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Mining the Automotive Industry – Eine KI-Software zur Analyse der Marktorientierung von Automobilherstellern

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Umwälzende Veränderungen in der Automobilindustrie

Die Automobilindustrie ist wie keine zweite Industrie von umwälzenden Veränderungen durch die Digitalisierung betroffen. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation der Kraftfahrzeughersteller (OICA) sind mehr als 5 Prozent der weltweit Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe direkt an der Produktion von Fahrzeugen beteiligt. Die wirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie reicht jedoch weit darüber hinaus. Viele der bahnbrechendsten Innovationen des 20. Jahrhunderts haben ihren Ursprung in Automobilunternehmen und hinterließen einen erkennbaren geographischen Fußabdruck: die Massenproduktion, die Just-in-Time-Produktion und die Organisation von Unternehmen mit mehreren Geschäftsbereichen. Auch die Automobilindustrie der Zukunft wird bahnbrechende Innovationen in relevanten Bereichen wie Elektromobilität, Konnektivität und autonomes Fahren hervorbringen.

Diese Innovationen bieten große Chancen für die Wertschöpfung, aber auch große Risiken, da neue Marktteilnehmer Technologien einführen könnten, welche die etablierte Ökonomie bedrohen. Wie sich die Industrie verändert und wie weltweit führende Automobilhersteller ihr Geschäft in diesem Umbruch innovativ ausrichten, hat eine neue Studie nun untersucht.

Handlungsempfehlungen für die Automobilindustrie im Hier und Jetzt

Das Projekt „Mining the Automotive Industry“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, konkrete Handlungsempfehlungen für Automobilhersteller für das Hier und Jetzt abzuleiten. Gewissermaßen soll die Zukunftsvision in eine Gegenwartsmission übersetzt werden. Ziel ist es, die aktuelle Positionierung der Unternehmen im Wettrennen um die Zukunftstechnologien zu ermitteln. Nur so können gemeinsam langfristige Innovationsstrategien entwickelt werden.

Um Einblicke in die technologische Ausrichtung und die internationale Marktorientierung der drei größten Automobilhersteller Toyota, Volkswagen und Hyundai zu gewinnen, bediente sich das Team Daten-getriebener KI-Modelle und IBM Watson Tools. Die Datenwissenschaftler entwickelten eine KI-basierte Softwarelösung, welche die öffentlich-zugänglichen Firmen-Webseiten analysiert. Diese werden als Netzwerkstrukturen (Webseiten als Netzwerkknoten, Hyperlinks als Knotenverbindungen) aufgefasst. Anschließend wurde die Anzahl der Webseiten gemessen, auf denen sich die Automobilhersteller gegenüber Zukunftstrends wie Elektromobilität, Konnektivität oder autonomem Fahren positionieren. So sind beispielsweise weite Teile der Onlinepräsenz von Toyota und Hyundai durch einen klaren Fokus auf Elektromobilität geprägt. Volkswagen thematisiert diesen Digitalisierungstrend auf wenigen Webseiten und rückt autonomes Fahren in den Mittelpunkt.

Darüber hinaus lassen sich Webseiten über ihre Länder-Domain (.de, .fr, .uk) in geografische Cluster aufteilen. Die Größe dieser Cluster korreliert stark mit den Absatzzahlen der Automobilhersteller in den jeweiligen Ländern. Zum Beispiel sind die Webauftritte in Ländern mit hohem Bruttoinlandsprodukt wie China besonders ausgeprägt, da hier hohe Absatzzahlen angepeilt werden. Dieses Analyseergebnis ermöglicht es IBM, die globale Marktorientierung seiner Partner und Kunden besser zu verstehen, um gemeinsame Zukunftsstrategien zu entwickeln.

Frei zugänglich testen und kostenlos einsetzen

Die entwickelte Softwarelösung ist kostenlos, transparent und reproduzierbar, wodurch sie auch auf andere Industrien übertragen und von IBMern, Partnern und Kunden frei genutzt werden kann. Der gesamte Programmcode ist Open Source erhältlich und die Forschungsergebnisse wurden im renommierten Wissenschaftsjournal Springer Nature publiziert. Wer tiefere Einblicke in die Details der Lösung erhalten möchte, hat hier die Möglichkeit die gesamte Arbeit frei zugänglich zu lesen: https://arxiv.org/pdf/1912.10097.pdf

In einer Zeit, in der Innovationen im Quartalstakt vorgestellt und Informationen als wertvolle Güter gehandelt werden, ermöglicht die Kenntnis der technologischen Marktorientierung ein besseres Kundenverständnis. Mit diesem kompetitiven Vorteil kann IBM nicht nur Innovationsdefizite aufzeigen, sondern diese auch messbar machen und sie durch Projektvorschläge adressieren. Aus den Studienergebnissen lassen sich zum Beispiel konkrete Handlungsempfehlungen für Volkswagen ableiten. Der Wolfsburger Automobilkonzern könnte seinen Fokus auf das autonome Fahren weiter stärken. Zusätzliche könnten Projekte im Bereich der E-Mobilität initiiert und Wachstumsmärkte wie Brasilien und Kolumbien ausgebaut werden.

Das Team hinter „Mining the Automotive Industry“ setzt sich aus einer Kooperation zwischen dem IBM AI Core Team, der University of Oxford und des University College London, bestehend aus Niklas Stoehr (IBM), Dr. Fabian Braesemann, Michael Frommelt (IBM) und Dr. Shi Zhou, zusammen.

Links

Open Access Paper
Springer Nature Paper
IBM Livestudio Interview
Blog Post
Github Code

Machine Learning Engineer – IBM Services, AI Core

Michael Frommelt

Head of AI & Data Core – IBM Services, AI Core

Fabian Braesemann

Research Fellow und Data Scientist – Said Business School, University of Oxford

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