlinebestellungen in jeder Filiale abgewickelt und geliefert werden. Die Mitarbeiter managen die Lieferungen mit einer App – und zu managen gibt es einiges: Wenn beispielsweise die Urlaubszeit bevorsteht, wird ein auf Gepäck spezialisiertes Geschäft mehr Koffer und Rucksäcke bereithalten. Wenn aber dagegen schlechtes Wetter droht oder Mitarbeiter krank werden und eine Filiale somit geringere Kapazitäten hat, wird die Onlinebestellung an eine andere Filiale gegeben. Ein „Stresstest“ für den Einzelhandel – und für die Bestellsysteme –  ist der Black Friday, an dem auch in Deutschland immer mehr Ware umgesetzt wird.

Volle Einblicke in globale Lieferketten mit Blockchain und Künstlicher Intelligenz

Die Auslieferung an den Endkunden ist in der Lieferkette nur „die Spitze des Eisberges“. Davor steht eine Vielzahl von komplexen Prozessen mit vielen Beteiligten. Dies macht es sehr schwierig, Produkte oder Produktkomponenten bis zum Ursprungsort zurückzuverfolgen. Aber für viele Beteiligte wird genau das immer wichtiger. Deshalb sind Rückverfolgungsmodule unerlässlich, die die Produkte identifizierbar machen und vollständig mit dem Produktionssystem integriert sind.

Intelligente-Lieferketten

Zum Beispiel Konsumgüter wie etwa Lebensmittel: Diese müssen zunächst hergestellt werden, wobei auch der Produzent schon an Lieferketten angebunden ist, etwa mit landwirtschaftlichen Erzeugern oder Logistikunternehmen. Zum Transport, beispielsweise auf Containerschiffen, werden Produktchargen dann oftmals neu verpackt. Container sind deshalb wie „Black Boxes“: Wenn sie erst einmal beladen und unterwegs sind, ist es schwierig festzustellen, welche Lieferungen sie eigentlich genau enthalten. Am Zielort werden die Konsumgüter dann an ihren Bestimmungsort ausgeliefert, beispielsweise den Supermarkt. Und dort sollte die Ware frisch und einwandfrei ankommen. Und wenn die Lebensmittel verspätet oder verdorben geliefert werden? Dann geht die Telefonkette los, um die Ursache des Problems herauszufinden und neue Ware zu bestellen. Das kostet viel Zeit und Geld. Insbesondere in der ansonsten hochtechnisierten Containerschifffahrt funktioniert fast alles noch mit Frachtpapieren – wobei das Wort Papier ganz wörtlich zu nehmen ist. Es gibt niemanden, der vollständigen Überblick über die komplette Lieferkette hat. Wirklich niemanden?

Auftritt Blockchain: Wenn eine Blockchain-Schicht über die Lieferkette gelegt wird, erhöht sich der Überblick und der verlässliche Informationsaustausch im Netzwerk enorm. Dies wird durch den Shared Ledger ermöglicht, der die Authentizität und Integrität der Daten gewährleistet und der somit auch das Vertrauen der Beteiligten erhöht. Mit der IBM Lösung Business Transaction Intelligence können die Beteiligten Daten über diese Plattform teilen. Dadurch haben alle einen besseren Überblick über die Lieferungen und können deren Durchführung überwachen. Business Transaction Intelligence nutzt das IBM Supply Chain Business Network (SCBN), in dem Hersteller, Lieferanten und Händler bereits vernetzt sind. Weitere Partner können mittels Self-Onboarding sehr schnell an die Blockchain angebunden werden, Teilnehmer des IBM SCBN können die bestehende Anbindung benutzen. Somit ist es möglich, die vorhandenen Verbindungen für den elektronischen Datenaustausch (EDI) weiter zu nutzen, neue Partner viel einfacher als bisher anzubinden und erstmalig eine gemeinsame Visibilitätsschicht zu haben, die allen beteiligten Parteien schnellen Zugriff auf die für sie relevanten Informationen ermöglicht.

Die Lieferungen werden zukünftig zum Beispiel im Container durch sogenannte Smart Tags überwacht: Wenn im Containerraum etwa die Kühlung ausfällt, registriert dies der Temperatursensor des Smart Tags und  meldet den Ausfall sofort über die IoT-Plattform an die Blockchain. Mit Hilfe von Smart Contracts, die zum Beispiel nach „Wenn-Dann-Regeln“ arbeiten, wird Alarm ausgelöst, wenn die Temperatur zu hoch ist. Der Lieferant erhält dann eine Meldung und kann gleich neue Waren losschicken, anstatt warten zu müssen, bis die verdorbene Ware ihren Zielort erreicht hat. Eigentlich möchte man auch gerne in die Zukunft schauen und reagieren, bevor ein Problem entsteht. Warum also nicht den Wetterbericht überwachen und wenn es Warnungen gibt, diese mit meinen Lieferungen abgleichen und eventuell gleich anderweitig bestellen oder umleiten?

