Zukunft Industrien

Blockchain: Mehr als eine Frage der Effizienz

Vor zwei Jahren allenfalls IT-Insidern ein Begriff, entwickelt sich das Thema Blockchain aktuell zum Blockbuster mit enormer Sprengkraft. Die Technologie hat das Potenzial, für Transaktionen ähnlich revolutionär zu werden wie das Internet für den Austausch von Informationen. Der Ansatz hinter der Blockchain ist bestechend: Bei einer Blockchain handelt es sich um eine durchgehend digitalisierte Kette von Transaktionen, unterteilt in Blöcke, die nicht verändert oder ausgetauscht werden können. Sämtliche Informationen über einen Vorgang werden dabei dezentral in einem Rechnernetzwerk abgespeichert. Ziel ist es, Wertschöpfungsketten und Geschäftsprozesse schneller, transparenter, direkter und preiswerter zu gestalten.

Blockchain-Studie für den Schweizer Markt

Wie sehen Schweizer Unternehmen das Potenzial von Blockchain? Das wollte IBM wissen und hat eine branchenübergreifende Studie bei großen Unternehmen in der Schweiz durchgeführt. Das Ziel war, herauszufinden, in welcher Phase des Produktlebenszykluses Schweizer Unternehmen die noch junge Technologie sehen und welche Motivation und Herausforderungen mit dem Einsatz der Technologie verbunden werden. Im Rahmen der Studie hat IBM Schweiz mehr als 50 Entscheidungsträger in Unternehmen unterschiedlichster Branchen befragt. Die vollständigen Ergebnisse der Studie sind hier verfügbar: http://ibm.biz/BdiRiK.

Die Ergebnisse zeigen, wie viel Aufmerksamkeit dem Thema schon heute entgegengebracht wird:

  • 1/3 der befragten Unternehmen arbeitet bereits an konkreten Blockchain-Initiativen. Sie evaluieren mögliche Einsatzszenarien, führen Machbarkeitsstudien durch oder nutzen die Technologie aktiv.
  • 1/3 der Befragten interessiert sich für die Technologie.
  • 1/3 der Teilnehmer zeigt kaum oder kein Interesse.

Effizienzsteigerungen stehen im Fokus

Diejenigen Unternehmen, die Blockchain auf ihrer Agenda haben, wollen besser verstehen, was die neue Technologie zu leisten vermag und welches Potenzial in ihr steckt. Jeweils rund zwanzig Prozent interessieren sich dafür, wie sie mit Hilfe der Technologie entweder ihr Betriebsmodell transformieren oder ihre strategische Ausrichtung und ihre Value Proposition, also das Nutzenversprechen, verbessern können. Den größten Vorteil beim Einsatz von Blockchain sehen die Befragten in einer Steigerung der Effizienz – sowohl für ihre eigenen Geschäftsprozesse als auch für die gesamte Wertschöpfungskette.

Think big!

Ein zentraler Erfolgsfaktor für Blockchain-Projekte ist die Präzisierung einer tragfähigen Value Proposition. In Gesprächen im Rahmen der Studie stellte sich heraus, dass Projekte häufig daran scheitern, dass sie zu klein angelegt, auf einzelne Bereiche im eigenen Unternehmen beschränkt oder aus einer zu technischen Sichtweise angegangen werden. Nach ersten Schritten im Teststadium werden diese Projekte oft wieder abgebrochen, weil die angegangenen Problemstellungen auch mit bereits etablierten Technologien lösbar scheinen. Die tatsächlichen Vorteile und das Potenzial von Blockchain kommen erst in einem größeren Kontext zum Tragen: über Unternehmens- oder Branchengrenzen hinaus. Fehlende Skills und Erfahrung von Mitarbeitern, sowie regulatorische Bedenken und Unsicherheiten beurteilen rund 20 Prozent der Befragten zudem als Herausforderung für eine erfolgreiche Implementierung von Blockchain in ihrem Unternehmen.

blockchain

Überraschendes Ergebnis der Blockchain-Studie: Ganz vorne bei der Nutzung von Blockchain sind nicht die Banken, sondern Unternehmen aus dem Distributionssektor.

