Innovation

Wetterdaten sind Big Business – der unterschätzte Einfluss des Wetters auf Unternehmen

Wetter ist einer der größten externen Einflussfaktoren auf das Geschäftsergebnis von Unternehmen, darüber haben wir bereits an dieser Stelle berichtet. Das Wetter beeinflusst fast alle Bereiche der Wirtschaft – egal ob Handel oder Landwirtschaft, Transport und Logistik, Tourismus, Versicherungen oder Energie. Allein in den USA schätzt man die wirtschaftlichen Auswirkungen von Wetter auf fast eine halbe Billion US-Dollar im Jahr. Und dennoch wird das Phänomen Wetter heute oft nur reaktiv in Geschäftsentscheidungen einbezogen.

Mit dem wachsenden Einsatz smarter Sensorik zur präziseren Modellierung von Wettermodellen, intelligenter Analyseverfahren, punktgenauen Wetterprognosen und der zunehmenden Verbreitung mobiler Geräte und Smartphones ergeben sich neue Optionen für die Unternehmensplanung. Insbesondere, wenn man Wetterdaten mit Unternehmensdaten, externen Datenquellen und kognitiven Werkzeugen verknüpft.

Weather Company = Wetterdaten + IoT-Plattform

Hier kommt The Weather Company ins Spiel. Der weltweit größte private Wetterdienstleister sammelt und analysiert für seine präzisen Wettervorhersagen Daten von täglich rund 50‘000 Flügen, mehr als 250.000 persönlichen Wetterstationen und Millionen von Smartphones. Mithilfe der Weather Company können Kunden, auf Basis möglichst präziser Wetterdaten bessere Entscheidungen treffen beziehungsweise schneller auf Wetterphänomene reagieren. Das Unternehmen liefert Millionen von Verbrauchern und Tausenden von Unternehmen personalisierte Wetterdaten via Weather API’s, seine Business Solutions Division, sowie die digitalen Produkte von The Weather Channel und Weather Underground.

The Weather Company produziert für rund 2,2 Milliarden Standorte weltweit alle 15 Minuten lokale Vorhersagen. Dazu gehört eine Wetter-App, die weltweit über alle großen mobilen Plattformen heruntergeladen werden kann. Sie ist die themenübergreifend am vierthäufigsten genutzte mobile App in den USA und weltweit die am häufigsten genutzte Wetter-App. Die Daten der Weather Company werden von allen führenden Anbietern wie Apple, Facebook, Google, Twitter etc. übernommen. Mehr als 225 Millionen Nutzer weltweit greifen auf die Consumer Plattform zu.

4.000 Wetterstationen in Österreich

Neben eigenen Daten analysieren die komplexen Modelle von The Weather Company jeden Tag mehr als 400 Terabyte an externen Daten. Hierzu gehören zum Beispiel Pollenflug, Satellitenbilder, Verkehr und auch die über 250.000 persönlichen Wetterstationen, die über Weather Underground vernetzt sind. Im Vergleich zu Google, die täglich 9 Milliarden Abfragen verarbeiten, sind es bei The Weather Company 29 Milliarden.

Allein in Österreich fließen Daten aus rund 4.000 Sensoren von persönlichen Wetterstationen in die Analyse ein, das ist ein Vielfaches im Vergleich zu 131 öffentlichen Wetterstationen. In der Schweiz sind es bereits 9.500 persönliche Wetterstationen und lediglich 85 öffentliche. Die größte Spanne ist allerdings in Deutschland ersichtlich, hier werden über 25.000 persönliche Wetterstationen genutzt, im Vergleich zu den 240 öffentlichen Wetterstationen. Die Daten der „Crowd“ stehen allen Nutzern zur Verfügung und schaffen ein besonders genaues Vorhersagemodell für einen Raster von 500 Metern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wetterdaten

Wolken spielen nicht nur für Flugzeuge eine Rolle – auch die Wetterdaten-Plattform läuft in der IBM Cloud

