Zukunft Industrien

Industrie 4.0: Spielend am Modell lernen

Nicht umsonst gilt der Spruch „In jedem Mann steckt auch ein Kind“. Oftmals braucht es ein wenig Kreativität und genau diesen kindlichen Spieltrieb, um aus abstrakten Technologie-Trends Wirklichkeit werden zu lassen. Diesen Spieltrieb gepaart mit tiefer technologischer Expertise haben die IT Architekten René Auberger, Steffen Krause und Steffen Hartmaier vor zwei Jahren zum Leben erweckt.

Die große Fragestellung war, wie man die Begriffe Industrie 4.0 und Industrial IoT zu einem anschaulichen und realen Demonstrator werden lässt. Gesagt, getan – geboren war die Idee! Glücklicherweise führt fischertechnik neben Spielzeug seit vielen Jahren auch fertig gebaute Industriemodelle mit realitätsnaher Darstellung von Produktionsabläufen für Trainings- und Simulationszwecken im Sortiment. Es ging jetzt also darum, die fischertechnik Fabrik-Simulation mit IBM Technologie zu verknüpfen.

In einem kleinen Projektteam wurde so mit Hilfe agiler Methodik die Modellfabrik erweitert. Ursprünglich gedacht für industrielle Schulungen und Demonstration, wurde die Fabrik bei IBM nach und nach mit einer Vielzahl an zusätzlichen Sensoren und Technik ausgestattet. Mit Hilfe von IBM Watson IoT, IBM Analytics und der IBM Cloud lassen sich nun Industrie 4.0 Anwendungsfälle realitätsnah zeigen: Vorausschauende Wartung, Vorhersage von Produktionsqualität und Dashboards, die übergreifende Zusammenhänge und Vorgänge live visualisieren und so zu einem besseren Verständnis von komplexen Vorgängen in Fabriken beitragen. Dabei werden die Daten nicht nur sicher in die EU-Cloud von IBM übertragen, sondern dort auch sicher gespeichert und gemanaged.

Ganz im Sinne von Industrie 4.0 ist auch die Nachverfolgbarkeit einzelner Teile über ihren Produktionszyklus hinweg exakt gegeben. So kann jederzeit genau festgestellt werden, welches Teil wann und wie bearbeitet wurde. Da in der Praxis diese Daten oftmals über die ganze Lieferkette hinweg von Bedeutung sind, sollten sie auch allen beteiligten Unternehmen sicher zur Verfügung stehen. Dafür landen diese Daten in einer eigenen Blockchain.

Modellfabrik für die Industrie 4.0: fischertechnik

Modellfabrik für die Industrie 4.0

Selbst Schutz und Sicherheit der Arbeiter kann mit dieser Modellfabrik gezeigt werden. Mit Hilfe einer Kamera und IBM Watson Visual Recognition wird schnell und unkompliziert erkannt, ob die persönliche Schutzausrüstung angelegt ist. Ohne Schutzausrüstung kann die Bearbeitung eines Teils nicht gestartet werden.

Die IBMer haben der Fabrik nicht nur das Sehen beigebracht, sondern auch Sprechen und Zuhören. Der „Factory Chat Bot“ kennt die aktuellen Vorgänge und Daten aus der Fabrik sowie die zugehörigen Ergebnisse der Datenanalyse. Mit ihm kann man sich über alle relevanten Fragestellungen rund um die Fabrik unterhalten und bekommt auf einfache Weise mittels natürlicher Sprache Auskunft über Aktuelles sowie Vorhersagen.

Wochen und Monate später, vor allem aber viel Energie, Ausdauer und durchgebrannte Glühlampen später (die inzwischen durch LED Lampen ausgetauscht wurden), steht die Fabriksimulation nicht nur in Ehningen, sondern inzwischen an mehreren IBM Standorten auf der ganzen Welt. In München, den USA, Dubai und Instanbul ist sie zu finden. Auch bei verschiedenen Messen ist sie ein treuer Begleiter. So konnte mit Hilfe der Fabriksimulation die Basis für Diskussionen rund um die Fabrik der Zukunft und die Verknüpfung von Produktion und IT bei kleineren wie größeren Firmen gelegt werden. Mit Hilfe eines Hochregal-Lagers, einer Fertigungsstraße und einem Sortierer verknüpft über die IBM Cloud wird diese Beispielfabrik Industrie 4.0 ready gemacht – Chancen werden aufgezeigt und Möglichkeiten können anschaulich diskutiert werden.

Dabei wird es zu weitaus mehr, als einem Spielzeug, da immer wieder festgestellt wird, wie unterschiedlich der Begriff Industrie 4.0 verstanden und interpretiert wird. Umso wichtiger ist es, in einem Unternehmen auf allen Ebenen genau dieses gemeinsame Verständnis zu schaffen. Nicht nur um Ängsten durch unbekannte Technologietrends vorzubeugen, sondern vor allem auch um die Mitarbeiter proaktiv mit einzubeziehen und ihnen die Chance zu geben sich mit einzubringen. Somit ist die Fabriksimulation nicht nur ein toller Demonstrator für Auszubildende oder interne Schulungen, sondern gehört vielmehr in den Eingangsbereich jedes Produktionsbetriebs.

Ebenso ist es ein tolles Beispiel für neu entstehende Arten der Zusammenarbeit – von klassischen mittelständischen Industrieunternehmen, wie Fischer mit einem Global Player aus der IT Branche, wie IBM.  Ein zugegebenermaßen ungleiches Paar, welches sich aber an Innovation in nichts nach steht. Und genau darum geht es hier, wenn die fischertechnik Fabrik-Simulation mit Hilfe der IBM Cloud zum Leben erwacht – die Kombination aus dem Besten von beiden Partnern – der Zusammenschluss von Industrie & IT, kurzum Industrie 4.0.

 

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