Die Cloud – das digitale Nervensystem

By | 3 minute read | May 18, 2017

Körper und Geist bilden eine funktionierende Einheit, die uns seit Jahrtausenden das Überleben sichert. Ein komplexes Zusammenspiel des vegetativen und somatischen Nervensystems sorgt dafür, dass ohne unser Zutun das Herz schlägt und die Lungen atmen und wir über die Sinnesorgane bewusst unsere Umgebung wahrnehmen. Dank unserem Verstand können wir Texte lesen, Sprachen verstehen und uns eine eigene Meinung bilden.

Autonom und bewusst – unser Körper beherrscht beides. Und was die Biologie geschafft hat, daran arbeitet derzeit die Informationstechnologie. Im übertragenen Sinne entspricht die Cloud unserem Körper: In ihr werden Daten gespeichert, laufen Anwendungen und über sie sind Maschine und Systeme vernetzt. Mit den digitalen Daten in der Cloud lassen sich sowohl automatisierte Prozesse steuern als auch intelligente Entscheidungen treffen. Was beim Menschen das vegetative und somatische Nervensystem ist, das wird in der Cloud zum Internet of Things (IoT) und Cognitive Computing.

Vegetative und somatische Cloud

Wenn wir uns erkälten, sorgt das vegetative Nervensystem dafür, dass unser Immunsystem informiert wird und autonom gegen Bakterien und Viren kämpft. Dies entspricht einer cloudbasierten IoT-Anwendung, die über Sensoren die Zustände von Maschinen, Autos oder Flugzeugen sammelt und auswertet. Automatisch erkennen IoT-Systeme auftretende Funktionsstörungen oder Schäden und beheben diese so weit als möglich. IoT ist auch das Fundament für Industrie-4.0-Lösungen, um eine vernetzte und selbstorganisierte Produktion zu ermöglichen. Maschinen, Anlagen und Produkte kommunizieren bei Industrie 4.0 miteinander und steuern automatisch die Fertigungsprozesse.

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Cloudbasierte IoT-Anwendungen sammeln über Sensoren Daten – ähnlich dem vegetativen Nervensystem, das das Immunsystem steuert

Soweit die „vegetative“ Cloud, doch sie kann inzwischen mehr und dringt in den „somatischen“ Bereich vor. Dank Cognitive Computing können heute IT-Systeme sprechen, verstehen und lernen, um digitale Daten für die Entscheidungsfindung auszuwerten. Also Funktionen übernehmen, die bei uns der Verstand übernimmt. So wissen wir zum Beispiel, dass wir uns bei einer Erkältung schonen sollten: Tee trinken, Medikamente nehmen und zum Arzt gehen. Dies ist eine Leistung unseres somatischen Nervensystems. Dank künstlicher Intelligenz, über die beispielsweise das Computersystem IBM Watson verfügt, halten kognitive Systeme nun auch Einzug in die digitale Cloud. Watson versteht die menschliche Sprache, kann selbst sprechen und wertet über kognitive Algorithmen enorme Datenmengen in Sekundenschnelle aus. Die auf Watson basierenden Technologien sind in der Lage, digitale Informationen in neue Zusammenhänge zu stellen, um daraus zu lernen. So wie unser Gehirn mit seinen geistigen Fähigkeiten aus eigenen oder fremden Erfahrungen lernt und daraus neues Wissen generiert.

Cognitive Computing und IoT in der Cloud

Die Cloud vereint Cognitive Computing und IoT, so wie unser Körper vegetatives und somatisches Nervensystem beherbergt. Mit kognitiven Anwendungen lassen sich beispielsweise Flugzeugsysteme nicht nur automatisch überwachen, sondern auch neues Wissen für effizientere Triebwerke gewinnen. Häuser sind heute schon über IoT-Anwendungen Smart Homes, die automatisch das Licht anschalten oder die Heizung steuern. Aber erst Cognitive Computing liefert die Intelligenz, um individuelle Vorlieben zu erkennen und daraus zu lernen. Die Heizung stellt sich auf das persönliche Wohlbefinden eines Menschen ein und orientiert sich nur am aktuellen Wetter. Es entsteht eine digitale Welt, in der Produkte über ihren kompletten Lebenszyklus hinweg mit ihrem Hersteller vernetzt sind.

Die Cloud ist der digitale Körper, über den Systeme vernetzt, Informationen gesammelt und Erkenntnisse gewonnen werden. Und wie beim Menschen, so gilt auch für die Cloud: Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist fühlt sich nur in einem gesunden Körper wohl. Und so braucht die Cloud eine entsprechende „gesunde“ Programmierung, damit IoT und Cognitive Computing effizient aufeinander abgestimmt sind. Eine Aufgabe, der sich die Entwickler derzeit stellen und mit Hochdruck daran arbeiten.