„Weather means business“

Mit der Übernahme von The Weather Company im Vorjahr hat IBM nicht nur einen riesigen Schatz an Wetterdaten, sondern gleichzeitig eine umfassende Internet-of-Things-Plattform übernommen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, über 3.500 B2B-Kunden in 70 Ländern nutzen weltweit die Services der Weather Company: Versicherungen in den USA zahlen jährlich über eine Milliarde Dollar für Hagelschäden an Autos. Durch rechtzeitige Warnungen bei aufkommenden Hagelstürmen, etwa in Form von Textnachrichten, könnten durchschnittlich bis zu 25 Dollar je Versichertem eingespart werden.

Fluglinien können durch die Analyse von Echtzeit- und historischen Daten Einsparungen erzielen, indem sie den Treibstoffverbrauch optimieren, Flugverspätungen und Überlastung an Flughäfen reduzieren. Zudem können sie die Sicherheit für ihre Passagiere bei Turbulenzen erhöhen.

Ein aktuelles Beispiel, welches gerade auf der Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vorgestellt wurde, ist die neue Kooperation mit der US-University Corporation for Atmospheric Research (UCAR) und dem US-Nationalen Zentrum für atmosphärische Forschung (NCAR), einem föderal geförderten US-Forschungs- und Entwicklungszentrum rund um die Atmosphäre und die Geo-Systeme der Erde. Die neue Allianz entwickelt modernste Modelle, die auf IBM Supercomputing-Technologie der nächsten Generation laufen werden, indem sie das meteorologische Wissen von The Weather Company, Hochleistungs-Computing-Know-how von IBM Research, OpenPOWER-basierte Supercomputing-Systeme und das NCAR-Community-Wettermodell zusammenführt.

Diese Anstrengungen werden auch von aktueller Wissenschaft und Technologie profitieren, um das erste sich schnell aktualisierende Sturm-Prognosemodell zu schaffen, das Wetterereignisse auch auf lokaler Ebene künftig besser vorhersagen soll. Während die heute eingesetzten globalen Prognosemodelle auf regionaler Ebene Ereignisse wie Schneestürme und Hurrikane vorhersagen, ist die Prognose von lokalen Gewittern bisher eine Herausforderung.

Das neue Modell deckt das gesamte Erdsystem ab und liefert Prognosen für Gebiete der Welt, die bisher von bestehenden Wettermodellen unterversorgt wurden. Dieses neue Wettermodell kann die aktuellen Grenzen des Möglichen verschieben und gibt einen Einblick in die Zukunft der meteorologischen Wissenschaft.

Wachstum in der IBM Cloud

Durch die Migration der Wetterdaten-Plattform in die IBM Cloud kann das Wachstum dieser Cloud-basierten Applikationen zusätzlich beschleunigt werden. Kunden können damit zudem noch einfacher Wetterdaten in ihre eigenen IT-Ökosysteme einfließen lassen, mit ihren Unternehmensdaten kombinieren und für Entscheidungen nutzen. Experten aus der IBM Beratungssparte unterstützen Kunden dabei, Anwendungsszenarien zu erarbeiten, entsprechende Analytics-Lösungen zu realisieren und in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren. Darüber hinaus stellt IBM über Bluemix, ihre Cloud-Application-Development-Plattform, Tools für Entwickler bereit, mit deren Hilfe sie auf Wetterdaten und vorgefertigte Applikationen zugreifen können.

Laut Schätzungen sind rund 80 Prozent der Unternehmen weltweit vom Wetter abhängig oder stark beeinflusst – jedoch nutzen nur wenige dies zu ihrem Vorteil. Wie Sie sehen, der Wettermarkt ist noch lange nicht ausgereizt und das Potenzial der daraus entstehenden Möglichkeiten ist enorm. Also lassen Sie uns nicht länger nur über das Wetter reden, treffen wir auch unsere Entscheidungen für unser Unternehmen danach.

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