Zukunft Industrien

Mit Blockchain Lebensmittel sicherer machen – und Leben retten

Millionen mit einem Insektizid belastete Eier kamen Anfang August 2017 in Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen europäischen Ländern in den Handel. Kein Jahr vergeht, ohne dass besorgniserregende Vorfälle in der Produktion und im Verkauf von Nahrungsmitteln bekannt werden. Mit Blockchain-Lieferketten würden viele dieser Ereignisse gar nicht erst stattfinden oder wesentlich leichter wieder unter Kontrolle gebracht werden können.

Das wäre ein immenser Fortschritt – für die Verbraucher und auch für die Branche. Viele Deutsche werden sich auch noch an die EHEC-Katastrophe von 2011 erinnern: Wochenlang beherrschten neue Infektionen mit dem lebensbedrohlichen Bakterium und damit zusammenhängende Todesfälle die Nachrichten. Fast 4.000 Menschen erkrankten, über 50 starben.

Verschiedene Hypothesen über die Infektionsquelle wurden aufgestellt und wieder verworfen. Durch die Verunsicherung der Konsumenten entstand erheblicher Schaden für die deutschen Landwirte. Am Ende stand fest: Verseuchte Bockshornklee-Sprossen waren aus Ägypten nach Bienenbüttel gelangt – und von dort in den Salat deutscher Konsumenten.

Vielen der Verbraucher mitten in Europa wird die weltweite Dimension des Problems nicht bewusst sein: Mangelnde Lebensmittelsicherheit ist eine globale Gefahr. Laut Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich über 400.000 Menschen durch den Verzehr verunreinigter oder verdorbener Lebensmittel. Einer von zehn Menschen weltweit erkrankt deswegen – das sind 750 Millionen Betroffene.

Hinzu kommt: Lebensmittelsicherheit ist kein Problem, das einfach gelöst werden kann. Die oben genannten Beispiele zeigen, dass Behörden, die betroffenen Produzenten und Händler oft Tage, wenn nicht gar Wochen brauchen, um die Ursache einer Verunreinigung ausfindig zu machen. In dieser Zeit können weitere Menschen erkranken. Für Unternehmen bedeutet dies zudem geringeren Umsätze und viele Lebensmittel, die sie „auf Verdacht“ wegwerfen müssen, auch wenn sie vielleicht gar nicht verunreinigt sind.

Intransparente, ineffiziente Lieferketten machen Lebensmittel unsicher

Lebensmittelsicherheit kann also gar nicht ernst genug genommen werden. Ein Hemmnis bei der Verbesserung der Lebensmittelsicherheit waren jedoch die über Jahrzehnte nahezu unverändert problemanfälligen, ineffizienten und intransparenten Lieferketten.

In traditionellen Supply Chains – nicht nur in der Lebensmittelindustrie, sondern quer über alle Branchen – werden Informationen über Waren und Transaktionen oft noch auf Papier oder mit Bürosoftware wie Excel-Tabellen dokumentiert und per Email ausgetauscht. So entstehen an unterschiedlichen Punkten der Lieferkette potenziell unterschiedliche Versionen der Daten.

Blockchain

Mit einer Blockchain-basierten Lieferkette lässt sich die genaue Herkunft von Lebensmitteln schnell und transparent zurückverfolgen

Solche Fehler zu bemerken, erfordert hohe Wachsamkeit. Sie zu korrigieren, kostet Zeit und Geld. Das ist mit einer Blockchain-basierten Lieferkette nicht mehr nötig. Denn mit Blockchain arbeiten alle Beteiligten mit demselben vertrauenswürdigen und stets für alle Beteiligten aktuellen Datensatz. Jede Transaktion, jede Veränderung ist in Echtzeit nachvollziehbar – aber genauso gut nach langer Zeit, denn die Dokumentation ist unveränderlich. Zusätzlich ist jede Information von allen Teilnehmern der Blockchain geprüft und freigegeben. So entsteht eine sogenannte „single version of truth“, eine einheitliche Version dessen, was als korrekt betrachtet wird.

Blockchain bietet allen Beteiligten einen sicheren Einblick in die Transaktionen. Der Zugang zu Detailinformationen ist jedoch genau geregelt – Stichwort: „permissioned“. Jeder Partner hat die Erlaubnis, auf bestimmte Informationen zuzugreifen – auf die, die er braucht.

