Berufsbegleitendes Studium: Bachelor in der Tasche – was nun?

By | 4 minute read | June 14, 2016

Früher waren akademische Karrieren gradlinig: Nach Studium und eventuell Promotion ging‘s in ein Unternehmen – häufig war dies ein Berufsleben lang das gleiche. Heute gibt es vielfältige Möglichkeiten – Bachelor, Master, Staatsexamen oder eben auch ein berufsbegleitendes Studium an einer Hochschule bei gleichzeitigem Eintritt in die Arbeitswelt.

Ein berufsbegleitendes Studium bedeutet in der Regel eine Win-Win-Win-Situation: Die Studierenden können ihr theoretisches Wissen gleich in der Praxis anwenden und beziehen dafür Gehalt. Für die Hochschulen ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen im Kontext der beruflichen Aus- und Weiterbildung ebenfalls ein Gewinn.  Dies bestätigt z. B. Professor Dr. Alexander Rossmann von der seit Jahren in Rankings sehr gut abschneidenden Hochschule Reutlingen: „Die Kooperation zwischen Unternehmen und Hochschulen in der Weiterbildung ist für uns aus unterschiedlichen Gründen wertvoll. Zunächst lassen sich auf Grund des Dialogs zwischen Forschung und Praxis die Inhalte der Lehre praxisorientiert gestalten. Dies wirkt sich auf alle Programme der Hochschule aus und ist auch für die Studierenden wichtig. Daher haben Hochschulen mit starken Praxiskooperationen in der Regel auch gute Rankingergebnisse. Die Zusammenarbeit in der Lehre kann häufig auch auf die Forschung ausgedehnt werden. Damit bleiben die Forschungsprojekte an der Hochschule für die Unternehmenspraxis relevant. Schließlich leisten die finanziellen Erlöse der Weiterbildung bereits heute einen deutlichen Beitrag zur Verbesserung der Qualität von Forschung und Lehre.“ Für das Unternehmen dagegen bietet ein berufsbegleitendes Mastersprogramm die Möglichkeit, Talente früh zu erkennen, zu entwickeln und an sich binden – eine Investition in die Zukunft also!

Mittlerweile entscheidet sich die Mehrheit der Studierenden in Deutschland nach dem Bachelorstudium für ein Masterstudium. So planen ca. 60 Prozent der Bachelorstudierenden, im Anschluss an das Bachelor- noch ein Masterstudium zu absolvieren: vor allem aus Gründen besserer Karriere- und Verdienstmöglichkeiten oder aus fachlichem Interesse. Lediglich 19 Prozent der Absolventen haben dies nicht vor, 20 Prozent sind sich bei ihrem Bachelorabschluss noch unsicher. Das sind einige Ergebnisse einer repräsentativen Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2014.Grafik_Quelle_Allensbacher_Archiv

Heute können Bachelorabsolventen aus einer Vielzahl an Möglichkeiten das für sie passende Masterstudium wählen. Die Anzahl der angebotenen Masterstudiengänge hat sich in den letzten sechs Jahren mehr als verdoppelt. So wurden zum Wintersemester 2015/2016 8.099 Masterstudiengänge in Deutschland angeboten. Zum Vergleich: Im Wintersemester 2008/2009 konnten die angehenden Masterstudierenden aus nur 4.004 Studiengängen „ihren“ Master auswählen. Es gibt heute viele hochspezialisierte Masterstudiengänge, zum Beispiel allein mehrere im Bereich Innovationsmanagement. Das Hochschulangebot variiert dabei vom Vollzeit- oder Teilzeitstudium bis hin zum berufsbegleitenden Studium.

