The next big thing: Blockchain für Unternehmen

By | 5 minute read | March 23, 2016

In den vergangenen Jahren hat das Internet, Cloud und mobile Anwendungen, kurz die Digitalisierung, viele Aspekte unserer Wirtschaft, Gesellschaft und unseres Alltags nachhaltig verändert.

Unverändert geblieben sind dagegen viele der darunter liegenden Verfahren und Abläufe. Mehr noch: Durch die globalen Wirtschaftsbeziehungen von Unternehmen ist nicht nur die Anzahl der an einer Transaktion beteiligten Behörden, Institutionen und Zwischenhändler immer größer beworden. Auch die notwendigen Prozesse und Regeln – beispielsweise in der Finanzbranche – haben eigentlich einfache Abläufe komplex gemacht.

Man könnte sagen: Wir versuchen Abläufe aus früheren Jahrhunderten in Technologien aus dem 21. Jahrhundert abzubilden und dort umzusetzen statt darüber nachzudenken, ob nicht auch mit Hilfe von Technologien Vereinfachungen möglich sind, ohne Abstriche in der Sicherheit und Regelkonformität dieser Abläufe zu machen.

Blockchain könnte mittelfristig eine Lösung für dieses Dilemma sein. Momentan ist die Technologie nur einigen wenigen als Basis für die digitale Währung Bitcoin ein Begriff. Im Grunde ist sie aber eine Basis für eine neue Art von Anwendungen, die Abläufe in Wirtschaft und Gesellschaft transparenter, effizienter und kostengünstiger machen – also im Grunde das, was wir im Internetzeitalter erwarten können.

Kryptografisch gesicherte Weitergabe möglich

Die Blockchain ist vereinfacht gesagt ein dezentrales Register oder eine Art digitaler Kontoauszug aus aneinandergereihten Datenblöcken über Transaktionen und Interaktionen zwischen Computern (oder deren Nutzern). Jede Veränderung, die eine Transaktion, ein Prozess, ein „Workflow“ im Laufe seiner digitalen Reise erfährt, wird automatisch in dieses Register eingetragen und auf vielen anderen, dem Netzwerk angeschlossenen Rechnern als Kopie gespeichert. Technisch gesprochen: Eine solche dezentrale Datenablage ermöglicht eine kryptografisch abgesicherte Weitergabe virtueller Güter nach dem Peer-to-Peer-Prinzip.

Der Vorteil: Eine nachträgliche Manipulation oder ein Hack der Transaktion ist aufgrund der großen Zahl an so genannten Nodes (aka Computer, auf denen eine Kopie liegt) praktisch unmöglich.

Klingt abstrakt und kompliziert? Die Blockchain ist komplexe Technologie, um Dinge einfacher zu machen.

Ein Beispiel aus dem globalisierten Alltag: Ein Maschinenbauer aus dem süddeutschen Raum erhält eine Lieferung von elektronischen Bauteilen und möchte seinen Lieferanten in Taiwan bezahlen. Die beiden Unternehmen nutzen vermutlich unterschiedliche Banken, unterschiedliche Logistikunternehmen, bezahlen in verschiedenen Währungen und unterliegen den lokalen Gesetzen und Verordnungen ihrer jeweiligen Länder. Durch diese Faktoren wird aus einer eigentlich simplen Lieferung und einer entsprechenden Zahlungsanweisung eine Kette von Abläufen zwischen Banken, Zwischenhändlern, den Zoll- und Finanzbehörden und vielen mehr. Jeder Beteiligte legt individuell den Vorgang in seinem System an, was zum einen Zeit kostet und zum anderen immer die Gefahr birgt, dass sich Fehler einschleichen.

Würde der Vorgang über ein Blockchain-Netzwerk abgewickelt werden, durchläuft das Ganze möglicherweise innerhalb von ein paar Minuten unter Einbindung aller Beteiligten transparent alle notwendigen Schritte, bis die Lieferung veranlasst und das Geld dem Lieferanten gutgeschrieben wird.