In der Lebensmittelindustrie würde ein Netzwerk auf Blockchain-Basis zum Beispiel die Herkunft der Pommes Frites eines Schnellrestaurants transparent und nachvollziehbar machen: vom Kartoffelbauern über alle Stationen des Handels, der Logistik und der Pommes-Produktion bis zum Verkauf an die Restaurantkette und die Lieferung an die Filiale.

Wenn irgendwo in dieser Kette Lebensmittel verunreinigt wurden – sei es aus Versehen oder aufgrund krimineller Energie – lässt sich mit Blockchain in Sekunden nachvollziehen, welche Produkte betroffen sind. Denn mit Blockchain wird digitales Tracking entlang jedes einzelnen Gliedes der Lieferkette praktikabel: Digitale Produktinformation wie Herkunftsbetrieb, Chargennummer, Verarbeitungsdaten, Ablaufdaten und Lieferungsdetails wie die Einhaltung der Kühlkette  – sie alle sind in der Blockchain gespeichert. So kann Blockchain eine ganz neue Dimension von Transparenz und Vertrauen schaffen – und damit die Grundvoraussetzungen für höhere Lebensmittelsicherheit.

Blockchain-Kooperation von IBM mit den größten Playern der Lebensmittelindustrie

Wenn man sich die Komplexität und die Vielzahl der unterschiedlichen Parteien in der Lebensmittel-Supply Chain ansieht, wird klar: Lebensmittelsicherheit kann kein Unternehmen allein angehen. Hier ist branchenübergreifende Zusammenarbeit gefragt.  Gerade hat IBM eine Kooperation mit einigen der größten Player der Lebensmittelindustrie gestartet: Dole, Driscoll’s, Golden State Foods, Kroger, McCormick and Company, McLane Company, Nestlé, Tyson Foods, Unilever und Walmart. Gemeinsam untersucht das Konsortium neue Einsatzfelder für Blockchain in der weltweiten Lieferkette für Lebensmittel.

Das übergreifende Ziel der IBM-Kooperation mit den Lebensmittelkonzernen ist es, das Vertrauen der Verbraucher in das weltweite Lebensmittelsystem zu stärken. Blockchain-Lieferketten fördern dieses Vertrauen, weil sie Händlern, Lieferanten, der verarbeitenden Industrie und den Landwirten, aber gegebenenfalls auch Behörden und Verbrauchern ermöglichen können, Informationen über Herkunft und Zustand eines Nahrungsmittels abzurufen. Verschiedene IBM-Pilotprojekte mit Walmart in den USA und in China sind dieser umfassenden Blockchain-Kooperation vorausgegangen. Die Projekte haben bereits gezeigt, wie effizient die Nachverfolgbarkeit von Lebensmitteln durch Blockchain verbessert werden kann.

Blockchain-Plattform jetzt über IBM Cloud verfügbar

Nicht nur in der Lebensmittelindustrie ist Blockchain Thema, immer mehr Bereiche wollen damit Geschäftsprozesse verändern und Transaktionen vereinfachen. Die Technologie ist bereit: Um den produktiven Einsatz von Blockchain in Unternehmen noch weiter voranzutreiben, macht IBM die erste umfassend integrierte Blockchain-Plattform über die IBM Cloud zugänglich und stellt unterstützende Beratungsservices bereit. Die IBM Blockchain Platform erleichtert alle Schritte beim Aufbau eines Blockchain-Netzwerkes: Damit können Organisationen gemeinsam mit ihren Partnern eigene Geschäftsnetzwerke sehr schnell in Betrieb nehmen.

Blockchain kann Leben retten

Um zum Beispiel des EHEC-Skandals von 2011 zurückzukommen: Die Suche nach der Quelle der Verunreinigung wäre mit Blockchain-Lieferketten einfacher gewesen. Die zuständigen Behörden werteten damals laut  Bundesinstitut für Risikobewertung die verfügbaren Lieferlisten und Daten zu Vertriebswegen von Lebensmitteln aus. Mit durchgängigen Blockchain-Lieferketten wären – die entsprechende Zugangsberechtigung vorausgesetzt –  diese Lieferlisten und Vertriebswege transparenter gewesen und die Ursache hätte schneller ermittelt werden können. Dadurch hätten wohl Erkrankungen vermieden werden können.

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