Zukunft Industrien

Disruption findet zurück zu ihren Wurzeln

Volkswagen tut es und der dänische Logistiker Mærsk auch – sie bündeln in ihren Unternehmen disruptive Kräfte, um Innovationen voranzutreiben. Die Disruption, also der Ansatz, über digitale Technologien in neue Geschäftszweige oder Märkte „einzubrechen“, galt bisher als Erfolgskonzept von Start-ups: Unternehmen wie Uber, Airbnb oder Tesla haben vorgemacht, wie die digitale Disruption funktioniert. Aber Disruption ist keine Erfindung der digitalen Zeit, es gab sie schon immer. Einst war es eine disruptive Idee, einen Motor in eine Pferdekutsche einzubauen – das erste Auto wurde mit Argwohn betrachtet. Auch war es disruptiv, Container zu entwickeln, die sich als Ganzes von Lastwagen auf Schiffe verladen lassen: Als der US-amerikanische Spediteur Malcom McLean 1956 den Container erfand, um Schiffe schneller zu be- und entladen, wurde er belächelt.

Disruptiv mit Cloud, KI und Blockchain

Auch digitale Disruptoren werden manchmal noch kritisch beäugt oder belächelt, wobei einigen schon das Lachen im Halse stecken blieb – wie Kodak, Brockhaus oder der kompletten Musikindustrie. Bisher waren es meist Start-ups, die den Schwung der Digitalisierung für Innovationen nutzten. Doch die Alten – besser gesagt Etablierten – gewinnen an Terrain zurück. Die Disruption findet zurück zu ihren Wurzeln: So entwickelt VW eine KI-basierte (künstliche Intelligenz) Plattform für personalisierte Mobilitätdienste. Egal ob ein Fahrer eine Werkstatt, Tankstelle oder ein Restaurant sucht, die cloudbasierte Plattform steht ihm mit Rat und Tat zur Seite. Das dänische Logistikunternehmen Mærsk plant eine Cloud-Plattform für den weltweiten Schifffahrtshandel, die auf Blockchain-Technologie basiert. Mit ihr lassen sich Millionen von Containern in Echtzeit verfolgen und managen – nicht nur die eigenen, sondern auch jene von Partnern.

IBM Studie zeigt die Disruption von etablierten Unternehmen

VW und Mærsk sind nicht alleine, wenn es darum geht, sich mit einer digitalen Disruption neue Geschäftsfelder zu erschließen. Die IBM C-Suite-Studie „Incumbents Strike Back“, für die weltweit 13.000 Führungskräfte zum Thema Disruption befragt wurden, hat ergeben: Fast drei Viertel der Befragten sind sich sicher, dass in ihren Branchen derzeit eher die etablierten Unternehmen für eine Disruption sorgen, und nicht Start-ups. Nur ein Viertel der Befragten erwartet mehr Wettbewerb aus anderen Branchen als aus der eigenen – innerhalb von zwei Jahren hat sich diese Zahl halbiert. Ein genauer Blick in die Studie verrät, dass 27 Prozent der befragten Unternehmen zu den „Reinventoren“ gehören. Also Unternehmen, die sich stetig weiterentwickeln und sich immer wieder neu erfinden. Die IT-Strategie der Reinventoren stimmt mit ihrer Geschäftsstrategie überein und sie haben ihre Geschäftsprozesse optimiert. Zudem verfügen sie über eine klare Disruptions-Strategie. Aber was ist passiert? Wie haben es etablierte Unternehmen geschafft, neue Disruptoren zu werden?

Aktuell fühlen sich die in der IBM C-Suite Studie befragten Führungskräfte noch relativ sicher beim Thema Disruption.

Auf vorhandenes Wissen aufbauen

Die IBM Studie gibt darauf eine Antwort: 57 Prozent der Unternehmen, die eine Strategie für Disruption verfolgen, setzen auf eine Innovationsplattform, um ihr Geschäftsmodell umzusetzen. Während VW und Mærsk ihre disruptiven Ideen über die Cloud-Plattform von IBM verwirklichen, entwickeln andere Unternehmen eigene Plattformen. Egal ob mit einem Partner oder in Eigenregie, dank einer solchen Plattform können Unternehmen die direkte Interaktion zwischen Kunden und Produzenten orchestrieren und neue Daten und Erkenntnisse sammeln. Dadurch dominieren sie nicht nur ihre eigenen Marktsegmente, sondern können sich weitere erschließen. Die etablierten Unternehmen nutzen den Vorteil, dass sie über ein enormes Wissen verfügen, auf das junge Unternehmen keinen Zugriff haben: Nur 20 Prozent der weltweit generierten Daten sind öffentlich. Die übrigen 80 Prozent sind nicht frei zugängliche Unternehmensdaten. Und gerade die Reinventoren nutzen digitale Werkzeuge rund um KI, Blockchain und Cloud, um diese Daten nutzbar zu machen.

Offene Kulturen pflegen

Die IBM Studie lässt den Schluss zu: Etablierte Unternehmen halten ihre Marktposition, wachsen langfristig und sind disruptiv, wenn sie ihr Wissen effizient nutzen. Sich immer wieder neu erfinden, muss das übergeordnete Ziel sein. Wer sich als Reinventor positioniert, schafft das Fundament für ein lernendes Unternehmen. Wie diese Kultur des Lernens derzeit VW und Mærsk beleben, zeigen die Einsätze von Technologien rund um KI und Blockchain. Wer sich der Disruption stellt, der geht weit über vorhandenes Fachwissen und klassische Weiterbildung hinaus: Es geht darum, eine offene Kultur im Rahmen einer agilen Organisation zu pflegen. Ein Konzept, bei dem Alt und Jung voneinander lernen können – zum Wohl für alle.

Die vollständige Studie des IBM Institute for Business Value finden Sie unter ibm.com/csuitestudy. Der Autor Stefan Lutz hat sich auf dem IBM THINK Blog auch bereits mit dem Thema „Wirtschaftsstandort Deutschland“ beschäftigt.

 

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