Finanzbranche beobachtet Entwicklung genau

Blockchain-basierte IT Systeme könnten ganze Industrien verändern. Nicht umsonst beobachtet die Finanzbranche schon ganz genau, welche Entwicklung die Technologie nimmt und welche Auswirkungen sie auf etablierte Abläufe haben könnte. Aber der Einfluß einer solchen Technologie reicht weit über Banken und Versicherungen hinaus. Letztlich kann sie überall dort zum Einsatz kommen, wo Güter, Lizenzen oder andere Dinge von Wert (gleich ob stofflicher oder digitaler Natur) den Eigentümer oder Besitzer wechseln sollen. Oder wo sichergestellt sein muss, dass eine digitaler Vertrag nachvollziehbar und nur mit Zustimmung aller Beteiligten geändert werden kann.

Aus Sicht von IBM sind Blockchain und seine verschiedenen Komponenten eine außerordentlich wichtige Entwicklung, die Stand heute aber noch nicht die Marktreife haben, um auf breiter Front in wirtschaftlichen Abläufen zum Einsatz zu kommen. Beispielsweise benötigen viele Unternehmensanwendungen noch weitreichendere Sicherheitsfunktionen als die, die Blockchain Implementierungen abseits des oben beschriebenen Peer-to-Peer Konzepts bieten.

Um die Technologie zu einer echten Alternative werden zu lassen, arbeiten eine Reihe von Unternehmen – unter anderem Experten aus IBM Research und den Entwicklungszentren – an Blockchain-Technologien. Um sein ganzes Potential zu entfalten, muss Blockchain auf offenen Technologiestandards basieren, um die Kompatibilität und Interoperabilität mit anderen Systemen sicherzustellen. Zudem sollten die verschiedenen Blockchain-Versionen, die es bereits gibt, zukünftig auf Open Source Software statt auf proprietärer Software basieren, um einen offenen Wettbewerb der Anwendungen zu ermöglichen. Nur unter diesen Voraussetzungen wird die Technologie größere Akzeptanz erhalten und Innovationen fördern.

Hyperledger setzt sich für quelloffene Blockchains ein

Im Dezember 2015 hat IBM gemeinsam mit anderen Unternehmen der IT-Branche und Banken unter dem Dach der Linux Foundation, eine gemeinnützige Organisation zur Förderung von Innovationen durch Open Source Software eine Initiative namens Hyperledger gestartet, um eine Blockchain quelloffen anbieten zu können. Zu den 30 Gründungsmitgliedern gehört auch die Deutsche Börse, die die Technologie als eine mögliche Plattform für zukünftige IT-Lösungen sehen.

Schon heute hat allein IBM 44.000 Zeilen Code an das Projekt übergeben.

Und im letzten Monat haben wir einen Service für Entwickler auf IBM Bluemix aus der Taufe gehoben, mit dessen Hilfe Unternehmen und IT-Experten Blockchain in kommerziellen Projekten einsetzen können. Über den Service können Blockchain-Netzwerke auf IBM Softlayer verwaltet werden oder digitale Assets sicher und vertraulich über die Teilnehmer des Netzwerks verteilt werden. Entwickler haben zudem Zugriff auf DevOps-Werkzeuge, um damit Blockchain-Anwendungen zu entwickeln, zu implementieren und zu überwachen. Die Anwendungen können auch auf IBM z Systems, der weltweit sichersten Großrechnerarchitektur installiert werden, um einen zusätzlichen Level an Sicherheit, Verfügbarkeit und Leistung zu erreichen. Auch der Einsatz der Watson IoT Plattform für Anwendungen im Internet der Dinge ist vorgesehen.

Darüber hinaus bietet IBM seit neuestem in so genannten „IBM Garages“ in New York, Singapur, Tokio und London Dienstleistungen für die Finanz- und Dienstleistungsbranche für den Einsatz von Blockchain an.

Seit dem Beginn des Internetzeitalters hat IBM vielen Kunden dabei geholfen, das optimale für sich aus der Informationstechnologie zu holen. Wir waren federführend bei der Einführung von Linux, Eclipse, Java, Spark und vielen anderen offenen Technologien in den Massenmarkt. Jetzt sehen wir es als unsere Aufgabe an, eine offene Blockchain-Architektur für unsere Kunden und den Markt Wirklichkeit werden zu lassen und der globalen Wirtschaft eine Plattform bereitzustellen, die Anforderungen des digitalen 21. Jahrhunderts gerecht wird.