Deutscher Handelskongress 2018: Digitalisierung, Online Handel, und wunderbare Mitarbeiter.

Veröffentliche eine Notiz:

Letzte Woche hatte ich das große Vergnügen den Deutschen Handelskongress 2018 in Berlin zu besuchen.

Es gab im Kongress eine Vielzahl wirklich guter Vorträge. Der HDE versteht es, den Handel in seiner gesamten Breite und Themenwelt im Kongress zu respräsentieren. Ich konzentrierte mich natürlich auf das Thema OmniChannel und den Online Handel und deshalb ich hier Schwerpunkte und Bemerkenswertes aus den Vorträgen des ersten Kongresstages zusammengefaßt.

Für mich begann der Handelskongress 2018 bereits am Vorabend. Microsoft hatte zu einem kleinen gelungenen Abend mit zwei Vorträgen eingeladen.
Der Vortrag von Prof. Stephan Rüschen von der DHBW in Heilbronn „Digitalisierung im Handel“ war für mich ein echtes Highlight! Prof. Rüschen sagte es sehr schön zum Beginn: „Was kann ich Ihnen erzählen, was sie nicht schon gehört haben„, um dann die wirklich vielen Aspekte dieses Themas sehr gut darzustellen und auch einen Blick darauf zu finden, der klar und deutlich mit dem Thema umgeht. In seinem Vortrag vermittelte er die Herausforderung des stationären Lebensmitteleinzelhandels mit dem „LongTail“ Sortiment der Online Händler. Während Edeka, Rewe oder Kaufland über ein Sortiment mit ca. 15-20.000 Artikel verfügen, listet Amazon Fresh bereits 120.000 Artikel. Es ist deutlich, daß der Konsument heute individueller handelt und entsprechend angesprochen werden will. Seine Prognose ist, dass der Online Lebensmittelhandel mit einem Anteil von kleinen 1-2% heute auf 10% in den nächsten Jahren wachsen wird. Ein schönes Zitat im Vortrag: „Jede Biene sticht“ womit Prof. Rüschen auf die diversen Nischenanbieter wie Wein-, oder Vegan-, oder Bio-, oder Gewürze- anspricht, die heute schon existieren. Diese Spezialisten nehmen jeder Anteile am Online Lebensmittelhandel und reduzieren bereits heute traditionelle Handelsumsätze. Auch ein Markteintritt aus dem Ausland hält er für eine denkbare Gefahr, dort ist der Online Handel für Lebensmittel bereits etabliert. (Stimmt! Zum Beispiel Sainsbury’s und Waitrose in Großbritannien nutzen dazu IBM Watson Commerce seit Jahren mit sichtbaren Erfolgen und signifikanten Umsätzen).

 

Der erste Kongresstag begann nach der Begrüßung von Herrn Sanktjohanser direkt mit dem Vortrag unseres Bundesminister für Wirtschaft & Energie, Peter Altmeier. Minister Altmeier sprach darüber, dass in einem fairen Markt im Handel auch faire Bedingungen für alle Marktteilnehmer herrschen müssen. Bei Monopol Entwicklungen muß reguliert werden, damit die fairen Marktbedingungen insbesondere für kleine und mittelständischee Händler erhalten bleiben. Ein kurzes Video aus diesem Punkt seiner Rede hier im Link.

Im Anschluß machte Herr Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, in seinem Vortrag für alle Anwesenden nochmals detailierter deutlich, was die Digitalisierung im Handel bedeuten wird. „Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, immer individueller auf Kundenwünsche einzugehen„, sagte er. Aber auch „der Kunde hat die Vorteile des Online Kanals erkannt“ und präsentierte mit Zahlen, wie Amazon den Online Handel in Deutschland bereits zu nahezu zur Hälfte dominiert. Seiner Meinung nach müssen Händler auf die neuste Technologie setzen und zu ihrem Vorteil nutzen. Künstliche Intelligenz  an vielen Stellen und Chatbots waren zwei prominenten Beispiele in seinem Vortrag. Beim Thema Dynamische Preise konnte Herr Genth darstellen, daß es diese Modelle schon immer im Handel gibt und sie deshalb nicht reguliert werden dürfen.

