Zukunft Industrien

Wie läuft’s mit der Digitalisierung im Mittelstand?

Noch immer wird diskutiert, ob der Mittelstand denn nun in der Digitalisierung angekommen ist oder nicht. An diesem Punkt sind zunächst einmal zwei Dinge wichtig: Der Weg ist – wie so oft im Leben – das Ziel. Nicht der Weg hin zur Digitalisierung, sondern die Digitalisierung als Weg hin zu neuen Kunden und Geschäftsfeldern. Und zweitens: „Deutschland ist digitaler als sein Ruf“ wie das Manager Magazin erst kürzlich in einer eigenen Untersuchung feststellen und 50 Hidden Champions aus der Digitalwirtschaft identifizieren konnte.

Relevanz des Mittelstands in Deutschland

Der Mittelstand ist das Herz der deutschen Wirtschaft und der Motor für Wachstum und Beschäftigung. Daran hat sich auch in Zeiten der Digitalisierung nichts geändert. Für Deutschland prognostiziert das aktuelle KfW-Mittelstandsbarometer für 2016 ein Realwachstum von 1,7 Prozent.

Doch wie meistern Mittelständler, die sich nicht zu den geborenen Digitalunternehmen zählen, die Umbrüche in der Wirtschaft? Maßgeschneiderte Produkte, kleinste Stückzahlen und umgehende Lieferung gehören zunehmend zum Standard – die Industrie 4.0 erhält Einzug in alle Stufen der Wertschöpfung.

Auf dem Weg zu Digitalisierung und Industrie 4.0

Um die vielfältigen Chancen der Digitalisierung für den Mittelstand sicht- und umsetzbar zu machen, hat das BMWi die Förderinitiative “Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse” ins Leben gerufen. Die Initiative unterstützt Mittelstand und Handwerk bei Digitalisierung, Vernetzung und Einführung von Industrie 4.0-Anwendungen. Spezielle Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren informieren Unternehmen über Themen wie Cloud-Computing, Kommunikation, Handel und Prozesse.

Die größte Herausforderung für kleine und mittelständische Unternehmen liegt in der Regel darin, dass sie im Gegensatz zu Großbetrieben meist keine eigene IT-Abteilung haben. Zeit, Geld und Arbeitskraft sind außerdem häufig zu knapp, um externe IT-Dienstleister zu beauftragen oder komplexere Lösungen umzusetzen. Aber genau an dieser Stelle können sich Mittelständler die Digitalisierung zu Nutzen machen.

Chancen der Digitalisierung

Das Erfolgsmodell der Digital-Champions: Sie sind technologisch fortschrittlich aufgestellt, extrem stark in der Nische und haben einen internationalen Fokus, häufig auf B2B. Besonders stark sind heimische Hersteller bei der Vernetzung von Maschinen und im Bereich Software für die Logistik. Grundlegend hierfür sind neben tiefem Branchenwissen der richtige Einsatz von Big-Data-Analyse sowie künstlicher Intelligenz und lernenden Maschinen.

Dabei müssen mittelständische Unternehmen nicht zwangsläufig auf technologische Vorsprünge setzen, um in Zeiten der Digitalisierung erfolgreich zu sein. Sie profitieren vom hohen Fachwissen ihrer Mitarbeiter, von Flexibilität, Kundenorientierung und effizienten internen Prozessen. Und genau an dieser Stelle besteht das wahre Optimierungspotential. Der Einsatz kognitiver Systeme ermöglicht es – nicht nur im Mittelstand – Abläufe zu automatisieren und Daten, die sich bereits im Unternehmen befinden, auszuwerten und nutzbar zu machen.

So können nicht nur Administrations- und Service-Anfragen wie Call Center oder schriftliche Kundenanfragen digitalisiert und automatisiert werden. Die dadurch freiwerdenden Ressourcen können Unternehmer nutzen, um im eigenen Geschäftsfeld noch besser zu werden. Das Potential reicht bis zu miteinander kommunizierenden Maschinen und selbstlernenden Systemen.

Nicht nur digital, sondern selbstlernend

Zukünftig werden die sogenannten kognitiven Systeme eine immer größere Rolle spielen. Vor allem wenn es darum geht, möglichst viele strukturierte und unstrukturierte Daten zu nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen, Prozesse zu optimieren, zu automatisieren oder die Interaktion mit Kunden stärker zu personalisieren.

Ich bin der Auffassung, dass im Zeitalter des Internet of Things lernende Systeme der richtige und wahrscheinlich auch einzige Weg sind, das wirtschaftliche Potenzial dieser Daten nutzbar zu machen.

Schon heute ist klar, dass Unternehmen aller Größen, einschließlich des Mittelstands, überwältigt sind von der Flut an Informationen, von Daten aus ihren eigenen Systemen, die ihrer Kunden und Daten vieler anderer Quellen – angefangen beim Wetter bis hin zum Stadtverkehr.

Kunden wiederum erwarten heute, dass Unternehmen ihre Interessen, Wünsche und Beschwerden schnell erkennen und darauf reagieren. Unternehmen müssen versuchen, die Datenerfassung und -analyse so zu systematisieren, dass sie zuverlässige Geschäftsentscheidungen basierend auf zeitgemäßen Informationen treffen können.

