Moderne Arbeitswelten

Digital Leadership braucht Haltung. Aber welche?

Zunächst basiert Digital Leadership auf der Haltung, das Unsichtbare – die Unternehmens- und Führungskultur – gestaltbar zu machen und hierdurch Höchstleistung mit Menschlichkeit in Einklang zu bringen. Das hatten wir bereits im letzten Post dieser Serie angeführt. Aber: Was ist Haltung?

Haltung ist das, was sich jetzt – in dieser Sekunde – ausdrückt.

Denn sie bildet sich aus unserer Motivation, unseren Werten und Wertesystemen, unseren Erfahrungen, Glaubenssätzen, Einstellungen. All das macht unsere Haltung aus, all das IST Haltung und beeinflusst bzw. bestimmt, was wir denken, fühlen, wahrnehmen und wie wir handeln und wirken.

Haltung macht uns aus, ob als Mensch oder Führender. Und sie ist immer da. Nur vielleicht nicht immer die passende.

Haltung ist – wie unser Leben – lebendig. Unfassbar vielfältig, mannigfaltig, komplex, kurios und eben jederzeit veränderbar. Jederzeit! Jeden Tag, jede Stunde, ja – manchmal sogar durch einen Impuls in einer Sekunde, können wir uns neu ausrichten.

Haltung bringt Orientierung

Unsere Welt verändert sich – sie wird globaler, transparenter, schneller, komplexer – und wir suchen in diesem digitalen Zeitalter Orientierung. Haltung gibt uns diese Orientierung.

Allerdings benötigen wir eine neue Haltung. Wir benötigen eine Haltung, die uns die neuen Themen, Probleme und Herausforderungen bewältigen lässt. Die sich den stetig verändernden Gegebenheiten anpasst. PASSUNG ist hier wieder einmal das richtige Stichwort.

Ich möchte hier an das Zitat von Albert Einstein erinnern:

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

(Albert Einstein)

Nun ist es nicht einfach so, dass wir Haltung kaufen können, oder einen Schalter im Kopf umlegen und schwupps ist sie da. Es reicht auch nicht x Seminare und Vorträge zu besuchen oder einfach weiterzumachen wie bisher und abzuwarten. Frei nach dem Motto: Es wird sich schon finden. Hat noch immer geklappt.

Es geht vielmehr darum, Verantwortung zu übernehmen und uns auf den Weg zu uns selbst zu machen, zu den Parametern, die uns und unsere Mitarbeiter bewegen, die als stärkste Triebkräfte in uns wirken. Wie können wir diese so gestalten, dass sie uns nach ganz vorn bringen? Egal, wo vorne für Sie ist.

Reise zu sich selbst

Wir müssen Antworten finden, auf die zum großen Teil (aus Angst) noch nicht gestellten Fragen. Stellen Sie sich der Aufgabe und machen Sie sich auf Ihre Reise zu sich selbst, mit dem Ziel den einen oder anderen Parameter Ihrer Haltung in neuem Licht, aus neuer Perspektive zu betrachten, in Frage zu stellen, und ggf. sogar zu verändern.

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“

(Zitat von Henry Ford)

Und dabei geht es uns hier um die Entwicklung unserer Führungskompetenz (nicht Fachkompetenz).

Das Eisberg Modell (nach Sigmund Freud) bringt die Komplexität unseres menschlichen Systems auf den Punkt und gibt uns zunächst einen guten Überblick zum Thema Haltung.

Haltung dargestellt mit Hilfe des Eisberg-Modells in Anlehnung an Sigmund Freud.

Nur das, was sich oberhalb der Wasseroberfläche zeigt, ist sichtbar, läuft bewusst ab, macht aber eben nur 10% von uns aus. Der Rest – also 90% – ist unsichtbar und unbewusst. Und genau hier liegen all die Parameter, die unsere Haltung ausmachen und verhaltens- und leistungswirksam werden und deren Wirkung damit sichtbar wird.

Denn: Unter der Wasseroberfläche liegen unsere Werte, Motive, Erfahrungen, Glaubenssätze, Einstellungen und Bedürfnisse. Also das, was uns ausmacht; wer wir sind; warum wir denken, was wir denken; warum wir handeln, wie wir handeln. Nur wird uns das meist nicht bewusst.

Analogie zum Betriebssystem

In IT-Unternehmen spreche ich auch gern von der Betriebssystemebene. Auch das Konzept von hyper-konvergenter Infrastruktur unterliegt der gleichen Gesetzmäßigkeit. IT-Management-Software erledigt alles von selbst, der Mensch braucht nicht mehr einzugreifen oder Routinejobs anstoßen oder monitoren. Es ist ein Closed-Shop, eine Blackbox, die keiner mehr umfassend versteht – so komplex ist das Ganze geworden. Entsprechend greifen wir nur noch ein, wenn sich selbst managende (Software-) Monitoring-Systeme Fehlermeldungen oder Hacker-Bedrohungen o.ä. an die Wasseroberfläche bringen. Der Rest läuft von selbst. Und bei IT darf und soll das auch so sein.

Bei uns Menschen jedoch, komplexes System hin oder her, heißt es dennoch, sich der Verantwortung zu stellen und sich auf die Reise unter die Wasseroberfläche zu machen, um der Ursache unseres Denkens und Handelns auf die Schliche zu kommen und unser Potential zu entfalten. „Werde, der Du bist.“ (Pindar) – dieses Zitat drückt aus, dass mehr in uns steckt, das entdeckt und entwickelt werden will, als wir in diesem Moment  wissen oder für möglich halten. Oder um es mit dem Titel eines Bestsellers von Precht zu benennen: „Wer bin ich und wenn ja, wieviele“.

Ich höre häufig, „der Druck hier im Unternehmen ist der Wahnsinn, ich fühle mich wie im Hamsterrad, jede Menge Aktionismus ohne sinnvollen Output und so weiter“. Ganz von der Potentialverschwendung für das Unternehmen abgesehen, ist es eine schmerzhafte Erfahrung für jeden von uns, der sich so fühlt und so denkt. Schließlich verkaufen wir hier unsere Lebenszeit für etwas, dass uns nicht nur sinnlos erscheint, sondern sogar krank macht.

Unter die Oberfläche tauchen

Wie kann ich mich also einem sinnvollen, befriedigenden, erfüllenden Arbeitsleben widmen, um langfristig gesund, glücklich und zufrieden zu sein? Oder anders ausgedrückt: Wie führe ich ein gutes Leben? Wie ermögliche ich dieses meinen Mitarbeitern und wie führe ich hier Menschlichkeit mit Höchstleistung zusammen?

Die Antwort lautet: Indem ich mein Interesse auf das lenke, was unterhalb der Wasseroberfläche passiert.

Doch wie geht das?

Die wesentliche Ebene – die Werteebene – haben Sie bereits kennengelernt. Wenn Sie wissen, welche Werte Ihnen wichtig sind, wie Sie die Welt betrachten und welche Denkmodelle Ihnen zu Grunde liegen,  dann haben Sie bereits einen großen Schritt getan.

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