Zukunft Industrien

“TK-Safe hat Potenzial für das gesamte Gesundheitswesen”

3 Fragen an Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.

 Medizinische Daten liegen heute hauptsächlich dezentral bei Ärzten, Krankenhäusern, Therapeuten oder Krankenkassen. Versicherte haben in der Regel keinen direkten Zugriff auf ihre eigenen medizinischen Informationen. Die Techniker Krankenkasse arbeitet daher gemeinsam mit der IBM Deutschland GmbH seit knapp einem Jahr an einer bundesweiten elektronischen Gesundheitsakte. Nun gab die TK bekannt: „TK-Safe“ soll sie heißen und ab sofort sind alle TK-Versicherten eingeladen, sich für den Test anzumelden. Das haben wir zum Anlass genommen bei Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, nach einem Zwischenfazit zu fragen: Wie steht es um die Partnerschaft und das gemeinsame „Baby“?

Die IBM THINK Blog Redaktion hat Dr. Jens Baas über die Digitalisierung des Gesundheitswesens gesprochen. Foto: AndreasFriese.de

Herr Baas, IT-Riese und Krankenkasse – passt das zusammen?

Ja, das passt! Für ein Projekt wie TK-Safe, unsere bundesweite elektronische Gesundheitsakte, braucht es ausgewiesenes Expertentum. Als TK sind wir in unserer Branche mit digitalen Lösungen schon sehr weit. Wir haben einen großen Erfahrungsschatz, was die Bedürfnisse der Versicherten angeht. Das gilt ganz besonders für das Thema Datenschutz: Gesundheitsdaten sind hochsensibel und benötigen entsprechend hohe Sicherheitsstandards. Mit IBM haben wir einen Partner gewonnen, der diese Verantwortung und Verpflichtung versteht und das notwendige Know-how hat, dies digital umzusetzen.

Wie haben Sie die mehr als einjährige Zusammenarbeit beim Projekt eGA/TK-Safe erlebt?

Für uns war und ist die Zusammenarbeit ausgesprochen lehrreich. TK-Safe ist ein klassischer Fall für agiles Arbeiten und die Scrumlogik: Die Entwicklung der Funktionen von TK-Safe folgte keinem starren Plan, stattdessen haben wir die Entwicklungsziele je nach Arbeitsfortschritt und technischer Machbarkeit flexibel gestaltet. Während des Prozesses haben wir immer wieder geschaut: Was kann funktionieren, was eher nicht, was wäre anders besser als ursprünglich angenommen? Dementsprechend ändert sich im Verlauf so einiges und man muss anpassungsfähig sein, um hier wirklich innovativ zu arbeiten.

Ich habe sehr positiv erlebt, dass die Kolleginnen und Kollegen unserer beiden Unternehmen auf der Arbeitsebene sehr schnell zusammengefunden haben und einen sehr kollegialen Austausch pflegen. Was wir dabei festgestellt haben: Digitalisierung hin oder her, so ein Arbeitsprozess lässt sich nicht allein am Bildschirm koordinieren. Es braucht auch den persönlichen Austausch. Deshalb wechselte das zu Beginn schwerpunktmäßig von Berlin aus arbeitende IBM-Team nach einigen Monaten nach Hamburg und war so “unserem” Team auch räumlich näher. Jetzt sind wir ein Team und arbeiten gemeinsam an einem Standort deutlich schneller und effizienter. So haben wir gemeinsam in kurzer Zeit ein zukunftsweisendes Produkt entwickelt. Hier haben zwei große Unternehmen bewiesen, dass so etwas nicht nur in Startups funktioniert!

Potenzial für die Digitalisierung des Gesundheitswesens


Heute haben Sie schließlich den Startschuss für einen bundesweiten Anwendertest für TK-Versicherte gegeben. Was ist ihre Vision für TK-Safe, wie soll es jetzt weitergehen?

Wir schaffen mit TK-Safe eine Infrastruktur, die das Potenzial hat, das gesamte Gesundheitswesen digitaler zu machen – bislang gehört die Branche nicht gerade zu den Spitzenreitern. Versicherte sind längst keine passiven Informationsempfänger mehr, die auf die Auskunftsbereitschaft von Medizinern angewiesen sind. Sie sind aktiv, holen Informationen ein und haken nach. TK-Safe eröffnet hier völlig neue Möglichkeiten, weil die Nutzer einen strukturierten Einblick in ihre Daten bekommen. Unser Job ist es, unseren 10,1 Millionen Versicherten optimale Bedingungen zu bieten, um verantwortlich und souverän mit den eigenen Daten umzugehen. Das erleichtert ihnen die Kommunikation mit Ärzten, wenn alle wichtigen Daten und Dokumente an einem zentralen Ort gespeichert sind und sie selbst direkten Zugriff haben. Von uns kommen zum Beispiel die Übersichten über die verordneten Arzneimittel. Mit dieser Aufstellung können dann Wechselwirkungen besser erkannt werden. Ärzte sollen künftig auch Diagnosen, Arztbriefe oder Röntgenbilder einstellen können. Zudem planen wir die Einbindung digitaler Versorgungsangebote wie unsere Gesundheits-Coaches und individuelle Vorsorgeempfehlungen.

Die Auswirkungen sollen aber deutlich über die TK hinausgehen. Wir wünschen uns, dass künftig alle Kassen ihren Versicherten eine elektronische Gesundheitsakte anbieten – und Gesundheitsminister Jens Spahn hat ja auch bereits angekündigt, digitale Schwerpunkte zu setzen, was mich sehr freut.

Der IBM THINK Blog hat auch über die Digitalisierung in anderen Branchen berichtet, etwa in der Automobilindustrie und im öffentlichen Sektor.

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