Eine Frage der Zeit

Noch ist die Investitionsbereitschaft verhalten: Laut der Studie hat der Großteil der befragten Unternehmen 2016 weniger als ein Prozent ihrer Projektbudgets für Blockchain ausgegeben. Ein Zeichen, dass viele Unternehmen noch in der Phase einer frühen Ideenfindung sind. Doch es ist ein Anstieg zu erwarten: Immerhin beabsichtigen im Zeitraum von 2017 bis 2019 schon 39 Prozent der Befragten zwischen ein und drei Prozent ihrer Projektbudgets für Blockchain auszugeben. Das sind mehr als siebenmal so viel wie im vergangenen Jahr (2016: fünf Prozent der Befragten). Selbst wenn der Anteil von Blockchain an den Gesamtprojektbudgets der Unternehmen in den nächsten zwei Jahren noch recht überschaubar zu bleiben scheint, ist also insgesamt mit einem spürbaren Anstieg zu rechnen.

Fast alle befragten Unternehmen gehen davon aus, dass Blockchain Einfluss auf ihr Marktumfeld nehmen wird – unterschiedlich bewertet werden nur Zeitpunkt und Ausmaß. So glauben 22 Prozent, dass die neue Technologie bereits in den nächsten zwei Jahren einen Unterschied für ihr Unternehmen und den Markt, in dem sie tätig sind, machen wird. 69% der befragten Unternehmen erwarten einen spürbaren Einfluss in den nächsten vier Jahren. Eine abwartende Haltung könnte angesichts der großen Dynamik, die wir gegenwärtig beim Thema Blockchain beobachten, schnell zum individuellen Wettbewerbsnachteil werden.

Überraschende Vorreiter

Oft wird das Banken- und Finanzwesen als Blockchain-Vorreiter in der Schweiz wahrgenommen – nicht zuletzt wegen der Präsenz der sogenannten Fintechs sowie des CryptoValleys. Eine Beobachtung, die auch für andere Länder gilt. Hier überraschen die Studienergebnisse: Ganz vorne dabei ist der Distributionssektor (Retail, Consumer Products, Pharma & Life Sciences, Professional & Computer Services, Transportation & Travel), der davon ausgeht, dass Blockchain bereits in den kommenden zwei Jahren zur Differenzierung am Markt beitragen wird. Die Finanzdienstleister erwarten einen wesentliche Einflussnahme durch die Technologie hingegen erst in den Jahren 2019 bis 2025. Ein Grund dafür ist vermutlich das große Potenzial von Blockchain für Effizienzsteigerungen in der Supply Chain für den Distributionssektor. Zudem gibt es in diesem Sektor im Vergleich zum Bank- und Versicherungswesen weniger regulatorische Auflagen.

Offene Standards als Wegbereiter  

Die Gespräche im Rahmen der Studie haben auch gezeigt, dass noch wenig Klarheit über die unterschiedlichen Blockchain-Konzepte herrscht. Das Thema Blockchain wird häufig undifferenziert ausschließlich mit Cryptowährungen assoziiert. Das greift viel zu kurz – die Anwendungsfelder werden gegenwärtig systematisch ausgebaut. Dabei helfen offene Standards, die den Weg bereiten für den Einsatz der Technologie in den Unternehmen. Dazu gehört das Hyperledger Project der Linux Foundation, in welchem IBM eine wichtige Rolle spielt. In diesem Projekt haben sich über 120 Finanz- und Technologieunternehmen sowie Entwickler zusammengeschlossen mit dem Ziel, eine branchenübergreifende Blockchain-Plattform zu entwickeln. Ein wichtiger Schritt. Denn nur mit einheitlichen offenen Standards kann Blockchain zu einer überzeugenden Blockbuster-Technologie werden.

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