Kognitive Kundenbeziehungen

Wir produzieren jeden Tag über 2,5 Trillionen Bytes an Daten, und 80 Prozent davon sind unstrukturiert. Für herkömmliche Technologien sind sie also unsichtbar. IBM Watson ist ein kognitives System, das in der Lage ist, solche Daten zu verstehen, aus ihnen zu lernen und den Sinn darin zu erkennen. Deshalb nutzen so unterschiedliche Branchen wie das Gesundheitswesen, der Handel, Banken und Tourismus Watson, um ihr Business neu zu gestalten.

Ein kognitives Unternehmen kann wichtige Aspekte der Persönlichkeit und Zusammenhänge seiner Kunden verstehen und dadurch viel individueller auf sie eingehen. Schon heute hilft Watson einer großen Hotelkette, einer Großbank und Stadtverwaltungen, über Standard-Services hinauszudenken. So können kognitive Technologie Kundenbeziehungen vertiefen.

Die Kombination von drei Eigenschaften macht das möglich: Verarbeiten der menschlichen Sprache, Bewerten von Hypothesen und evidenzbasiertes Lernen. Auf Basis relevanter Nachweise ist Watson in der Lage, unterschiedliche Antworten auf eine Frage zu gewichten. Mit jeder Iteration und durch jede Interaktion wird das IBM System klüger. Egal ob es um Fragen der Fertigungsplanung, Produktentwicklung oder Dienstleistung geht – in der kognitiven IT-Welt denkt der Computer mit und steht den Entscheidungsträgern, den Menschen, als Ratgeber zur Seite.

Die Digitalisierung der Energiewende meistern

Einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung hat auch die QUNDIS GmbH gemacht: Das mittelständische Unternehmen aus Erfurt liefert digitale Messsysteme, um den Verbrauch von Wärme und Wasser zu erfassen und auszuwerten. Über die cloudbasierte Plattform Q SMP (QUNDIS Smart Metering Platform) liefert QUNDIS das Verbrauchsdatenmanagement nicht nur serverbasiert vor Ort, sondern auch flexibel über die Cloud. Mehr als 50 Kunden haben sich bereits für die Plattform entschieden – vorrangig Messdienstunternehmen mit ihren Kunden in der Wohnungswirtschaft. Fundament für Q SMP ist die SoftLayer Cloud von IBM in Frankfurt. Mit der Cloud ebnet QUNDIS seinen Kunden den Weg in die digitale Energiewende.

Auch Mieter profitieren von der Cloud: Über mobile Apps können sie Smart-Home-Anwendungen steuern, um etwa den Energieverbrauch zu senken oder die Heizung zu bedienen. Solche mobilen Anwendungen entwickelt QUNDIS zukünftig mit der IBM PaaS-Plattform (Platform as a Service) Bluemix.

Der Mittelstand wird kognitiv

Ziel von IBM ist, mithilfe von Watson sowohl Produktqualität als auch Kundenzufriedenheit und Umsätze zu optimieren. Mittelständischen Unternehmen, die diese Tools nutzen wollen, fehlen allerdings häufig Zeit, Budget oder das Know-how Ihrer Mitarbeiter. Wir reagierten darauf, indem wir das Fachwissen zugänglich machen – für Unternehmen jeder Größe, damit sie ihr Business in ein kognitives verwandeln und auf demselben Spielfeld mit größeren Unternehmen konkurrieren können.

Das beste Beispiel hierfür: die Cloud-Plattform für Entwickler, genannt Bluemix. Dieses Software-as-a-Service-Angebot beinhaltet Watson-Analytics-Anwendungen, mit denen beispielsweise schriftliche Kundenanfragen und Bilder analysiert oder auch Text und natürliche Sprache verarbeitet und eine synthetische Audioausgabe generiert werden können.

Je nachdem, was Watson genau leisten soll, kommt eine Nutzung über die Cloud oder über die eigene IT-Infrastruktur in Frage: Intelligente Such- und kognitive Analysefunktionen in unstrukturierten Daten, zum Beispiel in Texten wie Werkstattberichten oder technischen Dokumentationen, sind als Software verfügbar. Diese Anwendung wird ganz einfach als Software auf den unternehmenseigenen Systemen installiert.

Geht es um fortgeschrittene und an spezielle Kundensituationen angepasste Cognitive-Computing-Technologien – wie trainierte Abfragen und Analysen in natürlicher Sprache in Bezug auf einen individuellen „Text-Körper“ – bietet sich eine Nutzung über die Cloud an. Dies erlaubt eine schnelle Entwicklung und hohe Skalierbarkeit.

Mit diesen Grundbausteinen können sich also bereits kleine Unternehmen mit einem geringen IT-Budget Watson ins Haus holen. Sie müssen je nach Szenario nicht einmal eine eigene IT-Infrastruktur besitzen, um die Potentiale der Digitalisierung optimal zu nutzen.

 

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