 

Auch der anschließende Vortrag von Lionel Souque, Vorstandvorsitzender der REWE, zeigte diese Herausforderung. Herr Souque erklärte sehr anschaulich, daß TOOM bereits den Druck durch den Online Handel spüren kann. In seinen Worten „Jeder Deutsche vergleicht den Preis der Bohrmaschine jetzt mit Online„. Im LEH ist aus seiner Sicht dieser Druck noch nicht zu spüren. Je nach Warengruppe liegen die Umsatzanteile dort zwischen 10% oder unter 1%. Er sprach darüber, dass die demografische Entwicklung in Deutschland, die steigende Urbanisierung und mehr Single Haushalte neue Lösungen erfordern. Die guten Mitarbeiter sind dabei die Stärke von REWE und die Loyalität mit den Kaufleuten. Mit Frische kann man sich aus seiner Sicht profilieren, „nicht bei Dosen gegen Amazon“.

 

Frau Tina Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung von Douglas, zeigte eindrucksvoll, wie sich ihr Unternehmen modernisiert. Es wird eine komplett neue Bildsprache verwendet, das Firmenlogo wurde reformiert, und eine jüngere Zielgruppe wird direkter angesprochen. Frau Müller zeigte viele Beispiele, wie Umsätze modern und mit Technologie generiert werden. Ich fand das Beispiel von Skinmade – ein Projekt zusammen mit der Frauenhofer Gesellschaft – innovativ und sehr kundenorientiert. Beratung sowie Personaliserung als Elemente und Stärke im Einzelhandel sind hier deutlich zu sehen. Events mit Influencern runden diese moderne Bild ab. 39 Millionen Kundenkarten dienen dem Erlebnis für Kunden, wie Frau Müller sagte.

 

Am Nachmittag hatte ich in der Auswahl von jeweils drei parallelen Strategieforen und Workshops mich für die beiden Themen „Der Schlüssel zum Erfolg – Wie werden Kunden zu Fans?“ und anschließend „Shopper – Shopping – Shop“ entschieden.

Der Eingangsvortrag von EY-Parthenon zum Thema „Wie werden Kunden zu Fans“ zeigte die Ergebnisse des Parthenon Performance Index. Unterschieden wird dabei in sog. „Nischen-Heros“ und „Everybody’s Darling“ wie z.B. Zooplus oder Amazon. Bei den Nischen-Heros fand ich das vom EY-Parthenon gewählte Beispiel von EMP wirklich anschaulich gewählt. 1,3 Millionen Facebook Follower und ein Markenauftritt exakt für die Zielgruppe zeigen es deutlich, wie die Nische als Geschäftsmodell funktioniert. Auch sichtbar im Vortrag wurde, daß ca. 50% der Händler kein klares Profil zu „Nischen-Heros“ oder „Everybody’s Darling“ in den Ergebnissen der Studie zeigen.

Direkt im Anschluß der Vortrag von Picnic als Beispiel wie Kunden zu Fans werden. Ich hatte schon viel in Artikeln über Picnic gelesen und war gespannt auf diese Präsentation. Arthur Oesterle, einer der Gründer, erklärte anschaulich, wie der reine Online LEH durch das Milchmann Prinzip bei Picnic funktioniert.
Die Effizienz in der Logistik sichert offensichtlich das Ziel der Profitabilität. Und die Aktivitäten rund um die Mobile App und der Kundenfokus machen Kunden zu Fans, wie Arthur Oesterle sehr schön mit Beispielen zeigte.

 

Nicht minder beeindruckend der Vortrag von Sebastian Betz, Co-CEO von AboutYou. AboutYou als Online Fashion Retailer bedient eine junge Zielgruppe mit vielen aktiven Elementen zur Personalisierung, wie in der Präsentation wirklich erkennbar wurde. Der Erfolg wird dann final über nur zwei Kennzahlen im Unternehmen gemessen: Life Time Value und Net Promoter Score. Es gutes und kurzes Video zum Vortrag des HDE auf YouTube dazu: https://youtu.be/fbXZXpo8S4E

 

Der zweite Teil des Nachmittags war dann für mich das Thema „Shopper – Shopping – Shop„.

Zum Start in diesem Forum stellte Herr Oliver Schmitz von GFK diverse Fakten zu den Käufern und dem Kaufverhalten in Analysen und Charts anschaulich da. Deutlich wurde auch hier die zunehmende Digitalisierung des Kontakts mit den Kunden. Interessant fand ich die Erläuterungen zur Nutzung des Smartphones: Nicht nur zur mobilen Bestellung, sondern auch im Kaufprozess in der Filiale zeigt sich die intensive Nutzung in den Zahlen der GFK. Voice dagegen erscheint weiter als eine Nische beim Online-Kauf. Durchschnittlich 1% der Käufer ist die Zahl im Vortrag. Allerdings zeigt gerade die junge Zielgruppe unter 19 Jahren – GFK nennt sie iBrains – bereits mit 7% positiver Antwort auf die Frage, ob sie schon einmal etwas mit Voice online gekauft haben, durchaus die mögliche Zukunft.