Sofortige Reaktion auf Ereignisse schafft Wettbewerbsvorteil

Wir wandern eine Schicht weiter nach oben in der intelligenten Lieferkette: Hier stellt sich die Frage, wie Informationen zu relevanten Ereignissen schnell verarbeitet werden können. Solche Ereignisse sind sehr vielfältig: Unwetter, die finanzielle Situation von Lieferanten oder Warenknappheit. Ein Beispiel sind Flash Speicher: IBM konnte durch die Verwendungen von neuen Technologien, die unter anderem auf Künstlicher Intelligenz basieren, bei der Herstellung der IBM Mainframes sehr schnell auf eine Verknappung von Flash-Speichern reagieren und diese rechtzeitig und mit großer Kostenersparnis nachbestellen. Das System, das für die IBM-interne Supply Chain entwickelt wurde, wird mittlerweile unter dem Namen IBM Supply Chain Insights auch als Produkt angeboten.

IBM Supply Chain Insights kann unter anderem das Internet und Foren nach relevanten News überwachen. Welche Neuigkeit für welchen Lieferanten gerade relevant sind, passt das System dabei sekündlich an. Außerdem verarbeitet es sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Daten, wie etwa Nachrichten oder den Wetterbericht. Ein weiterer Vorteil von IBM Supply Chain Insights: Die Mitarbeiter im Unternehmen müssen nicht jedes Mal wieder für ähnliche Probleme neue Lösungen suchen. IBM Watson ermöglicht einen einheitlichen Wissensstand, indem das kognitive System im sogenannten Resolution Room die Ergebnisse und Lösungen von Problemen für die Mitarbeiter zur Auswertung sammelt und einordnet. Diese können Watson mit Hilfe von Sprachverarbeitung konkrete Fragen stellen, wenn ein Problem auftritt.

Intelligente Lieferketten, die auf neuen Technologien basieren, bringen erstaunliche Verbesserungen: Informationen können um 90 Prozent schneller abgerufen werden. IBM konnte Verzögerungen in der Mainframe-Lieferkette von 18 Tagen auf Stunden reduzieren. Verspätete Bestellungen wurden um 75 Prozent reduziert. Dies wird möglich, weil Künstliche Intelligenz und Blockchain schnellere und besser informierte Entscheidungen in Lieferketten ermöglichen. Und solche Entscheidungen sind eine wichtige Grundlage, um in der digitalen Transformation einen Vorsprung vor der Konkurrenz zu haben.

Add Comment
No Comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.Required fields are marked *

More Zukunft Industrien Stories

Digitalisierung im öffentlichen Sektor: transformation first, humans second?

Derzeit ist Digitalisierung in Deutschland vor allem in der Privatwirtschaft erfolgreich. Sowohl organisationsintern – Schlagwort Arbeit 4.0 – als auch bei Interaktionen mit Geschäftspartnern und Kunden. In den Bereichen Verwaltungsdigitalisierung und E-Government hingegen ist das Digitalisierungspotential noch nicht voll ausgeschöpft. Dass im öffentlichen Sektor Aufholbedarf besteht, haben die Behördenleitungen in Deutschland bereits erkannt und daher […]

Digital Health: Kooperatives Denken gefragt

Wer visionäre Ideen in konkrete Produkte und Dienstleistungen verwandeln will, braucht Unterstützung. Wenn es etwa darum geht, innovative Ansätze zur Diagnose und Therapie von Krankheiten voranzubringen, müssen viele Seiten zusammenarbeiten: Wissenschaftler, Kliniker, Gründer, Investoren und Industrievertreter. Die BioVaria, eine von europäischen Technologietransfer-Organisationen initiierte Konferenz, bietet seit 10 Jahren ein Forum, auf dem all diese Welten […]

SpliceX – Die IBM Plattform für die Digitalisierung der Produktion

Der Cloud-Markt wartet heute mit einer Vielzahl von Angeboten für IoT-Plattformen in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Diese fokussieren sich zumeist auf eine technische Anbindung von Maschinen, Anlagen und Sensoren sowie auf eine einfache Visualisierung. Die Zielsetzung liegt bei bestehenden Angeboten zumeist auf dem „Wie“: „Wie bekomme ich meine anfallenden Daten effizient in eine (zumeist) entfernte Infrastruktur?“ […]