Moderne Arbeitswelten

Weltfrauentag: Mehr Unterstützung für Frauen in „männlichen“ Berufen und in Führungspositionen

Zum Weltfrauentag am 8. März wird weltweit nach einem Fortschritt in der Gender Equality Debatte aufgerufe, unter dem Hashtag #pressforprogress. Warum dies nach wie vor von Nöten ist? Der The World Economic Forum’s 2017 Global Gender Gap Report zeigt eine anhaltende Vergrößerung des Gender Gaps, aller Initiativen und Publikationen zum Trotz. Laut dieses Berichts ist eines der wesentlichen Hemmnisse für Berufstätigkeit bei Frauen weltweit die ungleich verteilte Verantwortlichkeit für die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen. Dass dies auch in Deutschland zutrifft, zeigt das Gutachten für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2017. Die Sachverständigenkommission hat mit der Veröffentlichung eine neue Kennzahl entwickelt: den Gender Care Gap. Dieser geht noch einen Schritt weiter und deckt die unbezahlte Tätigkeit von Frauen in allen Bereichen ab: Kindererziehung, Pflege, Ehrenamt und Hausarbeit. Hierbei leisten Frauen in Deutschland täglich 52 Prozent mehr als Männer. Und haben dementsprechend weniger Zeit für bezahlte Tätigkeiten, was zu bedeutenden Einbußen im Hinblick auf ihr Einkommen und ihre Karriere führt.

Warum sind eigentlich alle Feuerwehrmänner männlich?

Diese Nachteile für Frauen sind darin begründet, dass insbesondere in Deutschland immer noch die traditionelle Rollenverteilung vorherrscht. Aber warum gibt es nach wie vor diese starken Stereotypen? Im Rahmen des WEF 2018 wurden in einem Artikel die geschlechterspezifische Sozialisierung von Grundschulkindern thematisiert. Für den Film Redraw the Balance wurde eine Gruppe von Achtjährigen gebeten, Chirurgen, Feuerwehrkräfte und Piloten zu zeichnen (im Englischen kann man diese Berufe  genderneutral benennen). 92% der Kinder malten männliche Figuren. Weitere Studien ergaben folgende Ergebnisse:

  • Die geschlechterspezifische Sozialisierung erfolgt bereits im Kindesalter und ist weltweit nachweisbar
  • Berufswünsche festigen sich bei Kindern etwa mit sieben Jahren und ändern sich dann bis zum 18. Geburtstag kaum
  • Die Berufswünsche der Kinder decken sich nicht mit dem Bedarf am Arbeitsmarkt
  • An den Schulen gibt es kaum Besuche von Vorbildern aus der Arbeitswelt

Um also Einfluss auf die klassische Rollenverteilung zu nehmen, brauchen wir mehr Vorbilder, die diese Muster aufbrechen. So wurde beispielsweise das World Economic Forum in diesem Jahr erstmals medienwirksam von einer Riege erfolgreicher Frauen angeführt, darunter auch IBM CEO Ginni Rometty. Und sie ist nicht die einzige Frau in der oberen Führungsetage bei IBM. Viele IBM Managerinnen engagieren sich unternehmensintern sowie in der Öffentlichkeit, um erfolgreiche Frauen in der IT-Branche für den weiblichen Nachwuchs sichtbar zu machen.

Weibliche IBM Führungskräfte engagieren sich auch für Mädchen, die in der IT arbeiten wollen

Weltfrauentag: Frauen in Führungsrollen brauchen Flexibilität

Doch insgesamt braucht die Wirtschaft noch mehr Frauen in Führungsrollen und Männer, die sich mehr in der Familienarbeit engagieren. Aber wir brauchen auch Veränderungen in der Arbeitswelt, die es Männern wie Frauen gleichermaßen ermöglichen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Mehr Arbeitsflexibilität, sowohl zeitlich als auch räumlich, Jobsharing-Modelle, Führung in Teilzeit, reibungslose Fortsetzung eines Karriereweges auch nach einer Auszeit – all dies und sicherlich noch viele weitere Ansätze sind wichtig, um die traditionelle Verteilung von beruflichen wie privaten Aufgaben zu verändern und weiterzuentwickeln. Auch bei IBM realisieren wir unterschiedliche Arbeitszeitmodelle, allen voran die persönliche Zeitsouveränität, die unseren Mitarbeitenden viel Spielraum bei der individuellen Gestaltung der wöchentlichen Arbeitszeit ermöglicht.

Um die gewünschten Veränderungen weiter umzusetzen, ist auch ein Wandel der Führungskultur erforderlich. Dies sind IBM, Bosch und das Bundesverteidigungsministerium im Rahmen der Initiative Chefsache durch die dreiteilige Workshopreihe „Führen im Wandel“ angegangen. Darin diskutierten weibliche und männnliche Führungskräften gute Ansätze, aber auch Herausforderungen für mehr Geschlechtergerechtigkeit und die dafür notwendigen Entwicklungen. Die herausgearbeiteten Handlungsfelder werden nun in weiteren Projekten adressiert.

Die anhaltende Diskussion um Gender Equality zeigt, dass es Politik und Wirtschaft wichtig ist, dieses Thema nicht aus den Augen zu verlieren, sondern mit vereinten Kräften weiter daran zu arbeiten. Dabei ist es aus meiner Perspektive besonders wünschenswert, nicht immer die Frauen im Fokus zu haben, sondern Veränderungen für alle herbeizuführen. Dabei gilt es auch, die Mitwirkung von Männern an den Initiativen zu steigern – damit im Ergebnis wir alle davon profitieren.

Einen Artikel zu Mädchen in MINT-Fächern oder zu Frauen in der IT können Sie ebenfalls auf dem IBM THINK Blog lesen.

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