 

Dann für mich ein weiteres Highlight der nächste Vortrag. Nicht nur, weil er von IBM kommt und auch nicht, weil er faktisch nichts mit dem Online Handel zu tun hat. Sondern weil ich hier das erste und einzige Mal im ganzen Tag eine Anwendung „live“ sehen konnte und nicht mit Video oder Präsentation allein.
Mein Kollege Mark Mauermann erklärte die Business Plattform IBM MetroPulse. Einfach gesagt, bekommt der Anwender im Einzelhandel hier ein Werkzeug – das in dieser Form noch kaum existiert – und das erstmalig ermöglicht, absolut lokal – hyper-lokal – Entscheidungen zu treffen.

Mark Mauermann erklärte, wie MetroPulse die hyper-lokalen Daten von IBM und Drittanbietern wie z.B. die von IBM bereitgestellten Daten zum Wetter und zur Nachbarschaft als auch lokale Veranstaltungen, mit firmen-internen Produkt-, Transaktions- und Standortdaten kombiniert. IBM MetroPulse ist damit ein offenen Ökosystem, was beliebig erweitert und auch Online-Datenquellen einbeziehen kann wie z. B. Twitter oder Foren.

Er zeigte, wie dann Bedarfsmuster und lokale Treiber mithilfe vorkonfigurierter Analysen identifiziert werden, und diese – das war durch seine Live Demonstration das wirklich besondere – im interaktiven Dashboard angezeigt werden.

Das Sortiment einer einzelnen Filiale zu optimieren z.B. aufgrund einer lokalen Sportveranstaltungund dabei sofort sehen zu können, wie sich Umsatz und Gewinn dieser einzelnen Kategorie in dieser einzelnen Filiale entwickelt, zeigte er einfach live am System in Echtzeit und real. Sortimentsplanung und auch Produktmix können so noch weiter optimiert optimiert werden, da auch lokale Daten in die Betrachtung einfliessen und damit ein ungeahnter Datenschatz gehoben werden kann. Es werden konkrete Handlungsempfehlungen von der Plattform aufgezeigt.

 

Eine gute Demonstration. Die an unserem IBM Messestand zu diversen Nachfragen im Anschluß führte.

 

 

 

 

Der Abschluß dieses spannenden Tages bildet dann die Vergabe der deutschen Handelspreise 2018.

Im festlichen Rahmen wurde der Innovationpreis des Handels für die Lösung von IDEE GmbH verliehen. Das Publikum im Saal wählte die blockchain-basierte Lösung aus München zur Identifikation von Kunden als Gewinner. Die Idee ist ohne Kennwörter in Zukunft zu arbeiten, Kunden in Filialen werden einfach mit ihrem Smartphone identifiziert und können auch damit bezahlen.
Blockchain war in der Tat ein Thema ein wenig ausserhalb der Kongressagenda. Auf unserem Messtand zeigten wir die Blockchain Lösung zur besseren Lebensmittelsicherheit. Es gab eine Reihe von Kongressteilnehmer am Messestand mit Nachfragen (und natürlich Informationen von IBM) dazu.

Der deutsche Handelspreis selbst wurde anschließend in Kategorien vergeben. In der Kategorie Mittelstand konnte sich Dehner über den Preis freuen. Die Jury würdigte die Innovation und die Customer Experience der Gartencenter-Gruppe. Der deutsche Handelspreis 2018 für Großunternehmen ging zusammen an Aldi Nord und Aldi Süd. Ausgezeichnet wurde die unternehmerischen Erfolge der vielen Jahre und die Expansion ins Ausland.

Sehr ergreifend empfand ich die Vergabe des Lifetime Awards an Frau Evi Brandl. Inhaberin und Geschäftsführerin von Vinzenzmur in München. „Ich habe wunderbare Mitarbeiter“ sagte Frau Brandl sichtlich bewegt über den Preis. Großartig.

Dieses kleine Video auf YouTube zeigt den Abend sehr schön in einer Zusammenfassung:

 

#dhk18

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