 Gute Verzahnung von Theorie und Praxis des berufsbegleitenden Masters

 Einige zukunftsorientierte Unternehmen – Bosch, Ernst & Young oder auch IBM – setzen auf ein berufbegleitendes Masterstudium. So bietet IBM seit 2010 den „Graduate Master@IBM“ an und holt sich gezielt Bachelorabsolventen ins Unternehmen, um sie möglichst früh in ihrer Laufbahn kennenzulernen und zu Fach- und Führungskräften auszubilden. Seit dem Startschuss 2010 ist die Anzahl an Masterstellen bei IBM kontinuierlich gestiegen. In der aktuellen Bewerbungsphase, die seit Anfang März 2016 läuft, wurden insgesamt rund 140 Stellen von den verschiedenen Geschäftsbereichen ausgeschrieben. Die Studiengänge sind vor allem in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und Informationstechnologie angesiedelt.

Und was bedeutet das für das Unternehmen und die Studierenden konkret? Geeignete Bachelorabsolventen werden für zwei Jahre bei IBM eingestellt. Sie arbeiten in einer Fachabteilung ihrer Wahl – so z. B. im Vertrieb, in der Beratung, im Marketing, bei HR oder in der Entwicklung von Hard- und Software. Dabei haben die Studierenden die Chance, sich durch interne Schulungen weiterzuqualifizieren oder sich in unterschiedlichen Fachgebieten zu zertifizieren. Das Arbeiten in Teams bietet ihnen zudem die Möglichkeit, von anderen Teamkollegen zu lernen und gemeinsam kreative neue Ideen zu entwickeln.

Parallel dazu studieren sie einen inhaltlich passenden Masterstudiengang. Deutschlandweit können die Bewerber dabei aus mehr als 35 verschiedenen Studiengängen an rund 20 renommierten Hochschulen wählen. Zu dem derzeitigen Hochschulangebot zählen beispielsweise die Hector School of Engineering and Management des KIT in Karlsruhe, die Knowledge Foundation der Hochschule Reutlingen, die German Graduate School of Management and Law oder die FOM Hochschule für Ökonomie und Management.

Attraktive Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten

Angebote wie die von IBM sind für viele Absolventen attraktiv. Sie bieten den klaren Vorteil, dass die Absolventen bereits früh Erfahrungen in der Praxis sammeln können. Sie lesen nicht nur von IBM Watson in der Zeitung, sie können mit dem kognitiven System auch arbeiten, sie kennen den Kunden nicht nur aus theoretischen Zielgruppenanalysen, sondern treffen ihn. So lernen sie Verantwortung zu übernehmen und können frühzeitig entscheiden, welchen Karriereschritt sie gehen möchten – Fach- oder Führungslaufbahn, Inland oder Ausland, Unternehmens- oder Universitätslaufbahn. 

Zudem bringen die Studierenden ihre Erfahrung in die Ausbildung an der Hochschule ein – das belebt nicht nur inhaltlich die Lehre und Forschung, sondern trägt natürlich grundsätzlich auch zu deren Qualitätsverbesserung durch die entsprechenden finanziellen Mittel bei. Die Studiengebühren der berufsbegleitenden Masterstudiengänge werden von IBM getragen.

Der Masterabschluss ist allerdings keine Voraussetzung, um die Karriereleiter nach oben zu klettern. Auch wer den Direkteinstieg als Bachelor wählt, hat sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten bei IBM.

Wichtig ist, die zahlreichen Möglichkeiten zu kennen und individuell abzuwägen. Dabei helfen oft Gespräche mit Freunden oder Geschäftskontakten aus ehemaligen Praktika. Wer dann erstmal im Unternehmen angekommen ist, wird seinen Weg finden!

Übrigens: Wie das Ganze in der Praxis aussieht, wie man also Studium und Job zugleich gerecht wird, berichten die zwei Master@IBM Studentinnen Sabine Jörgens und Jennifer McNeilly. Das Interview mit den beiden Studentinnen finden Sie auf der Website der GGS (German Graduate School of Management & Law): https://www.ggs.de/ueber-uns/ggs-inside/gesichter-der-ggs/studentinnenibm/